05.12.2003 · Zwei Tage vor der Parlamentswahl hat ein Bombenanschlag auf einen Pendlerzug Rußland erschüttert. Mindestens 40 Menschen starben nahe der südrussischen Stadt Jessentuki, mehr als 180 wurden verletzt.
Zwei Tage vor der Parlamentswahl hat ein Bombenanschlag auf einen Pendlerzug mit mindestens 40 Toten Rußland erschüttert. Bei dem Selbstmordanschlag im morgendlichen Berufsverkehr nahe der südrussischen Stadt Jessentuki wurden außerdem fast 180 Menschen verletzt. Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Bluttat als „Versuch der Destabilisierung vor der Parlamentswahl“ am Sonntag.
Der Nationale Sicherheitsdienst FSB sprach von vier Tätern, davon drei Frauen. Vor Ort sei die Leiche eines männlichen Selbstmordattentäters gefunden worden, sagte FSB-Chef Nikolai Patruschew bei einer im Fernsehen übertragenen Unterrichtung Putins. Der tschetschenische Rebellenführer Aslan Maschadow wies in einer Presseerklärung jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück. „Wir verurteilen jegliche Gewalt, die sich direkt oder indirekt gegen die Zivilbevölkerung richtet“, teilte der im Untergrund lebende Präsident der abtrünnigen Kaukasusrepublik mit. Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft in Moskau hatte zuvor mitgeteilt, es werde in alle Richtungen ermittelt.
Behörden gehen von vier Attentätern aus
Unmittelbar vor der Explosion seien zwei Frauen von dem Zug abgesprungen, sagte Patruschew. Eine dritte mutmaßliche Mittäterin sei bei dem Anschlag schwer verletzt worden und werde wohl nicht überleben, hieß es. Am Körper des mutmaßlichen Selbstmordattentäters seien Granaten gefunden worden. Zudem seien in der Nähe die Fetzen einer Tasche entdeckt worden, in der sich vermutlich die Bombe befunden habe. Patruschew zufolge vermuten die Ermittler, daß der Anschlag in Autos an der Strecke von Mittätern beobachtet worden sei.
Von der Wucht der Explosion wurden zahlreiche Passagiere aus dem Zug geschleudert, andere wurden in dem umgestürzten Waggon unter Metallbrocken und anderen Trümmern begraben. 148 Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, wie Litjuk mitteilte. 29 Passagiere erlitten leichte Verletzungen und wurden direkt am Unglücksort behandelt. Die Rettungsarbeiten wurden durch einen Brand behindert. Unter den Passagieren waren nach Angaben der örtlichen Behörden zahlreiche Schüler und Studenten.
Putin: Verbrecher werden keinen Erfolg haben
Nach der Bergung der Verletzten kletterten Sprengstoffexperten in den Waggon, um nach Blindgängern zu suchen, wie das staatliche russische Fernsehen berichtete. Sie hätten drei kontrollierte Explosionen ausgelöst. Der Anschlag ereignete sich mitten im Berufsverkehr gegen 8 Uhr Ortszeit auf der Strecke zwischen Mineralnje Wodi und der südrussischen Stadt Jessentuki. Auf derselben Strecke waren im September bei zwei Anschlägen sechs Menschen getötet worden. Zu diesen Anschlägen bekannte sich niemand.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Anschlag auf einen Zug mit Zivilisten in Rußland als Versuch verurteilt, die Lage im Land vor den Parlamentswahlen am Sonntag destabilisieren zu wollen. „Diese Verbrecher werden keinen Erfolg haben“, sagte er.
Moskauer Bürgermeister ruft zu Wachsamkeit auf
Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow rief die Einwohner der Stadt zu erhöhter Wachsamkeit auf. Jedes „ungewöhnliche“ Vorkommnis solle der Polizei gemeldet werden. Bei der Parlamentswahl am Sonntag sind rund 110 Millionen Russen aufgerufen, die 450 Abgeordneten der Duma zu wählen. Rund 1.200 ausländische Wahlbeobachter werden den Ablauf der Wahl verfolgen. Es wird mit einem Sieg der Partei „Einiges Rußland“ gerechnet, die Putin unterstützt, der in der Tschetschenien-Politik eine harte Haltung einnimmt und Zugeständnisse an die Separatisten ablehnt.
In der russischen Kaukasus-Republik kämpfen Separatisten seit Jahren für eine Loslösung von der russischen Föderation. Die russische Regierung macht tschetschenische Rebellen für zahlreiche Anschläge verantwortlich und hat tausende Soldaten in die Region entsandt.