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Saarland Die Rache der Wanderwähler

 ·  Wechselwillige Wähler im Saarland: Die Stimmen der FDP zerstoben in alle Richtungen, die Piraten profitieren von einem „Lebensgefühl jenseits von links und rechts“. Lafontaine verhindert einen SPD-Sieg.

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Ein Stimmenanteil von 23 Prozent unter den Erstwählern, dazu eine überdurchschnittliche Mobilisierung von Bürgern, die zuvor entweder gar nicht vom Wahlrecht Gebrauch gemacht oder mit der Stimmabgabe ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen wollten - so setzt sich in Deutschland traditionell die Wählerschaft von rechtsradikalen Gruppen zusammen. Seit diesem Wahlsonntag könnte diese Faustregel ausgedient haben.

Denn was im vergangenen September in der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus als großstädtisch geprägtes Muster erkennbar wurde, bestätigte sich im kleinräumig-industriell geprägten Saarland auf bemerkenswerte Weise: Die Piratenpartei mobilisiert schon durch ihre schiere Existenz solche Wähler, die sich von den herkömmlichen Parteien wenn überhaupt, dann bestenfalls an deren Rändern ansprechen ließen - und das fast gleichmäßig quer durch alle Berufsgruppen von Arbeitern über Selbständige bis hin zu Arbeitslosen.

Nicht, dass sich mit der Wahl der Piraten auch nur die geringste Aussicht auf eine Beteiligung an der Regierung verbinden würde, geschweige denn, dass man der Mehrheit der annähernd 35.000 Saarländer, die sich am Sonntag für die Piratenpartei entschieden, eine tiefere Kenntnis der politischen Programmatik des erst vor vierzehn Tagen ins Leben gerufenen Landesverbandes unterstellen sollte.

„Lebensgefühl jenseits von links und rechts“

Nein, wer die Piraten wählte, der ließ sich nicht von der Kompetenz der Parteien oder Sympathien für die Spitzenkandidaten leiten, sondern von einem „Lebensgefühl jenseits von links und rechts“, sagt der Geschäftsführer des Umfrageinstituts infratest dimap, Richard Hilmer.

Dieses Lebensgefühl konnte sich freilich nur deswegen ungehindert entfalten, weil es für den Wahlbürger am Sonntag im Grunde kaum etwas zu entscheiden gab. Durch die Festlegung der SPD auf eine Koalition mit der CDU stand die Zusammensetzung der künftigen Landesregierung längst fest.

Sich als Pirat zu gerieren war daher wahlkampftaktisch etwa so riskant wie ein Tauchversuch im Babybecken. Jedenfalls gaben 85 Prozent der Piraten-Wähler der Forschungsgruppe Wahlen um Matthias Jung an, man könne „auch mal eine Partei wählen, die sonst nicht in Frage kommt“, da die Regierung praktisch schon feststehe.

CDU mobilisiert ihre Anhänger

Spektakulärer ging es auf den übrigen Schauplätzen des Wahlsonntags nur aus der Nähe betrachtet zu. Die CDU unter Führung der alten Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer konnte ihre potentiellen Anhänger mit der Aussicht auf den Machterhalt so weit mobilisieren, dass sie gegenüber der Wahl vor drei Jahren in der Summe nur 15.000 Stimmen einbüßte. Wegen der niedrigeren Wahlbeteiligung verwandelte sich dieses Ergebnis am Ende sogar in ein Plus von 0,7 Prozent.

Dass die saarländische Union dabei kaum Stimmen ehemaliger FDP-Wähler erhielt, wird Frau Kramp-Karrenbauer verschmerzen. Sie kann mit Fug und Recht sagen, in der ersten Wahl als Spitzenkandidatin aus eigener Kraft die entscheidenden Stimmen errungen zu haben.

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