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Wahl im Saarland : CDU im Freudentaumel, SPD ernüchtert

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihr Mann Helmut Bild: dpa

Im Saarland siegt die Zufriedenheit mit Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. Die CDU ist glücklich, die SPD in Katerstimmung nach dem Schulz-Rausch. Nun wird wieder gemeinsam nüchtern regiert.

          Als Annegret Kramp-Karrenbauer um kurz nach halb sieben vor der Saarlandhalle aus ihrer Limousine steigt, bricht die wartende Parteiprominenz in lauten Jubel aus. Kramp-Karrenbauer, die im Saarland alle nur „AKK“ nennen, umarmt die Wartenden stürmisch, was sonst gar nicht ihre Art ist. Aber heute ist ihr Tag, ihr großer Sieg: Nach den ersten Hochrechnungen hat die CDU bei der Landtagswahl im Saarland mehr als 40 Prozent geholt, deutlich mehr als zuletzt in den Umfragen vorhergesagt. Damit kann sie die große Koalition unter ihrer Führung fortsetzen, ein rot-rotes Bündnis, das die SPD angestrebt oder zumindest nicht ausgeschlossen hatte, ist nicht möglich, auch weil die Grünen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in den neuen Landtag einziehen werden.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Oliver Georgi

          Kramp-Karrenbauer wirkt erschöpft nach dem Mobilisierungsmarathon der jüngsten Tage, aber auch gelöst, als sie kurz darauf vor die wartenden Journalisten tritt. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Saarländer meine Arbeit schätzen und wollen, dass ich sie weiterführe“, sagt sie. Und nein, dass es so deutlich ausgehen werde, damit habe sie nicht gerechnet.

          Bei der SPD hingegen, die sich auch für Saarbrücken so viele Hoffnungen gemacht hatte, seit der „Schulz-Zug“ aus Berlin der SPD deutliche Zuwächse in den Umfragen verschafft, hätte die Enttäuschung am Sonntag kaum größer sein können. Knapp mehr als 30 Prozent, je nach Hochrechnung sogar unter 30 Prozent – das ist nicht das fulminante Ergebnis, das sich viele Genossen angesichts des Rückenwinds aus Berlin erhofft haben. Der „Schulz-Zug“ ist zumindest in Saarbrücken bei voller Fahrt auf offener Strecke gebremst worden. „Wir haben unser Wahlziel, das wir uns gesetzt haben, leider nicht erreicht“, sagt eine sichtlich enttäuschte SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger. „Aber wir werden mal abwarten, der Wahlabend ist noch lang.“

          Damit spielt Rehlinger auf die vage Möglichkeit, die um diese Uhrzeit noch besteht, dass die Grünen im Laufe des Abends vielleicht doch noch über die Fünfprozenthürde steigen und eine rot-rot-grüne Koalition knapp möglich machen könnten. Doch schon früh am Abend ist klar, dass diese Hoffnung sich wohl nicht erfüllen werden. Auch der umstrittene Grünen-Vorsitzende Hubert Ulrich hofft am Abend noch, dass seine Partei die Fünfprozenthürde noch überschreitet. Man habe doch schon vieles erlebt mit Prognosen und Hochrechungen, sagt er dieser Zeitung. Aber auch er muss schon bald darauf feststellen, dass der Traum, nach der gescheiterten rot-rot-grünen Koalition nach der Landtagswahl 2012, als Ulrich zum Ärger von SPD und Linkspartei einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP den Vorzug gab, endlich ein rot-rot-grünes Bündnis an der Saar zu etablieren, wieder gescheitert ist.

          Schon am Wahlabend wird in Saarbrücken kontrovers die Frage diskutiert, woran es gelegen habe könnte, dass der „Schulz-Effekt“ sich in Saarbrücken doch nicht mehr ausgewirkt habe – bei der Bewertung sind sich die alten und wohl auch neuen Koalitionspartner CDU und SPD ausnehmend einig: Es lag nicht an Martin Schulz, sondern an der großen Beliebtheit von Kramp-Karrenbauer, die auch bei vielen SPD-Anhängern und sogar bei der Hälfte der Unterstützer der Linkspartei geschätzt wird. Trotzdem hatte vor der Wahl, als die SPD in den Umfragen immer mehr aufholte, auch mancher Genosse Kramp-Karrenbauer schon das Schicksal Julia Klöckners in Rheinland-Pfalz prophezeit: lange die klare Favoritin zu sein, um dann auf der Zielgeraden noch eingeholt zu werden.

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