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Waffenlobbyist David Keene Die Freiheit der Waffe

Früher machte David Keene Wahlkampf für John F. Kennedy. Heute ist er Vorsitzender der National Rifle Association und kämpft für die Freiheit, Waffen zu tragen.

© AFP Vergrößern David Keene

Im Mai 2010 hielt David Keene eine Rede auf der Jahresversammlung der National Rifle Association (NRA), in der er nostalgisch die Freiheiten seiner Schulzeit beschwor. Seine Mitschüler und er hätten ihre Gewehre mit in die Schule genommen, um ohne Verzug zur Jagd aufbrechen zu können. „Schusswaffen und die Freude an ihrem Gebrauch waren damals ein Teil des Lebens.“ Keene, der 2011 zum Vorsitzenden der NRA gewählt wurde, wuchs in Wisconsin auf. Beide Eltern waren Gewerkschaftsfunktionäre und sozusagen naturgemäß Demokraten. 1960 verteilte der Fünfzehnjährige noch Flugblätter für John F. Kennedy, aber in der High School bekehrte er sich zum Konservatismus, als ihm Friedrich August Hayeks „Verfassung der Freiheit“ in die Hände fiel.

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1964 warb Keene für den Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater. Er wurde Bundesvorsitzender einer konservativen Studentenvereinigung und machte seinen Abschluss an der Law School der Universität von Wisconsin. Nach Richard Nixons Wahlsieg arbeitete er für den Vizepräsidenten Spiro Agnew. Als konservative Aktivisten 1977 die Führung der NRA übernahmen, gab der Verband den Grundsatz der parteipolitischen Neutralität preis und sprach 1980 erstmals eine Wahlempfehlung aus - zugunsten von Ronald Reagan. Keene hatte 1976 Reagans Vorwahlkampagne in den Südstaaten organisiert. 1984 wurde Keene zum Vorsitzenden der American Conservative Union (ACU) gewählt, die der katholische Journalist William Buckley nach Goldwaters Niederlage 1964 gegründet hatte.

Zu Todesfällen keine Stellungnahmen

Die ACU veranstaltet jedes Jahr die Conservative Political Action Conference, die im Sinne von Buckleys Sammlungskonzept Konservative verschiedener Schulen zusammenführt. Keene bewahrte diese Offenheit, indem er den Ausschluss homosexueller Republikaner ablehnte. Im Sinne von Hayeks libertärer Lesart des Konservatismus kritisierte Keene die Ermächtigungen der Exekutive im Patriot Act George W. Bushs. Grover Norquist, der Gründer der Americans for Tax Reform, nennt seinen Lobbyistenkollegen den „Forrest Gump“ der konservativen Bewegung. Wie die von Tom Hanks verkörperte Filmfigur sei er überall zugegen, wo Geschichte gemacht werde.

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Auf einem der von Norquist in Washington veranstalteten Mittwochstreffen lernte Keene seine zweite Frau kennen. Er hat drei Kinder aus erster Ehe und zwei Adoptivtöchter. Sein älterer Sohn wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er 2002 auf der Autobahn auf einen anderen Autofahrer geschossen hatte. Nach Angaben von Keenes geschiedener Frau war ihr Sohn als Jugendlicher wegen mangelnder Selbstbeherrschung in psychiatrischer Behandlung. Die NRA gibt ihre Mitgliederzahl mit 4,3 Millionen an. Als Jill Lepore, Geschichtsprofessorin in Harvard, von Keene für einen Artikel im „New Yorker“ wissen wollte, ob ihm je eine mit Schusswaffen verübte Untat zu denken gegeben habe, antwortete der Cheflobbyist, es sei die Politik der NRA, zu Todesfällen keine Stellungnahmen abzugeben.

Quelle: F.A.Z.

 
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