13.03.2009 · Historisches Versöhnungstreffen in Riad: Saudi-Arabien, Ägypten, Syrien und Kuweit wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Die Hauptanliegen der Staatsoberhäupter: den Einfluss Irans auf die arabische Welt eindämmen und den Dialog mit Amerika gestalten.
Von Rainer Hermann, Kuweit-StadtDie Abschlusserklärung war ein klares Signal. Man sei übereingekommen, künftig „gemeinsam im Dienste der arabischen Interessen“ zu handeln, ließen vier arabische Staatsoberhäupter am späten Mittwochabend in Riad verlauten. Saudi-Arabien und Ägypten, Syrien und Kuweit haben sich also verpflichtet, den Einfluss Irans auf die arabische Welt einzudämmen. Die Initiative war vom saudischen König Abdullah ausgegangen. Er hatte zu dem Treffen den ägyptischen Präsidenten Mubarak eingeladen. Auch der syrische Präsident Assad nahm die Einladung an. Dem Kreis gesellte sich der kuweitische Emir, Scheich Sabah al Ahmad Al Sabah, hinzu, ein Verbündeter des saudischen Königs.
Rückschlag für Iran
Das Treffen von Riad ist ein weiterer Rückschlag für Iran. Erst hatten bei den irakischen Provinzwahlen am 31. Januar die pro-iranischen Parteien einen kräftigen Dämpfer erlitten. Dann stellten sich nach den letzten iranischen Ansprüchen auf Bahrein, die kein einmaliger Ausrutscher waren, nahezu alle arabischen Staaten demonstrativ an die Seite des kleinen Königreichs. Die arabischen Golfstaaten erinnerten in dem Zusammenhang daran, dass Iran 1975 drei Inseln besetzt habe, die bis dahin den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört hatten. Schließlich brach Marokko sogar die diplomatischen Beziehungen mit Iran ab.
Die heftigen Reaktionen seien weniger ein Zeichen der Sympathie mit Bahrein gewesen als ein Signal der Abneigung gegenüber Iran, kommentiert Fahd al Nasser, der Direktor des „Instituts für Studien des Golfs und der Arabischen Halbinsel“ an der Universität Kuweit. Insbesondere in Saudi-Arabien und Ägypten ist das Misstrauen gegenüber Iran groß. Der saudische Außenminister Saud al Faisal forderte zu Monatsbeginn, kein nichtarabischer Staat solle sich im Irak, im Libanon und in Palästina einmischen, und der ägyptische Präsident Mubarak bot Bahrein Schutz durch seine Armee an. Nun nahm auch noch der bisher einzige verlässliche Verbündete Irans in der arabischen Welt, der syrische Präsident Assad, die Einladung zu dem Treffen mit König Abdullah und Präsident Mubarak an.
Den Dialog mit Amerika gestalten
Noch vor einem Jahr waren Abdullah und Mubarak dem jährlichen arabischen Gipfeltreffen in Damaskus aus Protest gegen die Politik und das Verhalten Syriens ferngeblieben. Beide mussten indes einsehen, dass die Isolierung Syrien nur noch weiter die Arme Irans getrieben hat. Abdullah und Mubarak sind Realpolitiker genug, um zu akzeptieren, dass sie Syrien nicht zu einem völligen Bruch mit Iran drängen können. Sie können jedoch eine Distanz zwischen den beiden schaffen, indem Saudi-Arabien Assad etwas Attraktives bietet: Schecks und Investitionen, auch das Entgegenkommen zu einem Kompromiss im Libanon, wo sich Syrien und Saudi-Arabien bisher als Gegner gegenüberstehen.
