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Vereitelter Terroranschlag Brüllduell zwischen Amerika und Iran

 ·  Nach dem Mordkomplott wollen beide Seiten die Welt von ihrer Version überzeugen. So oder so keine guten Aussichten für eine diplomatische Lösung im Atomstreit - und schon gar nicht für ein Ende der Eiszeit zwischen Amerika und Iran.

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Ein Drahtzieher für einen Terroranschlag mitten in der amerikanischen Hauptstadt, der ständig seine Schlüssel verlegt und Mobiltelefone verliert? Hintermänner bei den Revolutionsgarden der Ajatollahs in Teheran, die das Kopfgeld für die Ermordung des saudischen Botschafters in Washington überweisen, statt es, ohne Spuren zu hinterlassen, über Kuriere in bar zu schicken? Ein mexikanisches Drogenkartell mit Milliardenumsatz, das sich für ein paar Millionen Dollar in geostrategische Händel der Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran hineinziehen lässt? Kaum zu glauben.

Das meinten auch die Ermittler der amerikanischen Bundespolizei FBI und der Drogenfahndung DEA, als sie von einem Informanten auf einen gewissen Mansur Arbabsiar aufmerksam gemacht wurden. Der 56 Jahre alte Mann mit amerikanischem und iranischem Pass begab sich im Mai in Mexiko auf die Suche nach einem Auftragskiller. Der sollte für 1,5 Millionen Dollar Adel al Dschubeir ermorden, den Vertreter des saudischen Königshauses in Washington. Außerdem erwünscht: Bombenanschläge auf die israelischen und die saudischen Botschaften in Washington und in Buenos Aires. Dafür wurden weitere 3,5 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

Arbabsiar stammt aus Iran, lebt aber seit 30 Jahren in Texas. Weder als Auto- oder Pferde- noch als Eisverkäufer hatte er Erfolg. Sein Haus wurde zwangsversteigert, zwei Ehen scheiterten. Er raucht Marihuana und trinkt Whisky. Ein zu allem entschlossener Dschihadist ist er gewiss nicht. Dass er auf der Suche nach einem Auftragsmörder, der sich als Mittelsmann des Drogenkartells „Los Zetas“ ausgab, prompt an einem Informanten des FBI geriet, passt ins Bild. Zwischen Mai und September flog Arbabsiar mehrfach nach Iran, wo er nach Überzeugung des FBI seinen Mitverschwörer Gholam Shakuri traf, ein ranghohes Mitglied der Al-Quds-Brigade der Revolutionsgarde. Shakuri veranlasste auch die Überweisung einer ersten Zahlung in Höhe von 100.000 Dollar an den vermeintlichen Auftragsmörder von „Los Zetas“. Ende September wurde Arbabsiar in New York festgenommen. Er kooperierte angeblich mit den Ermittlern. Am Dienstag schließlich enthüllten Justizminister Eric Holder und FBI-Direktor Robert Mueller die Geschichte.

Seither versuchen Washington und Teheran in einer Art Brüllduell, die Welt von ihrer Version zu überzeugen. Präsident Barack Obama sagt, die Beweise für die Verwicklung von Führern des Mullah-Regimes in das Komplott seien hieb- und stichfest. Teheran müsse für die Eskalation des Konflikts zur Rechenschaft gezogen werden - mit „strengsten Sanktionen“. Ajatollah Ali Chamenei weist die Vorwürfe als „wiederholte Anwendung dummer und nutzloser Methoden“ zurück, um „Angst vor Iran und dem Islam zu schüren“.

Angst vor der „schiitischen Atombombe“ Irans

Auch die amerikanischen Ermittler gestehen ein, dass die Anschlagspläne nicht die Handschrift von Al Quds tragen. Üblicherweise ermorden deren Agenten iranische Dissidenten, nicht diplomatische Vertreter anderer Staaten. Für Terroranschläge bedienen sie sich der Hamas und der Hizbullah, nicht mexikanischer Drogenkartelle. Ist es möglich, dass der Kommandeur der Al-Quds-Brigade von den Anschlagsplänen gegen den saudischen Spitzendiplomaten al Dschubeir nichts wusste? Sollte auch Chamenei, dem Al Quds direkt unterstellt ist, ahnungslos gewesen sein?

Die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran besteht nicht erst seit der „Islamischen Revolution“ von Ajatollah Ruhollah Chomeini von 1979. Der Antagonismus zwischen der schiitischen Islamischen Republik Iran und Saudi-Arabien, der selbsternannten Schutzmacht aller Sunniten, hat sich seither aber verschärft. Die Saudis, die wichtigsten Verbündeten der Amerikaner am Persischen Golf, sind von der Angst vor der „schiitischen Atombombe“ Irans getrieben. Und Iran versucht, seinen Einfluss in der Region geltend zu machen.

Kein Ende der Eiszeit

Durch die Veröffentlichungen von Wikileaks wurde eine Depesche von Botschafter Adel al Dschubeir vom 20. April 2008 an die amerikanische Botschaft in Riad bekannt. Danach habe der saudische König Abdullah Amerika zu einem Militärschlag gegen Iran aufgefordert: Man müsse „der Schlange den Kopf abschlagen“, ließ der Monarch die Amerikaner über seinen Botschafter al Dschubeir wissen.

In Washington und anderswo sind die Iran-Fachleute uneins, worüber man tiefer besorgt sein muss. Entweder fühlt sich Teheran so sicher, dass es sogar vor einem faktischen Kriegsakt auf dem Heimatboden des „Großen Satans“ Amerika nicht zurückschreckt. Oder es gibt unkontrollierte Einheiten der Al-Quds-Brigade, die sich auf eigene Faust eines orientierungslosen Iraners mit amerikanischem Pass und eines mexikanischen Drogenkartells zu bedienen versuchten, um Terroranschläge zu verüben. So oder so keine guten Aussichten für eine diplomatische Lösung im Atomstreit - und schon gar nicht für ein Ende der Eiszeit zwischen Amerika und Iran.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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