Home
http://www.faz.net/-gpf-74hgw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Die Republikaner nach der Wahl Dummheit ist der Feind des Siegs

Amerikas Republikaner müssen die Niederlage bei der Präsidentenwahl verarbeiten. Ginge es nach ihren Gouverneuren, würden sie Minderheiten mit einbeziehen, statt sich von ihnen abzugrenzen.

© dpa Nach Mitt Romneys Niederlage ist der Prozess der Ursachensuche bei den Republikanern in vollem Gange

Wie schwer war für die Republikaner die Niederlage bei den Präsidenten- und Kongresswahlen vom 6. November? War es ein katastrophaler Verlust, weil gegen den historischen Trend ein politisch verwundbarer demokratischer Präsident in einer anhaltenden Wirtschaftskrise wiedergewählt und dazu das Ziel der Rückeroberung des Senats verfehlt wurde? Oder war es nach einer beispiellosen negativen Wahlkampagne des Weißen Hauses gegen den republikanischen Herausforderer ein knappes Ergebnis, das zudem in den letzten Tagen vor der Wahl durch den Hurrikan „Sandy“ beeinflusst wurde? Was also müssen die Verlierer tun, um 2014 und zumal 2016 wieder gewinnen zu können? Der Prozess der Ursachen- und zugleich Seelensuche bei den Republikanern ist in vollem Gange.

Matthias Rüb Folgen:

In der vergangenen Woche etwa kam der Verband republikanischer Gouverneure in Las Vegas in Nevada zusammen, um über den Zustand der Partei zu diskutieren und eine neue Führung zu wählen. Zum neuen Vorsitzenden des Verbands wurde der 41 Jahre alte Bobby Jindal aus Louisiana gewählt, zu seinem Stellvertreter Scott Walker aus Wisconsin. Im Vorstand sind Susana Martinez aus New Mexico, Nikki Haley aus South Carolina, Rick Scott aus Florida, Chris Christie aus New Jersey, Tom Corbett aus Pennsylvania und Bob McDonnell aus Virginia.

Grund zur Depression sahen die in Las Vegas Versammelten nicht: Schließlich stellen Republikaner in 30 der 50 Bundesstaaten die Gouverneure, in so vielen wie seit 2000 nicht. Schon die Zusammensetzung der Führung zeigt, in welche Richtung sich die Partei bewegen muss, ginge es nach ihren Gouverneuren: Bobby Jindal, einer der wichtigsten Hoffnungsträger der Partei, und Nikki Haley haben indischstämmige Eltern; Susana Martinez ist die derzeit populärste Latina unter den republikanischen Führungskräften; Scott Walker, Rick Scott, Chris Christie, Tom Corbett und Bob McDonnell regieren in Bundesstaaten, die allesamt bei den Präsidentenwahlen von 2008 und 2012 an den demokratischen Kandidaten Barack Obama gingen. Es geht um den Einschluss von Minderheiten und nicht um Abgrenzung, es geht um den Marsch in die politische Mitte und nicht um die Abkapselung am rechten Rand.

Mit absurden Einlassungen sichere Senatssitze verschenkt

Bobby Jindal reagierte am Heftigsten auf die umstrittenen Äußerungen des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, der in einer Telefonkonferenz mit Parteispendern in der vergangenen Woche seine Wahlniederlage gegen Obama damit erklärt hatte, dass der Präsident verschiedenen Wählergruppen - Schwarzen, Latinos, jungen Leute, alleinstehenden Frauen - „Geschenke“ gemacht habe. „Ich weise das entschieden zurück“, sagte Jindal: „Wir können Wähler nicht gewinnen, indem wir sie beleidigen und unterstellen, ihre Stimmen seien gekauft worden.“ Jindal und andere republikanische Gouverneure beklagten außerdem, dass die Partei in wichtigen Bundesstaaten unqualifizierte Kandidaten aufgestellt habe, die sich in den Vorwahlen dank der Unterstützung durch die rechtskonservative „Tea Party“ hatten durchsetzen können. „Wir müssen aufhören, eine dumme Partei zu sein, und das heißt, wir müssen aufhören, dumme Kommentare abzugeben“, sagte Jindal.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Präsidentschaftsbewerber Trump Amerikas Dieter Bohlen

Milliardär Donald Trump ist das Sommerspektakel der amerikanischen Innenpolitik. Obwohl der Populist in Umfragen führt – fast niemand billigt ihm Chancen zu, ins Weiße Haus zu gelangen. Mehr Von Andreas Ross, Washington

23.07.2015, 08:45 Uhr | Politik
Rassismus South Carolina hängt Südstaatenflagge ab

Nach dem rassistischen Mord an neun Schwarzen in einer Kirche in Charleston wird die umstrittene Konföderiertenflagge vor dem Parlament von South Carolina abgehängt. Wie der Senat von South Carolina stimmten auch die Abgeordneten des Bundesstaates für den Schritt. Gouverneurin Nikki Haley, die sich dafür ausgesprochen hatte, muss das Gesetz nun noch in Kraft setzen. Mehr

09.07.2015, 17:16 Uhr | Gesellschaft
Präsidentschaftskandidatur Trump unter Republikanern viel beliebter als Bush

Der umstrittene Unternehmer Donald Trump ist in einer neuen Umfrage Spitzenreiter unter Republikanern für die Präsidentschaftskandidatur. Sein Konkurrent Jeb Bush hat deutlich an Zustimmung verloren. Mehr

21.07.2015, 11:03 Uhr | Politik
Im Ring mit Evander Holyfield Ex-Präsidentschaftskandidat Romney boxt gegen Weltmeister

Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist für einen guten Zweck in den Ring gestiegen. Für die Hilfsorganisation CharityVision lieferte sich Romney einen Box-Showkampf gegen den mehrfachen Weltmeister im Schwergewicht, Evander Holyfield. Mehr

17.05.2015, 11:08 Uhr | Sport
Handel mit Grabsteinen Eine Gruft zu vermieten

Der Erzbischof von Newark witterte ein gutes Geschäft. Seine Diözese verpachtete Grabsteine und Mausoleen. Dann funkte der Gouverneur von New Jersey dazwischen. Jetzt gibt es einen Rechtsstreit, der sich gewaschen hat. Mehr Von Winand von Petersdorff, Washington

24.07.2015, 07:20 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 21.11.2012, 07:40 Uhr