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Waffenlobby zum Amoklauf in Newtown „Waffenschutz für Schüler“

Während Barack Obama strengere Waffengesetze auf den Weg bringen will, erhebt die mächtige Waffenlobby National Rifle Association schwere Vorwürfe gegen Politik und Medien. Amoktäter würden vor allem durch Fernsehen und Computerspiele beeinflusst.

© AFP, afp Amerikanische Waffenlobby will nach Amoklauf Schulen aufrüsten

Eine Woche nach dem Amoklauf an einer Grundschule in Newtown hat die größte Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA), gefordert, von sofort an jede einzelne Schule in den Vereinigten Staaten dauerhaft von bewaffneten Polizisten bewachen zu lassen. Der geschäftsführende stellvertretende NRA-Präsident Wayne Lapierre kündigte auf einer Pressekonferenz in Washington an, seine Vereinigung werde ein Sicherheitskonzept für Schulen entwickeln, das darauf setzt, „die Guten zu bewaffnen“, um Amerikas Schulkinder zu schützen. Heftig kritisierte Lapierre Politiker und Medien, die sich nach der Ermordung von zwanzig Schulkindern und sieben Erwachsenen am vorigen Freitag im Bundesstaat Connecticut für eine Verschärfung der Waffengesetze ausgesprochen hatten. Zuvor hatte das Weiße Haus eine Videobotschaft von Präsident Barack Obama verbreitet, in der er den Unterzeichnern einer Online-Petition für strengere Waffengesetze versicherte: „Ich werde alles in meiner Macht als Präsident Stehende tun, diese Bemühungen voranzubringen.“ Obama hat Vizepräsident Jospeh Biden beauftragt, mit einer Kommission Vorschläge für einen besseren Schutz der Schulen zu erarbeiten.

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Lapierre machte in seinem emotionalen Vortrag deutlich, dass er bestimmte Computerspiele sowie die im Fernsehen alltäglich gezeigten Gewaltszenen für Gewaltakte wie den in Newtown verantwortlich macht. Jedes amerikanische Kind erlebe im Fernsehen bis zu seinem 18. Geburtstag 16000 Morde, sagte er. Er zeigte sich überzeugt, dass im Land schon viele weitere künftige Amokläufer ihre Opfer ausgesucht hätten, und fragte: „Soll der einzige Widerstand, den wir den Mördern unserer Kinder entgegensetzen, eine einsame, unbewaffnete Schulrektorin sein?“ Es sei nicht zu vertreten, dass der Präsident und andere Politiker von bewaffneten Sicherheitsbeamten beschützt würden, Schulkinder aber nicht.

In Phoenix in Arizona hatte die Polizei am Donnerstag eine 16 Jahre alte Schülerin festgenommen, die einen tödlichen Angriff auf ihre Schule geplant haben soll. Die Jugendliche hatte zuvor auf Youtube angekündigt, sie habe einen Plan, „schwer zu verletzen, zu töten, Leute in meiner High School zu ermorden“. In der Botschaft verwies sie auch auf den Amoklauf von Newtown und erläuterte, sie habe ihre Tat schon davor geplant. Der Betreiber des kanadischen Youtube-Kanals, auf dem die Jugendliche ihre Botschaft veröffentlichte, informierte die Polizei von Toronto, die wiederum die amerikanischen Behörden informierte.

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Während sich Tausende Amerikaner am Donnerstag in Connecticut zu Trauerfeiern für die Opfer des Amoklaufs versammelten, wurde die Mutter des Attentäters, Nancy Lanza, etwa 300 Kilometer entfernt in aller Stille beigesetzt. Die Zweiundfünfzigjährige wurde in Kingston in New Hampshire beerdigt. Die Familie der Verstorbenen bewirtschaftet dort einen Bauernhof, auf dem Nancy Lanza ihre Kindheit verbrachte.

Ob auch ihr früherer Ehemann Peter Lanza, der Vater des Attentäters Adam Lanza, an der Beisetzung teilnahm, blieb vorerst ungeklärt. Der Finanzmanager soll nach der Scheidung vor drei Jahren wenig Kontakt zu Nancy Lanza und ihrem Sohn gehalten haben. Der Zwanzigjährige hatte seine schlafende Mutter am Freitag vergangener Woche mit vier Kopfschüssen getötet, bevor er an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown 20 Kinder, sechs Erwachsene und schließlich sich selbst erschoss. Die Behörden machten bis Donnerstag keine Angaben zu einer Beisetzung des Täters.

Der menschenscheue Attentäter, bei dem vor einigen Jahren eine milde Form des Autismus, das Asperger-Syndrom, diagnostiziert wurde, soll über die geplante Einweisung in eine Nervenklinik verärgert gewesen sein. Nach einem Bericht der „Connecticut Post“ litt der hochbegabte Lanza zudem unter der Weigerung seiner Mutter, ihn bei der Aufnahme in das Marine Corps, eine Spezialeinheit der amerikanischen Streitkräfte, zu unterstützen. „Nancy war klar, dass das Militär nichts für ihn war. Er ließ sich nicht gern berühren, aber Ärzte und Sanitäter hätten ihn bei Unfällen anfassen müssen“, sagte sich Ellen Adriani, eine Freundin der Mutter. In den vergangenen Jahren soll sich Lanza, der schon als Jugendlicher mit seiner als Waffenliebhaberin bekannten Mutter Schießanlagen besuchte, meist im Keller des großzügigen Anwesens an der Yogananda Street aufgehalten haben. Dort verbrachte der Attentäter die Tage angeblich mit Computerspielen wie „Call of Duty“ („Ruf der Pflicht“), bei dem er in der Rolle eines Infanterie-Soldaten auf Feinde schoss.

Quelle: F.A.Z.

 
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