30.10.2004 · In einem aus Pakistan stammenden Video hat sich Al Qaida-Führer bin Ladin kurz vor der Wahl des amerikanischen Präsidenten zu Wort gemeldet. Darin rechtfertigt er die Anschläge vom 11. September.
Vier Tage vor der amerikanischen Präsidentenwahl hat Terroristenführer Usama bin Ladin indirekt mit neuen Anschlägen in den Vereinigten Staaten gedroht. Der Chef der Terrororganisation Al Qaida übernahm in der ersten veröffentlichten Videobotschaft seit zwei Jahren die Verantwortung für die Anschläge vom 11. September 2001. Der amerikanische Präsident George W. Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry betonten, mit größter Härte Bin Ladin verfolgen und zur Strecke bringen zu wollen. Das Video stammt nach Angaben von Al Dschazira aus Pakistan. In ersten Reaktionen werteten amerikanische Kommentatoren die Botschaft Bin Ladins als vermutlich hilfreich für den Bush-Wahlkampf.
Bin Ladin wandte sich in dem vom arabischen Sender Al Dschazira ausgestrahlten Bildern direkt an das amerikanische Volk und sagte: „Obwohl nun schon das vierte Jahr nach dem 11. September begonnen hat, hintergeht euch Bush immer noch und verbirgt die Wahrheit vor euch. Deshalb sind die Gründe nach wie vor vorhanden, um zu wiederholen, was passiert ist.“ Die Sicherheit der Vereinigte Staaten „liegt nicht in den Händen von Bush, Kerry oder Al Qaida, sondern in Euren eigenen Händen ... Staaten,die unsere Sicherheit nicht bedrohen bleiben sicher.“
11. September „ein Erfolg“
Der vor einem Pult stehende Bin Ladin nannte als Motiv für die Anschläge vom 11. September die „israelisch-amerikanische Allianz ... gegen unser Volk in Palästina und im Libanon“. Für ihn sei die amerikanische Unterstützung der israelischen Invasion im Libanon 1982 ein Schlüsselerlebnis gewesen. Damals habe er beschlossen, daß man den Ungerechten alles mit gleicher Münze heimzahlen werde, sagte er. „Ihr solltet die gleichen bitteren Früchte schmecken wie wir.“ Aus seiner Sicht seien die Terroranschläge in den Vereinigte Staaten „ein Erfolg“ gewesen.
Die amerikanische Regierung hält die Videobotschaft für echt. Bis zum Freitag nachmittag hatten amerikanische Diplomaten in Qatar versucht, den arabischen Sender von der Ausstrahlung des Bandes abzubringen. Al Dschazira hatte Medienberichten in den Vereinigten Staaten zufolge sieben von insgesamt 18 Minuten ausgestrahlt. Über die Hintergründe dieser Entscheidung und den Inhalt der nicht gesendeten Minuten wurde zunächst nichts bekannt.
Bush und Kerry geben sich kämpferisch
Die Vereinigten Staaten würden sich von den Feinden der Vereinigte Staaten „nicht einschüchtern und beeinflussen lassen“, sagte Bush am Freita gabend in Toledo (Ohio). „Wir befinden uns im Krieg mit dem Terrorismus und wir werden erfolgreich sein“, so Bush.
Kerry sagte, das amerikanische Volk sei sich völlig einig in dem Willen, Bin Ladin zu verfolgen und zu töten. Kerry kritisierte aber die Erfolglosigkeit der Bush-Regierung im Kampf gegen Bin Ladin. Die Vereinigte Staaten hätten versäumt, 2002 Bin Ladin in Afghanistan zur Strecke zu bringen. Stattdessen sei diese Aufgabe an örtliche Gruppen delegiert worden, so Kerry in Florida. Er werde als Präsident den Kampf gegen die Terroristen erfolgreicher als die Bush-Regierung führen.
Usama bin Ladin, auf den die amerikanische Regierung ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt hat und der im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet wird, erscheint in dem Video bei guter Gesundheit zu sein. Er sieht lediglich etwas dünner aus als auf früheren Aufnahmen.