28.07.2008 · Für die CDU ist es ein Triumph, erstmals zur mitgliederstärksten Partei aufzusteigen. Zwar verliert auch sie an Mitgliedern, aber das SPD-Boot sinkt schneller. Dass Politik nur noch für wenige interessant ist, muss aber nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein. Am interessantesten ist sie immer in Zeiten der Krise.
Von Stefan DietrichFür CDU-Generalsekretär Pofalla ist es eine „historische Stunde“, dass seine Partei nun erstmals die mitgliederstärkste im ganzen Land ist. Doch so recht wohl sein kann auch ihm nicht bei diesem kleinen Triumph. Besagt er doch lediglich, dass das SPD-Boot schneller sinkt als seines.
Was die Stunde für die politischen Parteien wirklich geschlagen hat, zeigt der Blick aufs große Ganze: In dreißig Jahren hat sich die Mitgliederzahl der SPD von einst mehr als einer Million glatt halbiert, obwohl in dieser Zeit ja auch noch 16 Millionen Ostdeutsche hinzugekommen sind. Die CDU, die in den achtziger Jahren an die achthunderttausend Mitglieder zählte, liegt nun mit ihrer Konkurrentin gleichauf, obwohl sie nach der Wende etliche zehntausend Mitglieder der Ost-CDU übernommen hat.
Insgesamt sind von den rund 66 Millionen erwachsenen Deutschen nur noch etwas mehr als 1,4 Millionen in einer politischen Partei engagiert. Dass Politik nur noch für wenige interessant ist, muss aber nicht unbedingt als schlechtes Zeichen gelesen werden. Am interessantesten ist sie immer in Zeiten der Krise.