Iran ist lediglich eines der Motive für die saudische Initiative, eine größere arabische Geschlossenheit herzustellen. Gedrängt fühlen sich die Saudis dazu auch wegen der Lehren aus dem innerarabischen Bruderzwist im Gazakrieg und wegen der Aussicht auf eine neue rechte Regierung in Israel. Zudem wollen die Araber auf das Dialogangebot des amerikanischen Präsidenten Obama an Syrien und Iran nicht erst mit Verspätung reagieren. Sie wollen im Gegenteil diesen Dialog mitgestalten. Grundsätzlich begrüßen die Araber diese Politik. Die Furcht, die Amerikaner könnten sich über ihre Köpfe hinweg mit Iran verständigen, verfliegt. So hatte Außenministerin Clinton den Golfstaaten versichert, sie stimme mit ihnen ihr Vorgehen gegenüber Iran ab.
Irans Einfluss beschränken
Dialog sei weniger kostspielig als Konflikt, sagt Muhammad al Rumaihi, Chefredakteur der Zeitung „al Awan“ und einer der prominentesten Intellektuellen Kuweits. Die Amerikaner würden doch nicht gegen ihre eigenen Interessen handeln und ihre wichtigsten Verbündeten in der Region verprellen, die arabischen Golfstaaten. Ferner wolle Iran in erster Linie erreichen, dass der Westen die Staatsform der Islamischen Republik anerkenne und nicht weiter in Frage stelle, so Rumaihi weiter. Dennoch bestehe am Golf die Furcht, dass Obama gegenüber Iran nicht genügend Härte zeigen werde und ein „zweiter Carter“ werden könne, beobachtet Christian Koch vom „Gulf Research Center“ in Dubai.
Immer weniger geht die Rechnung Irans auf, an seinem weichen südlichen Unterleib in Richtung arabische Welt seinen Einfluss auszubauen und dabei auf das einigende Band des Islams zu setzen. Die schiitischen Geistlichen predigen, der iranische und der arabische Islam stünden sich kulturell nahe, einen Interessenskonflikt zwischen beiden gebe es nicht. In Iran setzen aber die auf Kosten der Geistlichkeit erstarkten Revolutionswächter deutlich auf den iranischen Nationalismus, und in der sunnitisch-arabischen Welt hat sich längst eine Furcht vor einer schiitischen Mission breit gemacht, worüber sich zuletzt insbesondere Ägypten und Marokko beklagten.
Das Misstrauen sitzt tief
In Kuweit ist der iranische Botschafter ein häufiger Gast bei den Diwaniyyas schiitischer Politiker, den traditionellen Diskussionsabenden in den Privathäusern. Eine der letzten politischen Krisen in Kuweit war ausgelöst worden, als ein iranischer Prediger, gegen den ein Einreiseverbot bestanden hatte, gegen den sunnitischen Islam polemisierte. Beunruhigt sind zudem viele Kuweitis über den iranischen Atomreaktor Busher, der auf der gegenüberliegenden Küste am Golf bald in Betrieb gehen wird.
In Zeiten niedriger Ölpreise kamen sich Araber und Iraner meist näher. Das kann auch dieses Mal der Fall sein. Andererseits sitzt das arabische Misstrauen gegenüber Iran tiefer als früher. Zwar können sich wenige Golfaraber vorstellen, dass Iran eine Atombombe gegen sie, die südlichen Anrainer des Persischen Golfs, einsetzen köännte. Allerdings traut kaum einer den iranischen Aussagen, und die meisten fürchten ein kostspieliges atomares Wettrennen am Golf und in der arabischen Welt.
Ergänzt wird das Misstrauen um die Kränkung, die ihnen die hegemoniale Überheblichkeit Irans zufügt. Etwa wenn Iran zu den drei umstrittenen Inseln stets nur verkündet, es liege ein „Missverständnis“ vor, wenn die Araber von einer Besatzung sprächen, und damit suggeriert, Iran werde die Araber schon zum richtigen Verständnis bringen. Nur dann werde Dialog mit Iran fruchtbar sein, wenn auch Iran seine Sprache ändere, sagt daher der kuweitische Golfexperte Fahd Nasser.
Abwarten und Tee trinken
carsten jung (cjung)
- 13.03.2009, 12:52 Uhr
Rainer Hermann Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.
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