27.08.2007 · Die Sachsen LB ist das jüngste Glied in einer langen Kette des Versagens in der öffentlichen Bankengruppe. Die Zusammenschlüsse der Landesbanken sind eine längst überfällige Entwicklung. Doch die Politik sei gewarnt. Ein Kommentar von Hanno Mußler.
Von Hanno MußlerDie börsennotierten privaten Großbanken wie zum Beispiel die Deutsche Bank haben mit ihren Strategiewechseln und Filialschließungen viele Privatkunden verprellt. Auch deshalb sind ihnen die 450 Sparkassen und ihre Partner, die elf Landesbanken, mit doppelt so großen Marktanteilen voraus. Doch die Verlässlichkeit der „Banken für die Bürger“ ist nur die eine Seite der Medaille. Von der hässlicheren Seite blicken selbstherrliche Bankvorstände herab, die von Politikern wegen ihres fehlenden Fachwissens unzureichend kontrolliert werden. Die Kosten für Verluste aus riskanten Auslandsgeschäften, aber auch für das dichte Filialnetz im Inland trägt der Steuerzahler.
Die Sachsen LB ist das jüngste Glied in einer langen Kette des Versagens in der öffentlichen Bankengruppe. Allein die kurze Geschichte der einzigen Landesbank in den neuen Ländern ist reich an Pannen. Wiederholt stellte die Bankenaufsicht große Mängel bei der Risikobewertung fest und drang auf bessere Risikokontrolle. Doch in der Leipziger Staatsbank fehlte es weiter an Durchblick.
Das riecht nach einem schlechten Geschäft
Mit staatlichen Haftungsgarantien im Tornister drehte die Sachsen LB in Dublin, alle Warnsignale ignorierend, unbeirrt ein Riesenrad, bis sie sich darin selbst verfing. Fast täglich ist nun von weiteren Liquiditätsengpässen die Rede. Die Folge: Sachsen verkauft seine Bank mit einem Eigenkapital von 1,5 Milliarden Euro für 300 Millionen an die Landesbank Baden-Württemberg. Das riecht nach einem schlechten Geschäft für Sachsen nach dem Motto „Augen zu und durch“.
In eine so schwache Verhandlungsposition will sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers nicht drängen lassen. Doch auch die einst ruhmreiche West LB in Düsseldorf ist, angeschlagen durch fehlgeschlagene Aktienspekulationen, allein nicht mehr lebensfähig. Damit wird es zu einer überfälligen Entwicklung kommen: Durch die Zusammenschlüsse der Landesbanken erhalten die deutschen Unternehmen neben der Deutschen Bank eine zweite große Bank als Kreditgeber und die Sparkassen ein echtes Spitzeninstitut. Doch die Politik sei gewarnt - Größe schützt vor Verlusten nicht. Im Interesse der Steuerzahler sollte der Staat nicht Mehrheitseigner der neu entstehenden Bank werden.
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