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Yvo de Boer Der Klimadiplomat

11.12.2007 ·  Auf Bali beginnen an diesem Mittwoch die Schlussverhandlungen der Weltklimakonferenz. Dann muss sich ein Mann wieder mit einer kleineren Rolle begnügen als zuletzt: Yvo de Boer, der oberste Klimaschützer der UN, der es nicht an deutlichen Worten fehlen lässt.

Von Konrad Mrusek
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Wenn man in eine deutsche Suchmaschine den Namen de Boer eingibt, tauchen zwei holländische Fußballspieler auf, nicht aber der oberste Klimaschützer der Vereinten Nationen. Das ist erstaunlich bei Yvo de Boer, denn er arbeitet seit fast zwei Jahren in Deutschland, leitet das Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention in Bonn. Doch bisher war der Diplomat meistens nur Beisitzer, wenn er an die Öffentlichkeit trat. Entweder hatte er einen Minister neben sich oder einen Forscher.

Bei der Klimakonferenz auf Bali ist der Mann bekannter geworden. In der ersten Hälfte des fast zwei Wochen dauernden Treffens hatte er die Bühne für sich, stand ihm außer dem indonesischen Konferenzpräsidenten Rachmat Witolear nur selten jemand im Licht. Täglich ging er auf das Podium im Edeltourismus-Reservat Nusa Dua, um den Zwischenstand beim neuen Kyoto-Protokoll, das die Treibhausgas-Emissionen begrenzt, zu beschreiben. Der 54 Jahre alte Diplomat gab sich dabei ganz informell, erschien immer in einem balinesischen Batikhemd.

Er spekuliert auf einen neuen amerikanischen Präsidenten

Von diesem Mittwoch an muss er sich wieder mit einer kleineren Rolle bescheiden, denn dann reisen die Minister aus den 190 Mitgliedstaaten der Klimakonvention an. Sie müssen die Kompromisse suchen, die der Klimadiplomat schon einmal gespurt hat. Der Niederländer ließ es früher nie an deutlichen Worten fehlen, wenn es um die Dringlichkeit ambitionierter Ziele ging. Es wäre „kriminell“, so sagte er bei der Vorlage des letzten Berichts des Weltklimarates IPCC (der unabhängig ist von seinem UN-Klimasekretariat), nichts gegen eine gefährliche Erderwärmung von über zwei Grad zu tun.

EU-Umwelt-Kommissar Stavros Dimas ist auf dem Weltklima-Gipfel auf Distanz zum Kurs der amerikanischen Regierung gegangen. Diese hatte gefordert, auf die Festlegung genauer Reduktionsziele von Schadstoffen zu verzichten.

Auf Bali sprach er vorsichtiger. In der Klimapolitik gibt es die Ehrgeizigen und die Bremser, reiche und arme Staaten. De Boer möchte sie möglichst alle in den neuen Vertrag einbinden, niemanden verprellen, bevor die eigentlichen Verhandlungen beginnen. Außerdem spekuliert er darauf, dass in einem Jahr ein Präsident in Amerika gewählt wird, der vieles leichter macht. Auf Bali wird es daher nur einen kleinen politischen gemeinsamen Nenner geben, eingebettet in diplomatische Floskeln, mit dem Amerika, die EU, China und Indien leben können. Daher wird bis Freitag um jedes Wort gefeilscht, wird man sich so manche Nacht um die Ohren schlagen, bis es einen sprachlichen Konsens darüber gibt, worüber man denn bis 2009 verhandeln will.

Yvo de Boer kennt sich in semantischen Finessen aus. Schließlich stammt er aus einer Diplomatenfamilie, arbeitete zeitweise in UN-Organisationen und war dann Ministerialbeamter in den Niederlanden. Seit 1994 betreibt er Klimapolitik, war an der Entstehung des ersten Kyoto-Protokolls beteiligt. Danach musste er mithelfen, in der Europäischen Union die Reduktionspflichten auf die EU-Staaten zu verteilen. Ein Jahr war er auch Vizepräsident der Vertragsstaaten der Klimakonvention und hatte beratende Funktionen in einem Klimafonds der Weltbank. Trotzdem kam der Wechsel in das Klimasekretariat 2005 für ihn überraschend und hatte einen traurigen Anlass: Seine Vorgängerin Joke Waller-Hunter war im Alter von 58 Jahren gestorben.

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