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Gewinner in Berlin : Merkels Helfer von der Saar

Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Merkel im Saarland-Wahlkampf Bild: dpa

Wie weggewischt sind auf einmal die Worst-Case-Szenarien in der Union. Den Kritikern von Merkels Wahlkampfstrategie sind mit der Saarland-Wahl vorerst die Argumente ausgegangen. Doch auch das kann sich schnell wieder ändern.

          Rasend scheinen sich die Zeiten zu verändern – und die Verhältnisse mit ihnen. Zum Jahreswechsel sind sie in der CDU noch dermaßen optimistisch und sicher über den Wahlsieg ihrer Landespartei im Saarland, dass selbst die Wahlkampfstrategen in der SPD beeindruckt sind. Dann kommt der Hype – und mit ihm wächst in der CDU der Pessimismus. Annegret Kramp-Karrenbauer, die von Angela Merkel und auch den weitaus meisten in der CDU-Spitze hoch geschätzte Ministerpräsidentin, drohe unter die Räder zu kommen, lautet nun die Befürchtung. Erst ein paar Tage ist es her.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Am sonnigen Nachmittag der Wahl aber können die Leute in der CDU-Parteizentrale erleichtert aufatmen. Bei mehr als 40 Prozent liege die CDU, lauten die Hochrechnungen. Und genauso wichtig: Zehn Punkte liege sie vor der SPD. Und: Für eine rot-rote Landesregierung werde es nicht einmal rechnerisch reichen. Peter Tauber, der CDU-Generalsekretär, kann sich an die Arbeit für seine Erklärungen machen. Der Hype um Schulz habe sich erledigt. Er danke der saarländischen CDU und der erfolgreichen Ministerpräsidentin. Das sei eine gute Vorlage für die nächsten Wahlen – im Mai in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen, insinuiert er.



          Endlich einmal kann Tauber an diesem Wahlabend ein schönes CDU-Ergebnis kommentieren. Ganz im Sinne Merkels. Und auch im Sinne von Merkels Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Der kommt aus dem Saarland und pflegt bei Bundestagswahlen den Wahlkreis Saarlouis zu gewinnen. Altmaier strahlt in den Büros des Konrad-Adenauer-Hauses.Von einem Signal spricht er, das „über das Saarland hinaus“ reiche.

          Im Atrium der CDU-Zentrale jubeln sie wie lange nicht mehr. Erleichtert. „Seriöses Regieren zahlt sich aus“, sagt Michael Grosse-Brömer, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion. Er bezieht es an diesem Abend auf die Wahlsiegerin. Gewiss wird er auch Merkel gemeint haben. Beider Regierungsstil wird in der Union – von Anhängern der beiden wie auch von den Skeptikern – als ähnlich bezeichnet. Ein „Kompetenz ist wichtig“, sagt Grosse-Brömer. Und natürlich: „Das ist ein toller Start ins Wahlkampfjahr 2017.“ Die SPD habe mit Oskar Lafontaine koalieren wollen, bemerkt er – und das sei gescheitert.

          Dämpfer für SPD : CDU siegt überraschend klar im Saarland

          Wie weggewischt sind die Worst-Case-Szenarien. Nach einem Ausscheiden von Kramp-Karrenbauer aus der saarländischen Staatskanzlei, hat eines gelautet, verfüge die CDU in Westdeutschland nur noch über einen Ministerpräsidenten: Volker Bouffier, der in Hessen einer schwarz-grünen Koalition vorsteht. Niemals zuvor sei die CDU in der alten Bundesrepublik – auf der Ebene der Länder – so schwach gewesen. Er sorge sich, sagt ein maßgebliches Mitglied der CDU/CSU-Fraktion, dass eine Wechselstimmung auch für die Bundesebene entstehen könne. Begründung: Der Wähler ist dermaßen beweglich, dass auf nichts mehr Verlass ist. Und: Mit seiner Strategie, den Bundestagswahlkampf erst im Sommer zu eröffnen, schade das Konrad-Adenauer-Haus den Wahlkämpfern in den Ländern. Das alles ist an diesem Abend vorbei. Eitel Freude herrscht im Konrad-Adenauer-Haus. Die Leute lassen Tauber kaum zu Wort kommen. „Dieses Wahlergebnis ist eine klare Absage an Rot-Rot-Grün“, ruft er. Und: Die ganze Partei könne vom Wahlkampf im Saarland lernen. Den Kritikern von Merkels Wahlkampfstrategie sind an diesem Tag die Argumente ausgegangen.

          Quelle: F.A.Z.

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