23.10.2008 · 150.000 Dollar hat Sarah Palin angeblich für Kleidung, Make-up und Frisörbesuche im Wahlkampf ausgegeben. In Zeiten der Finanzkrise sorgt diese Nachricht für scharfe Kritik. Palins Kandidatur als Vize-Präsidentin belastet zunehmend John McCains Kampagne.
Sarah Palins Nominierung als „running mate“ belastet zunehmend die Kandidatur des Republikaners John McCain bei der Präsidentenwahl. Am Freitag soll die Gouverneurin von Alaska zum zweiten Mal zum Vorwurf des Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit der Entlassung des Sicherheitschefs befragt werden. Auch die Affäre um Palins teure Garderobe während des Wahlkampfs als Vize-Präsidentschaftskandidatin macht den Republikanern zu schaffen. Dagegen liegt der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama einer Umfrage des Senders CNN zufolge auch in vier Bundesstaaten vorn, die bei der Präsidentenwahl 2004 noch an die Republikaner gingen: Nevada, North Carolina, Ohio und Virginia.
Frau Palins Rechnungen über 150.000 Dollar (rund 117.000 Euro) für Kleider und sonstige persönliche Ausstattung löste in den Medien Kritik aus. „Ich will mein Geld zurück“, zitierte die Online-Zeitung „Politico“ am Mittwoch (Ortszeit) einen Spender der Republikaner, der anonym blieb. Allein für die Garderobe der Gouverneurin von Alaska seien im September rund 125.000 Dollar ausgegeben worden, berichtete „Politico“ unter Berufung auf Dokumente der Partei. Friseurbesuche und Make-up hätten überdies mit mehr als 4700 Dollar zu Buche geschlagen. Daneben seien weitere Kosten für Palins Erscheinungsbild angefallen.
Kleider sollen gespendet werden
Schon am 29. August, am Tag der Ernennung Palins zur Vize-Kandidatin, hätten republikanischen Berater entschieden, dass die Gouverneurin neu eingekleidet werden müsse, um in der Öffentlichkeit Punkte zu sammeln, schreibt die „New York Times“. Das Wahlkampflager des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers John McCain teilte inzwischen mit, dass die Kleider nach der Wahl am 4. November einer Wohltätigkeitsorganisation gespendet werden sollen.
In amerikanischen Kostümläden ist die republikanische Kandidatin für die Vizepräsidentschaft der absolute Renner. Neben Sarah-Palin-Masken verkaufen sich kurz vor Halloween aber auch die anderen Spitzenpolitiker gut.
Zudem wird Frau Palin nach Angaben ihres Wahlkampfteams am Freitag vor der Personalkommission des Bundesstaates Alaska aussagen. Die Kommission soll der Frage nachgehen, ob sie im Juli ethische Standards verletzte, als der Sicherheitschef von Alaska, Walt Monegan, seinen Sessel räumen musste. Zu diesem Schluss war ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Alaska Mitte Oktober gekommen. Palin hatte daraufhin eine zweite Untersuchung beantragt.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss hatte befunden, dass die Gouverneurin Monegan und mehrere Staatsbeamte aus persönlichen Gründen drängte, den Polizisten Michael Wooten zu entlassen. Monegan hatte sich trotz starken Drucks von Palins Ehemann Todd geweigert, die Entlassung vorzunehmen. Wooten war mit Sarah Palins Schwester verheiratet und befand sich damals in einem äußerst kontroversen Scheidungsverfahren.
Auch Palins Ehemann sagt aus
Todd Palin soll am Freitag ebenfalls vor der Personalkommission aussagen, die für ihre Untersuchung keine zeitliche Frist einhalten muss. Palins Ehemann hatte in einer eidesstattlichen Erklärung jeglichen Zusammenhang zwischen der Entlassung von Sicherheitschef Monegan und der Scheidung seiner Schwägerin bestritten. Er gestand zwar ein, mehrere führende Beamte wegen Wooten kontaktiert zu haben, versicherte aber, seine Frau habe ihn dazu aufgefordert, das „zu unterlassen“.
Die Gouverneurin hatte dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss vorgeworfen, eine politische Kampagne gegen sie zu führen. Der Oberste Gerichtshof Alaskas hatte den Antrag republikanischer Abgeordneter des Bundesstaats abgelehnt, das Verfahren als politisch motiviert einzustellen.