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Welternährungsgipfel Steigende Lebensmittelpreise als Chance

03.06.2008 ·  Beim Welternährungsgipfel diskutieren Staats- und Regierungschefs über die hohen Nahrungsmittelpreise. Während die Weltbank von einer „Krise“ spricht, sieht die Ernährungsorganisation FAO höhere Preise teilweise als Chance. Denn sie regen zu mehr Investitionen in die Landwirtschaft an.

Von Tobias Piller, Rom
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Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, bleibt in ihrer Wortwahl vorsichtig: Statt wie die Weltbank von einer „Krise“ reden die Fachleute lieber von stark gestiegenen Preisen. Während sich andere Institutionen öffentlichkeitswirksam auf das Problem stürzen, hat die FAO seit Jahrzehnten landwirtschaftliche Ernten und Preise verfolgt und sieht die Entwicklungen deshalb gelassener.

Auch die Daten der FAO besagen aber, dass sich der Weizenpreis innerhalb eines Jahres in etwa verdoppelt hat. Die Fachleute der FAO hatten seit 2006 immer wieder darauf hingewiesen, dass Preissteigerungen bevorstünden, waren aber nur in Fachkreisen gehört worden. Auslöser der Preisentwicklung waren ungünstige Witterung und schlechte Ernten in wichtigen Weizenexportländern wie etwa Australien. Zugleich waren die internationalen Vorräte auf einem besonders niedrigen Niveau.

Zu den kräftigen Preissteigerungen beigetragen haben die Besonderheiten des Nahrungsmittelmarktes: Die niedrigen Weltmarktpreise und die durch staatliche Interventionen verbilligten Produkte, die immer wieder von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten auf den Markt geworfen wurden, hatten nicht nur in Entwicklungsländern die Bauern davon abgehalten, eigenen Weizen anzubauen. Selbst auf Vorratslager konnten die Weizenimporteure lange Zeit verzichten, da die Exporteure doch reichlich Überschüsse lagerten, die sie bei geringen Preissteigerungen auf den Markt warfen. Doch diese Pufferfunktion können die Europäische Union oder Nordamerika derzeit nicht erfüllen.

Der rasante Anstieg bei den Nahrungsmittelpreisen trifft die Armen besonders hart. Der amerikanische Präsident Bush will jetzt weitere Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung stellen.

FAO: Kein Grund für übertriebene Dramatik

Obwohl die FAO-Experten schließlich vom Ausmaß der finanziellen Spekulation mit Terminpreisen von Lebensmitteln überrascht wurden, sieht etwa der Weizenfachmann der FAO, Abdolreza Abbassian, keinen Grund für übertriebene Dramatik: Die Weizenernte sei zuletzt in fast allen Importländern gut ausgefallen, sagt er. Zudem stehe nach den gegenwärtigen Prognosen in diesem Jahr eine Rekordernte für den Weizen bevor. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt Abbassian. Die Weizenpreise werden nach seiner Einschätzung zwar sinken, aber wohl nicht mehr so niedrig liegen wie bis vor einem Jahr.

Vorhersehbar sei etwa, dass steigender Wohlstand in Schwellenländern die Ernährungsgewohnheiten und die Nachfragemuster verändere. In den höheren Preisen steckt nach Ansicht Abbassians daher auch eine Chance. „Bisher waren die Nahrungsmittelpreise zu niedrig, um Investitionen anzuziehen“, sagt er. Mehr Investitionen und mehr Produktivität könnten in der Zukunft wieder zur Entspannung auf den Märkten führen. Während die öffentliche Diskussion über die „Ernährungskrise“ voraussetzt, dass die Produktionsmöglichkeiten für Nahrungsmittel wie Weizen begrenzt seien, sehen die Fachleute der FAO dies nicht. Abbassian ist allein darüber besorgt, dass übermäßige Preisschwankungen die Investitionen und die Produktionsentscheidungen der Bauern erschweren könnten.

Markt für Weizen könnte sich einpendeln

Schon in absehbarer Zeit könnte sich der Markt für Weizen einpendeln, erwartet die FAO, für den Mais dürfte er bis auf Weiteres angespannt bleiben. In den Vereinigten Staaten wurde weniger gepflanzt; zugleich sind die Ernteaussichten wegen ungünstigen Wetters schlecht. Zudem werde in Amerika mehr Mais für die Herstellung von Biotreibstoffen verwendet.

Der Preisanstieg für Reis könnte bald schon drehen, erwartet der FAO-Experte: Kurzfristig seien Knappheiten entstanden, weil die großen Ausfuhrländer Exportstopps verhängt hätten, um die eigene Bevölkerung vor steigenden Preisen zu schützen. In der Hoffnung auf höhere Preise hätten einige Produzenten Reis gehortet. Doch bis zur nächsten Ernte müssten die gelagerten Mengen an Reis auf jeden Fall auf den Markt geworfen werden.

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