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So trauert Berlin : Viereinhalb Verlierer

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Was bleibt vom „Schulz-Effekt“? SPD-Chef Martin Schulz am Sonntagabend im Willy-Brandt-Haus Bild: AP

Lange Gesichter bei der SPD, kein Cuba Libre bei der Linkspartei, und die AfD verzichtet sogar auf eine Wahlparty – aus gutem Grund. Die Grünen sind zerknirscht, und in der FDP-Bundeszentrale geschieht etwas Bemerkenswertes.

          So hat Martin Schulz, der neue SPD-Vorsitzende, sich seinen ersten Wahlabend im Willy-Brandt-Haus nicht vorgestellt. Er tritt mit ernstem Gesicht auf die Bühne, lächelt kurz, verzichtet aber ansonsten auf Schauspielerei. Seit seiner Nominierung Ende Januar war er überall, wo er auftrat, umjubelt worden. Am Sonntag fällt der Applaus recht kurz aus. Er habe, setzt Schulz an, bis zuletzt darauf gehofft, dass die SPD gleichauf, vielleicht sogar an der Spitze lande. Er redet nicht um den heißen Brei herum: Die CDU habe eindeutig gewonnen, die Amtsinhaberin, der er gratuliert, habe das Potential der CDU sichtlich mobilisiert. Schulz ist es wichtig, an einem Abend, der für ihn „ganz gewiss nicht schön ist“, wie er sagt, fair zu erscheinen.

          Sodann beginnt die Schadensbegrenzung: Schulz verweist darauf, wo die Saar-SPD noch Ende Januar in den Umfragen gestanden habe, nämlich vier, fünf Prozentpunkte weiter unten. Soll heißen: Möge keiner den „Schulz-Effekt“ totsagen. Sodann konzentriert der Parteivorsitzende sich auf das wenige Positive des Abends: Die Wahlbeteiligung sei gestiegen. Die AfD, die er als „Feinde der Demokratie“ bezeichnet, sei dezimiert. Die Volksparteien hätten mobilisieren können. Mit Blick auf die Bundestagswahl fügt er hinzu: Die kommenden sechs Monate seien ein Langstreckenlauf, kein Sprint. Auf dem Weg dahin gebe es – in Kiel und Düsseldorf – noch zwei Wahlen, in denen die SPD von einem Amtsbonus profitieren könne.

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          Worüber Schulz schweigt

          Schulz spricht aber auch einige Dinge nicht aus, die im Atrium der Parteizentrale durchaus für Gesprächsstoff sorgen: Verfügt nicht auch Merkel über einen Amtsbonus? Und vor allem: Wenn der SPD an der Saar zuletzt die Debatte über ein rot-rotes Bündnis mit Oskar Lafontaine geschadet habe, warum sollte eine Debatte über ein Linksbündnis mit Sahra Wagenknecht der Bundes-SPD im September nicht auch schaden? Indes: Die Fortsetzung der großen Koalition in Saarbrücken sendet auch kein erquickliches Signal: Die Partei fürchtet die demobilisierende Wirkung der Prognose, genauso wie im Saarland werde es doch auch im Herbst kommen. Schulz blendet das alles aus, sagt lediglich, er strebe einen Regierungswechsel in Berlin an. Da jubeln die versammelten Genossen kurz und trotzig auf. Dann wieder machen Sorgen die Runde: War alles nur ein Strohfeuer?

          Früh ist im Berliner Karl-Liebknecht-Haus zu spüren, dass aus der ausgelassenen Wahlparty der Linkspartei wohl nichts wird. Vorbei die Zeiten, an denen vom späten Nachmittag jeden Wahlsonntags an der Cuba Libre fließt. Die Landtagswahl im Saarland ist, anders als erwartet, kein Aufbruchsignal für das Wahljahr 2017 geworden. Zum ersten Mal Rot-Rot im Westen, das wäre ein Anfang für den lange herbeigesehnten Politikwechsel gewesen. Die Führung der Linkspartei tut sich schwer, eine elegante Sprachregelung zum Abschneiden an der Saar zu finden. Das Publikum stöhnt auf, als das schlechte Wahlergebnis der Grünen über den Bildschirm flimmert. Bernd Riexinger behauptet unbeirrt, 13 Prozent seien ein „wirklicher Erfolg“ und ein „stabiles zweistelliges Ergebnis“. Die Reihe der Linke-Wahlergebnisse an der Saar könnte man auch anders deuten: 2009 waren es 21,3 Prozent, 2012 noch 16,1, und am Sonntag werden es zwölf bis 13 Prozent. Rot-Rot rückt damit in weite Ferne, selbst für Rot-Rot-Grün reicht es nicht.

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