Die irakische Übergangsregierung hat am Donnerstag den Ausnahmezustand im Land um 30 Tage verlängert. Ministerpräsident Ijad Allawi begründete dies mit „andauernden feindlichen Aktivitäten von Terroristenbanden“. Die Maßnahme diene dem Schutz des irakischen Volkes und der für den 30. Januar vorgesehenen Wahl einer Nationalversammlung.
Am Donnerstag abend starben neun amerikanische Soldaten. Allein bei einem Anschlag in der Hauptstadt Bagdad seien am Donnerstag abend sieben amerikanische Soldaten getötet worden, teilte eine Armeesprecherin mit. Zwei weitere Soldaten aus den Vereinigten Staaten kamen nach Armeeangaben am gleichen Tag in der Provinz El Anbar westlich von Bagdad ums Leben.
„Liberation“ ohne Kontakt zur Korrespondentin
Die französische Tageszeitung „Libération“ vermißt nach eigenen Angaben im Irak eine Reporterin und deren Übersetzer. Das Blatt berichtete, die beiden seien zuletzt am Mittwoch morgen beim Verlassen ihres Hotels in Bagdad gesehen worden. Aus Diplomatenkreisen verlautete, Frankreich habe eine Suche nach den Vermißten eingeleitet, insbesondere in Krankenhäusern. Im August 2004 waren zwei französische Journalisten im Irak entführt worden, sie kamen am 21. Dezember wieder frei.
Nachbarländer rufen Iraker zu Wahlteilnahme auf
Außenminister der Nachbarländer haben am Donnerstag zum Ende einer Konferenz in Amman die Bevölkerung Iraks zur Teilnahme an der Wahl aufgefordert. Der jordanische Minister Hani al Mulki rief dazu auf, die Wahl zum vorgesehenen Termin abzuhalten. Er appellierte „an alle Teile der irakischen Bevölkerung, Jung und Alt, Männer und Frauen, zu den Urnen zu gehen, um ihre Repräsentanten zu wählen und ihre eigene Zukunft zu entwerfen“. Sonst würden „andere für sie wählen“.
Offenbar gab es beträchtliche Differenzen. Der iranische Delegierte Golam Ali Khorso wies eine Darstellung eines arabischen Diplomaten zurück, Jordanien habe ursprünglich gefordert, der Aufruf zur Teilnahme an der Wahl solle sich nur an die sunnitische Minderheit in Irak richten, die möglicherweise einen Wahlboykott erwägt. Der Diplomat hatte verlauten lassen, der jordanische Vorstoß sei vom Iran blockiert worden, der mehrheitlich von schiitischen Muslimen bewohnt ist.