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Welthungerbericht Mehr als eine Milliarde Menschen hungern

14.10.2009 ·  Die Weltwirtschaftskrise hat „verheerende“ Auswirkungen auf die Ernährungssituation. Laut dem Welthungerbericht 2009 stieg die Zahl der Hungernden auf den höchsten Wert seit 1970. Die Millenniums-Ziele der UN rücken in weite Ferne.

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Die Weltwirtschaftskrise hat „verheerende“ Auswirkungen auf die Ernährungssituation in der Welt. Wie die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) am Mittwoch in Rom in ihrem diesjährigen Welthungerbericht mitteilte, stieg die Zahl der Hungerleidenden 2009 als Folge der Krise auf 1,02 Milliarden - den höchsten Wert seit 1970. Damit steht die Realität im krassen Gegensatz zu den im Jahr 2000 formulierten Millenniums-Zielen, in denen die Vereinten Nationen ursprünglich angestrebt hatten, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren.

Laut dem Bericht leidet statistisch jeder sechste Mensch auf der Welt unter Hunger und Unterernährung, das sind insgesamt 100 Millionen Menschen mehr als im Jahr 2008. Die meisten unterernährten und hungernden Menschen leben in Entwicklungsländern, die Mehrheit von ihnen (642 Millionen) in Asien und in der Pazifik-Region. 15 Millionen betroffene Menschen leben in den Industriestaaten.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Hunger seien „katastrophal“, sagte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf. Er forderte die Regierungen der Industrieländer dazu auf, sich vehementer gegen den Hunger einzusetzen. „Was fehlt, ist der politische Wille, den Hunger für immer auszulöschen“, sagte Diouf. Die technischen und ökonomischen Voraussetzungen dafür seien durchaus gegeben. So wie die Mächtigen der Welt „schnell, gemeinsam und kraftvoll“ auf die Weltwirtschaftskrise reagiert hätten, sei „derselbe starke Einsatz gefragt, um den Hunger zu bekämpfen“.

„Immer tiefer in die Hunger-Armuts-Falle“

Unter den für die Entwicklungsländer besonders verheerenden Faktoren der aktuellen Wirtschaftskrise nennt der Bericht an erster Stelle, dass praktisch alle Länder rund um den Globus hart getroffen wurden. Da die armen Länder heute stärker in die Weltwirtschaft eingebunden seien als noch vor 20 Jahren, würden sie zudem von Schwankungen auf den internationalen Märkten unmittelbarer getroffen.

Darüber hinaus sei die wirtschaftliche Krise in einer Zeit ausgebrochen, in der schon ein Nahrungsmittelnotstand herrschte. „Die armen Familien, die schon vorher ihr Hab und Gut verkauft, ihren Lebensmittelkonsum reduziert und bei essenziellen Ausgaben wie Gesundheit und Bildung gespart haben, riskieren nun angesichts hoher Nahrungsmittelpreise, niedriger Einkommen und erhöhter Arbeitslosigkeit, immer tiefer in die Hunger-Armuts-Falle zu stürzen“, heißt es in dem Bericht.

In fünf Fallstudien des Welternährungsprogramms (WFP) zur Lage in Armenien, Bangladesch, Ghana, Nicaragua und Sambia wird die Notwendigkeit von stärkeren Investitionen in die Landwirtschaft und die Infrastruktur wie etwa Straßen illustriert. „Auch kleine Farmer müssen Zugang erhalten zu Qualitätssaat, Düngemitteln, Nahrung und Technik, und den Regierungen der ärmeren Länder müssen die wirtschaftlichen und politischen Mittel in die Hand gegeben werden, um vor Ort Agrarproduktion und Produktivität ankurbeln zu können“, sagte Diouf.

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