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Aktualisiert: 09.02.2014, 18:08 Uhr

Volksabstimmung Schweizer wollen Einwanderung begrenzen

Sensation in der Schweiz: Eine knappe Mehrheit der Eidgenossen stimmte gegen den Rat von Wirtschaft und Parteien dafür, die Zahl der Migranten zu limitieren. Damit riskiert das Land einen Riesenkonflikt mit der EU.

von , Zürich
© dpa In Zürich werden die Stimmzettel der Volksinitiative „gegen Masseneinwanderung“ ausgezählt

In einer Volksabstimmung haben sich die Schweizer am Sonntag mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, die Einwanderung in ihr Land zu begrenzen. 50,3 Prozent der Eidgenossen stimmten nach dem amtlichen Endergebnis für die von der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) auf den Weg gebrachte Initiative „Gegen Masseneinwanderung“. Die Initiative, welche die Regierung binnen drei Jahren umsetzen muss, sieht eine zahlenmäßige Beschränkung der jährlichen Einwanderung vor. Bei der Vergabe von Arbeitsplätzen sollen künftig wieder Schweizer den Vorrang genießen. Mit diesen Einschränkungen soll die hohe Zahl an Einwanderern aus EU-Ländern wie Deutschland, Portugal und anderen Staaten reduziert werden.

Jürgen  Dunsch Folgen:

In den vergangenen fünf Jahren waren jeweils knapp 80.000 Menschen aus dem Ausland in die Schweiz gekommen, 70 Prozent stammten aus der EU. Im Jahr 2013 lebten 284.000 Deutsche in der Schweiz, sie bilden nach den Italienern die zweitgrößte Gruppe von Einwanderern. Inzwischen hat die Schweiz bei rund acht Millionen Einwohnern einen Ausländeranteil von knapp 25 Prozent. Das ist fast dreimal so viel wie in Deutschland.

Infografik / Ausländer in der Schweiz © F.A.Z. Vergrößern

Die Abstimmung hatte in der Schweiz zu heftigen Streitigkeiten geführt. Dem SVP-Begehren hatten sowohl die Regierung in Bern, alle anderen Parteien und die Wirtschaftsverbände widersprochen. Sie hatten sich für die weiter ungehinderte Einwanderung von EU-Bürgern zur Arbeitsaufnahme stark gemacht. Während die Deutschschweizer Kantone überwiegend mit Ja stimmten, sprachen sich die französischsprachigen Landesteile entlang des „Rösti-Grabens“ dagegen aus. Im Tessin mit seinen vielen Pendlern war die Unterstützung für das Volksbegehren von allen Kantonen am stärksten. Die Wahlbeteiligung war mit 56 Prozent sehr hoch.

Die Regierung muss nun in den kommenden drei Jahren neue Verträge mit der EU aushandeln, die dem Votum der Bürger Rechnung tragen. Gelingt dies nicht, hat Bern dem Antrag zufolge einseitig eine Zuzugsbeschränkung zu verhängen.

Sieben Verträge mit der EU stehen zur Disposition

Eine Einschränkung der Freizügigkeit könnte weitreichende Folgen für die vertraglichen Beziehungen der Schweiz mit der EU haben. Insgesamt sieben Verträge regeln die Sonderbeziehung der Schweiz zur EU, darin sind neben der Personenfreizügigkeit auch Zollerleichterungen, die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden und der Abbau von Handelshemmnissen im Agrarbereich vereinbart.

Eine sogenannte „Guillotine“-Klausel besagt jedoch, dass eine Verletzung eines Vertrages – wie etwa jener über die Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger in der Schweiz – die Aussetzung aller sieben Verträge zur Folge haben kann. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte vor der Abstimmung eine entsprechende Warnung ausgesprochen. Man gewähre der Schweiz bekanntlich einen privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt mit 500 Millionen Konsumenten, hatte Barroso gesagt. Der Schweizer Unternehmerverband Economiesuisse hatte vorgerechnet, dass die Schweiz jeden dritten Franken im Handel mit der EU verdiene: „Davon ist jeder dritte Arbeitsplatz in der Schweiz abhängig.“

Infografik / Ausländer nach Staatsangehörigkeit © F.A.Z. Vergrößern

Grundsätzlich verlangt die SVP eine „eigenständige Steuerung und Kontrolle der Zuwanderung“. Der Volksentscheid gilt für alle Ausländer „unter Einbezug des Asylwesens“. Von einem Ende der „unkontrollierten Einwanderung“ erhoffen sich SVP-Politiker eine Verbesserung in vielen Bereichen. So sollen Probleme wie die Überlastung der Gesundheitssysteme, der Wohnungsmangel, die Bebauung ganzer Landstriche und eine insgesamt empfundene Verschlechterung der Lebensqualität durch die Begrenzung des Ausländerzuzugs gelöst werden.

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Quelle: wahlrecht.de
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