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Verunstaltete Wahlplakate : Welche österreichische Nation?

Beschmierte Wahlplakate von Norbert Hofer (FPÖ) Bild: Christian Geinitz

Die Plakate des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer für die Bundespräsidentenwahl in Österreich werden seit langem beschmiert. Neu ist, dass jetzt Deutschlandflaggen darauf kleben. Warum?

          Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ist es gewohnt, dass ihre Plakate verunstaltet werden. Das ist auch derzeit so, im Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten. Die Stichwahl, die der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer im Mai gegen den Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen äußerst knapp verloren hatte, muss am 4. Dezember wiederholt werden, weil Unregelmäßigkeiten in der Briefwahlauszählung festgestellt worden waren.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Deshalb lächelt Hofer schon zum dritten Mal in diesem Jahr von den Plakatständern, und zum dritten Mal wird seine Werbung mit nationalsozialistischen Symbolen besprüht und beschmiert. Bevorzugt verunzieren Hofers Gegner den Gescheitelten mit einem Hitler-Bart oder malen ihm ein Hakenkreuz auf die Stirn. Denn viele In- und Ausländer halten die FPÖ-Anhänger und -Politiker für Rechtsradikale, mitunter für Faschisten. Neu ist indes, dass auf den Plakaten zusammen mit diesen NS-Assoziationen Deutschlandfahnen auftauchen. Entlang des Wiener Gürtels etwa, einer der Hauptverkehrsstraßen, kleben Dutzende schwarz-rot-goldene Aufkleber auf den Hofer-Aushängen.

          Die Anspielung ist klar. Hofer ist Mitglied der Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld. Und diese, so meldet die österreichische Presse, berufe sich auf „das deutsche Vaterland, unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen“. Einer Festschrift von 1994 zufolge lehnt die Studentenverbindung die „geschichtswidrige Fiktion einer österreichischen Nation ab“. Peter Filzmaier von der Donau-Universität Krems, einer der führenden Politologen in Österreich, könnte sich vorstellen, dass die Fahnenattacke auf „die Berührungspunkte der FPÖ mit den deutschnationalen Kräften und mit der Burschenschaften-Vergangenheit von Norbert Hofer abzielt“.

          Aber möglicherweise spiele auch eine zunehmende antideutsche Haltung in Österreich eine Rolle. „Deutschland polarisiert und emotionalisiert wie lange nicht, das hat mit der Flüchtlingspolitik zu tun.“ In sich schlüssig ist die Aufkleberkampagne nach Ansicht Filzmaiers allerdings nicht. Denn es seien eher Hofers Anhänger als seine Gegner, welche die deutsche Migrationspolitik ablehnten.

          Denkbar ist indes auch, dass Hofers Kontrahenten schlichtweg seinen Wahlkampfslogan verballhornen. Der lautet: „Flagge zeigen“.

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