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Annegret Kramp-Karrenbauer : Auf Nummer Unsicher

Hält sich eigentlich nicht für eine Zockerin: Kramp-Karrenbauer in St. Wendel Bild: Kaufhold, Marcus

Mit dem Bruch der „Jamaika“-Koalition hat Annegret Kramp-Karrenbauer viel riskiert – um ihrer Partei im Saarland den Traum von Schwarz-Rot zu erfüllen. Auch die Kanzlerin hätte die Wahl gerne vermieden.

          Selbst über nett gemeinte Scherze zur Größe ihres kleinen Landes können die Saarländer nicht lachen. Diese Erfahrung macht auch die Kanzlerin bei ihrem Wahlkampfauftritt in der zum Weltkulturerbe erklärten früheren Völklinger Stahlhütte. Betretene Stille herrscht beim wie für einen Theaterbesuch herausgeputzten Publikum des CDU-Wirtschaftsforums, nachdem Angela Merkel zum Auftakt ihrer Rede auf die Ausstellung „Asterix und die Kelten“ anspielt, die gerade in dem Industriedenkmal zu sehen ist: „So wie Asterix und sein Dorf sind auch die Saarländer stolz auf ihre Eigenständigkeit.“

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Dass Angela Merkel die versammelte Wirtschaftselite des Saarlands dann doch noch mit einem improvisierten Exkurs über die Leistung Deutschlands bei der Bewältigung der Euro-Krise zu Beifallsstürmen bewegt, erfreut an diesem Abend besonders eine Parteifreundin in der ersten Reihe: Annegret Kramp-Karrenbauer. Und das, obwohl das Urteil der CDU-Bundesvorsitzenden über den Bruch der „Jamaika“-Koalition eher verdruckst ausfällt: „Das war sicher so, dass der Schritt von Annegret Kramp-Karrenbauer unvermeidbar war.“ Die Kanzlerin hätte es wohl gerne gesehen, wenn die saarländische Ministerpräsidentin diesen Schritt vermieden und ihr den Wahlkampfeinsatz in Völklingen und einer stickigen Turnhalle in St. Wendel erspart hätte – samt den möglichen Konsequenzen in Form eines neuen SPD-Ministerpräsidenten im Bundesrat und einer Debatte über die große Koalition als Ersatz für Schwarz-Gelb.

          Dem Vernehmen nach war Angela Merkel ganz und gar nicht amüsiert, als sie am Vorabend des 6. Januar am Telefon ohne Vorwarnung vom jähen Ende der „Jamaika“-Koalition erfuhr. Frau Kramp-Karrenbauer erläuterte der konsternierten Kanzlerin, warum sie am nächsten Tag die Koalition beenden und ein Bündnis mit dem SPD-Vorsitzenden Heiko Maas auf den Weg bringen werde. Die Lage beim zerstrittenen und von Affären erschütterten Koalitionspartner FDP sei außer Kontrolle. Der Dauerstreit in der FDP gefährde die Regierungsfähigkeit im Saarland, man müsse sofort handeln. Zum Ärger der Kanzlerin kam jener der FDP hinzu, da der Koalitionsbruch ausgerechnet während der Rede des FDP-Bundesvorsitzenden Philipp Rösler auf dem Stuttgarter Dreikönigstreffen bekannt wurde. Der FDP-Landesvorsitzende Oliver Luksic erfuhr im Kreißsaal während der Geburt seiner Tochter per SMS davon. In der FDP ist seit diesem Tag kaum eine CDU-Politikerin so unbeliebt wie Frau Kramp-Karrenbauer mit dem nach Härte klingenden Spitznamen „AKK“.

          Dass sie das Ende des „Jamaika“-Experiments, wie von der FDP behauptet, lange geplant hat, bestreitet Frau Kramp-Karrenbauer. Die endgültige Entscheidung zum Bruch fiel wohl im Weihnachtsurlaub an der holländischen Nordseeküste, nach langen Gesprächen mit ihrem Ehemann Helmut. Seiner Frau hat der Bergbauingenieur Karrenbauer bei ihrem politischen Aufstieg stets zu Hause den Rücken freigehalten. Während sie als Berufspolitikerin und Vertraute von Ministerpräsident Peter Müller in elf Jahren drei Ressorts führte, verzichtete er auf Karriere, kümmerte sich um die Erziehung der drei Kinder. Ein Rollenmodell, das in der katholisch geprägten Saar-CDU für Getuschel sorgte. „Ich habe sehr intensiv mit meinem Mann über meine Entscheidung zur Zukunft der Koalition gesprochen. Ich habe mir selbst die Frage gestellt: bist du bereit, das Risiko des Scheiterns einzugehen, um wieder die Freiheit des Handelns zu haben?“ Eigentlich sei sie „keine Zockerin“, sondern ein „auf Sicherheit bedachter Mensch“. Doch der Zustand der FDP habe Entscheidungen verlangt.

          Von der Gegenkandidatur Heiko Maas’ überrascht

          Die Führung der Saar-CDU war spätestens nach der beinahe gescheiterten Ministerpräsidentinnenwahl am 10. August 2011 in Alarmstimmung. Ohne Vorwarnung war Frau Kramp-Karrenbauer eine Stunde vor dem ersten Wahlgang von der Gegenkandidatur des SPD-Oppositionsführers Maas überrascht worden. Als sie von der Nachricht erfuhr, wusste sie, dass „U-Boote“ aus den eigenen Reihen in geheimer Abstimmung auf sie zielten. In Schockstarre und mit versteinerter Miene durchlitt Frau Kramp-Karrenbauer wie einst Heide Simonis in Kiel das Wahldrama, das sie dann knapp im zweiten Versuch überlebte. In der CDU ist man bis heute überzeugt, dass zwei abtrünnige FDP-Abgeordnete für das Fast-Debakel verantwortlich waren.

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