http://www.faz.net/-gpf-88lky

Waffengewalt in Amerika : Die ernüchternde Sprache der Zahlen

Bild: CNN

Eine neue Statistik vergleicht die Zahl der durch Schusswaffen und der durch Terrorismus getöteten Amerikaner. Das Ergebnis ist bestürzend.

          Dass Journalisten sich ihre Recherchen von Politikern auftragen lassen, ist eher ungewöhnlich. Und doch folgte der amerikanische Fernsehsender CNN der Bitte von Präsident Barack Obama an die Medienvertreter, doch einmal die Zahlen der von Terroristen und durch Schusswaffen getöteten Amerikaner zu ermitteln und miteinander zu vergleichen. Das Ergebnis zeigt: Zwischen 2001 und 2013 kamen mehr als hundert Mal mehr Amerikaner in den Vereinigten Staaten durch Schusswaffen ums Leben als bei Terroranschlägen auf der ganzen Welt.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Sichtlich bedrückt hatte Obama am vergangenen Donnerstag seiner Enttäuschung darüber Luft gemacht, dass Amerika die Waffengesetze trotz immer wiederkehrender Amokläufe an Schulen und Universitäten nicht verschärfe. Der Präsident war mit seinen Initiativen dafür immer wieder am Kongress gescheitert, den die Republikaner dominieren. Und immer wieder musste er den Opfern von Schießereien sein Beileid aussprechen – schon 15 Mal seit Beginn seiner ersten Amtszeit. „Wir sind demgegenüber taub geworden“, beklagte Obama.

          Erst kurz zuvor, am Morgen desselben Tages, hatte ein junger Mann an einer Hochschule in Oregon sechs Menschen erschossen, bevor er von Polizisten angeschossen wurde und sich danach selbst richtete. Der Todesschütze besaß nach Behördenangaben legal 13 Waffen.

          Obama über die Waffengewalt in Amerika: „Wir sind demgegenüber taub geworden.“
          Obama über die Waffengewalt in Amerika: „Wir sind demgegenüber taub geworden.“ : Bild: AP

          Nach Obamas Rede besorgten sich die CNN-Journalistinnen Julia Jones und Eve Bower die Zahlen der durch Schusswaffen getöteten Amerikaner von einer Behörde des Gesundheitsministeriums (Centers for Disease Control and Prevention). Gezählt wurden alle Todesfälle, die sich auf amerikanischem Boden ereigneten, unter ihnen nicht nur Kriminalität wie Mord und Totschlag, sondern auch Unfälle und Selbsttötungen. In den 13 Jahren summierten sie sich auf die unglaubliche Zahl von 406.496. Das sind fast so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr.

          Demgegenüber fielen im selben Zeitraum 3380 Amerikaner Terroranschlägen zum Opfer. 350 von ihnen wurden nach Angaben des Außenministeriums im Ausland getötet. In den Vereinigten Staaten selbst waren es 3030 – die Zahl liegt vor allem deshalb so hoch, weil der Zeitraum auch die verheerenden Anschläge am 11. September 2001 umfasst. Danach sank die Zahl der jährlichen Terroropfer deutlich.

          Die Gegenüberstellung der beiden Werte führt einmal mehr vor Augen, wie sehr Amerika unter seinem Schusswaffenproblem leidet. Welche Statistik man auch heranzieht - die Zahlen sind ernüchternd. So entfallen nach Angaben der Vereinten Nationen auf eine Million Amerikaner jährlich 30 Morde durch Schusswaffen. Das ist der höchste Wert unter allen entwickelten Staaten. Die Frage, inwieweit verschärfte Gesetze dem abhelfen, beantworten diese Statistiken allerdings nicht.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Obama kritisiert Spaltung der Gesellschaft Video-Seite öffnen

          Amerika : Obama kritisiert Spaltung der Gesellschaft

          Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama rief bei einem Wahlkampfauftritt in New Jersey die Wähler dazu auf, sich gegen die Politik der Spaltung zu wehren.

          Polizei findet Waffen Video-Seite öffnen

          Razzia gegen Hells Angels : Polizei findet Waffen

          Neun Motorräder, 15 Kutten, 13 Messer, ein Gewehr, ein Revolver, eine Armbrust und mehr als 60.000 Euro Bargeld sind bei der Großrazzia in Nordrhein-Westfalen beschlagnahmt worden. Festnahme gab es keine.

          Topmeldungen

          Austrittsverhandlungen : Die positive Brexit-Erzählung

          Einen Durchbruch bei den Verhandlungen gab wieder nicht – aber eine etwas bessere Stimmung. Für alle Fälle gehen die Briten aber schon das „No Deal“-Szenario durch.
          Martialische Auftritte wie im September in Estland sind noch möglich, aber die Verteidigungsbereitschaft der Nato lässt zu Wüschen übrig.

          Geheimer Nato-Bericht : Allianz nicht verteidigungsfähig?

          Das Verteidigungsbündnis sei einer Auseinandersetzung mit Russland nicht gewachsen, heißt es in einem geheimen Nato-Bericht, aus dem der „Spiegel“ berichtet. Das liege vor allem an dem Niedergang seit dem Kalten Krieg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.