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Wahl im Saarland : Heiko Maas und der lange Lauf an sich selbst vorbei

Heiko Maas wollte Ministerpräsident werden; dieses Ziel hat er deutlich verfehlt. Bild: Kaufhold, Marcus

Der SPD-Chef ist ein Ausdauersportler. Doch wer es auch im dritten Anlauf nicht schafft, muss bangen. In der SPD könnte manch einer die Frage stellen, ob der Kuschelkurs mit der Union richtig war.

          Schon um 18.15 Uhr fährt die schwarze Limousine vor der Messehalle in Saarbrücken vor. Wie bei der Ankunft eines Popstars stürzt sich ein Pulk aus Kameraleuten und Fotografen auf den Wagen. Nur mühsam können die Personenbewacher die Tür öffnen, damit die zierliche Frau in der pinkfarbenen Kostümjacke aussteigen kann. Der saarländische Landtagspräsident Hans Ley nimmt seine CDU-Parteifreundin derart stürmisch in den Arm, dass ihr fast die Brille von der Nase fällt. Was Ley und andere führende Mitglieder der Saar-CDU noch vor drei Wochen nicht für möglich gehalten haben, hat Annegret Kramp-Karrenbauer geschafft. Die 49 Jahre alte Ministerpräsidentin hat ihren SPD-Herausforderer in den letzten zehn Tagen vor der Landtagswahl auf der Zielgeraden abgefangen und mit einem deutlichem Vorsprung von fast fünf Prozentpunkten auf Platz zwei verwiesen.

          Erfreute Kanzlerin

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Oliver Georgi

          Klatschend und mit „Bravo“-Rufen begleiten CDU-Anhänger und Minister ihre Chefin zu den Fernsehstudios. Immer wieder sagt sie diesen Satz in die Kameras und Mikrofone: „Die Saarländer haben deutlich gemacht, was sie wollen: stabile Verhältnisse, eine große Koalition und Annegret Kramp-Karrenbauer als Ministerpräsidentin.“ Auch die Kanzlerin habe sich „sehr gefreut“ über die schöne Vorlage für die anstehenden Wahlkämpfe in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

          Saarland behält die unprätentiöse und herzliche Landesmutter „AKK“
          Saarland behält die unprätentiöse und herzliche Landesmutter „AKK“ : Bild: Kaufhold, Marcus

          Besonders fröhlich strahlt der junge CDU-Generalsekretär Roland Theis über den Erfolg, den er mit seiner auf eine unprätentiöse und herzliche Landesmutter „AKK“ zugeschnittene Wahlkampagne mit organisiert hat. „Es hat sich ausgezahlt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Weg konsequent gegangen ist, mit Risiko und Entschlossenheit.“ Keinen Zweifel lässt Theis daran, wer nach diesem Wahlergebnis das Sagen hat in jener großen Koalition, die künftig das Saarland regieren könnte: „Es wird eine Koalition auf Augenhöhe. Aber die CDU hat die Richtlinienkompetenz und stellt die Ministerpräsidentin. Es ist klar, dass es in einer Beziehung wichtig ist, wer die Hosen anhat“, sagt Theis.

          Bei der SPD hingegen herrscht sprachloses Entsetzen, als kurz nach 18 Uhr die erste Prognose auf den Bildschirmen erscheint - was auch daran liegt, dass sich kaum ein SPD-Anhänger in der Messehalle blicken lässt. Schon vorher war durchgesickert, dass der Abend wohl traurig würde. Nur der sonst so angriffslustige Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner vom linken Flügel der SPD nimmt sichtlich erschüttert das Wahlergebnis zur Kenntnis - und muss wenig später konsterniert mit ansehen, wie die strahlende Wahlsiegerin Kramp-Karrenbauer triumphal einzieht. „Wenige Meter vor dem Ziel haben wir das Ding noch so deutlich verloren“, sagt Schreiner und ist ratlos. „Keine Ahnung, warum.“ Viel mehr sagt er nicht, seine Miene aber spricht Bände: So deutlich hinter der CDU, mit der die SPD in den letzten Umfragen doch gleichauf lag, das ist ein Fiasko für Heiko Maas. Mit allem hatten die Sozialdemokraten gerechnet, selbst damit, dass Maas es auch im dritten Anlauf nicht in die Staatskanzlei schaffen könnte, obwohl die Voraussetzungen nach dem vorzeitigen Ende der „Jamaika“-Koalition so gut zu sein schienen wie nie zuvor. Dass sie den ersten Platz knapp verfehlen könnten, darauf waren sie eingestellt. Auf das hier nicht.

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