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Vulkanasche stoppt Merkel Auch die Kanzlerin muss aussteigen

16.04.2010 ·  Gemeinhin ist auf die Pünktlichkeit der Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ Verlass. Die Vulkanasche aber vereitelt auch die geplante Rückkehr der Kanzlerin aus Kalifornien. Nun muss Angela Merkel in Lissabon übernachten. Günter Bannas war in der Kanzlermaschine dabei.

Von Günter Bannas, Lissabon
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Gemeinhin ist auf die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Kanzler- und Kanzlerinnenmaschinen höchster Verlass. Wenn nach einer sechstägigen Reise durch arabische Länder eine Landung um 15.30 Uhr in Berlin-Tegel - militärischer Teil - angekündigt ist, dann heißt 15.30 Uhr auch 15.30 Uhr und nicht etwa 15.48 Uhr.

15 Stunden vorher standen die Leute der Kanzlerin an einem Volkswagen-Präsentationsstand auf dem Campus der Stanford-Universität herum. Es wurde gestaunt und es wurde gezweifelt. Gestaunt wurde über das Neueste vom Neuen, einen Volkswagen der Mittelklasse, welcher ohne Fahrer fahren und sogar rückwärts einparken kann, was möglicherweise auch eine Erklärung dafür sein könnte, dass außergewöhnlich viele Frauen an der Entwicklung dieses Produktes beteiligt gewesen sein sollen, und was auch ein Grund gewesen sein mag, dass sich die an sich zum Staunen fähige Angela Merkel gerade nicht in den Fonds dieses Wagen gesetzt hatte - ganz zum Abschluss ihres Amerika-Besuches.

Gezweifelt wurde, was die Rückkehr nach Berlin-Tegel anging, Ankunft 15.30 Uhr, wie gesagt. Es war wie auch sonst zwischen Politik und Medien. Die Medien wiegelten auf, die Politik wiegelte ab. Berlin-Tegel - gesperrt, Hamburg - geschlossen, London - dicht, verbreiteten die Medienleute im Tross der Kanzlerin.

Keine Panik, Berlin ist offen und frei, wir landen 15.30 Uhr, sagte der Regierungssprecher und sagte der Chef des Protokolls - erstens sowieso und zweitens seien auch noch über zwölf Stunden Zeit. Dann werde sich die Asche-Wolke schon verzogen oder auch in Luft aufgelöst haben. Doch die Wolke ? Man flöge nicht über Island, wie geplant, rief einer, sondern weit südlich herum über den Atlantik und dann nach Norden nach Berlin - Verspätung inklusive.

Berlin-Tegel - gesperrt, Hamburg - geschlossen, London - dicht

„Nein, nein“, versicherte der bald scheidende Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Pünktlich der Start, Donnerstag, Spätnachmittag, San Francisco. Zunächst schien es wie geplant zu verlaufen. Abendessen an Bord. Angela Merkel sprach über Afghanistan. Zwischenlandung in Grand Forks, einem Luftwaffenstützpunkt der amerikanischen Armee im Norden.

Es kam der Protokollchef. Nicht über Island werde geflogen. Nantes in Frankreich werde angeflogen, und wie es dann weiter gehe, werde dann zu sehen sein. München sei, noch, offen. Nürnberg sei, unter gegenwärtigen Umständen, das Optimale. Frankfurt - gesperrt. Zehn Stunden werde es dauern, bis man in Europa sei, statt der geplanten achteinhalb Stunden. Die Leute stöhnten und telefonierten - tief in der Nacht nahe der Grenze zu Kanada, als in Deutschland der Morgen graute. Abflug sodann. Der Kapitän begrüßte, abermals, die „sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin“ - dieses Mal nicht „auf unserem Flug nach Berlin“, sondern „nach Deutschland“. Zeitlich mochte er sich nicht festlegen.

Planungen wurden erörtert, Busfahrten organisiert, was nicht einfach war - angesichts unklarer Lande-Flughäfen. „Keiner wird zurückgelassen“, versprach Beate Baumann, die Chefin des Kanzlerinnenbüros. „Sicherheit geht vor“, hatte der Kapitän gesagt. Morgendämmerung über dem Atlantik, und weil die Vulkan-Wolke nach Süden getrieben worden war, flog auch die „Konrad Adenauer“ der Bundeswehr südwärts. Zwei Stunden, ehe die Maschine in Berlin hätte landen sollen, meldete sich der Kapitän. Lissabon wurde als neues Ziel ausgegeben. Die Kanzlerin war zur Übernachtung gezwungen, da die Crew nun Pause machen musste, und aus Deutschland keine neuen Piloten nachgeholt werden konnten. Höhere Gewalt eben.

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Jahrgang 1952, Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

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