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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vertriebene Stichwort: Preußische Treuhand

15.12.2006
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Im Dezember 2000 gründeten Vertriebenenfunktionäre die GmbH Preußische Treuhand, die inzwischen mit einer Aktiengesellschaft verbunden wurde. Erklärtes Ziel der Vereinigung ist es, „die Eigentumsansprüche einzelner Vertriebener zu sichern bzw. zu erhalten und durchzusetzen bzw. eine angemessene Entschädigung für den Verlust dieser Werte für die Betroffenen zu erringen“. Zur Durchsetzung ihrer Forderungen hat die Organisation jetzt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg erste Einzelbeschwerden eingereicht. (Siehe auch: Preußische Treuhand: Vertriebene Deutsche verklagen Polen auf Entschädigung)

Nahezu 1.000 Personen oder Verbände haben nach Angaben der Preußischen Treuhand inzwischen Aktien gezeichnet. Die Arbeit der Organisation wird durch Freistellung von Aktienanteilen, Spenden und Beteiligungen einzelner Personen an Prozeßkosten finanziert.

Während die Aktivitäten der Vertriebenenvereinigung in Deutschland bisher nur wenig Beachtung fanden, sorgten sie in Polen für erhebliche Unruhe. Im Jahr 2003 setzte der heutige polnische Präsident und damalige Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski als Reaktion auf Entschädigungsforderungen aus Deutschland eine Kommission ein, um die Schäden schätzen zu lassen, die während des Zweiten Weltkrieges in seiner Stadt von den deutschen Besatzern angerichtet wurden. Die Untersuchungen ergaben eine Schadenssumme von 45 Milliarden Euro.

„Dubiose Organisation“

Die Bundesregierung hatte sich schon unter Kanzler Gerhard Schröder in deutlicher Form von der Preußischen Treuhand distanziert und sie als „dubiose Organisation“ betitelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel schloß sich dieser Haltung an. Ein von Warschau gefordertes deutsch-polnisches Abkommen zum gegenseitigen Verzicht auf Entschädigung lehnt sie allerdings ab.

„Wir glauben, daß das erledigt ist durch die klare Stellungnahme der Bundesregierung, keinerlei solche Ansprüche zu unterstützen“, sagte Merkel im Oktober beim Antrittsbesuch des polnischen Ministerpräsidenten Jaroslaw Kaczynski in Berlin. Zwar wolle man weiter im Gespräch über die Entschädigungsfrage bleiben. „Aber ich halte einen solchen Vertrag nicht für die richtige Lösung, weil wir damit die Dinge komplizierter machen als sie heute sind.“

Auch vom Bund der Vertriebenen (BdV) erhält die Preußische Treuhand keine Unterstützung. BdV-Präsidentin Erika Steinbach hat sich bereits mehrfach von der Organisation distanziert.

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