12.04.2007 · Die Vereinigten Staaten haben die Einsatzdauer für amerikanische Soldaten im Irak und in Afghanistan um drei Monate verlängert, um die Truppenstärke aufrechterhalten zu können. Nicht nur von Seiten der Demokraten hagelt es deshalb Kritik.
Die im Irak und in Afghanistan stationierten Soldaten des amerikanischen Heeres müssen drei Monate länger als geplant an der Front bleiben. Die Einsatzdauer der Soldaten wurde von bisher 12 auf 15 Monate verlängert. Verteidigungsminister Robert Gates sagte am Mittwoch, dies sei vor allem notwendig geworden, um die vor kurzem beschlossene Erhöhung der Truppenstärke im Irak beibehalten zu können.
„Mir ist klar, dass diese Entscheidung unseren Soldaten im Heer und ihren Familien viel abverlangt“, sagte Gates. Durch die neue Regelung erhielten diese jedoch größere Planungssicherheit. Bislang war der Einsatz einzelner Einheiten verlängert worden. Kritiker verurteilten die Anordnung dagegen als eine zusätzliche Belastung für das ohnehin stark beanspruchte Militär. Die Regelung werde zudem eine abschreckende Wirkung auf die Rekrutierung haben, sagte der demokratische Abgeordnete Ike Skelton, der Vorsitzende des Streitkräfte-Komitees im Repräsentantenhaus.
Gates: Rückzug abhängig von der Lage im Land
Eigentlich ist es das Ziel des amerikanischen Verteidigungsministeriums, dass Soldaten des Heeres für jedes Jahr, das sie in einem Auslandseinsatz verbringen, zwei Jahre zu Hause bleiben. In den vergangenen Jahren war dies wegen der Belastungen im Irak und in Afghanistan nicht möglich. Mitarbeitern des Ministeriums zufolge liegt das Verhältnis derzeit im Schnitt bei einem Jahr zu einem Jahr.
Im Irak befinden sich derzeit rund 150.000 amerikanische Soldaten, in Afghanistan etwa 25.000. Ausgenommen von der verlängerten Einsatzzeit sind demnach die Marineinfanteristen, die normalerweise sieben Monate in Kriegsgebieten sind. Ein Rückzug der amerikanischen Truppen, der von den Demokraten vehement für 2008 gefordert wird, sei ausschließlich abhängig von der Lage im Land, sagte Gates.
„Auf einem sehr gefährlichen Weg“
Führende Demokraten kritisierten die Regierung scharf. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, die Ankündigung unterstreiche nur die Tatsache, dass nun die amerikanischen Soldaten und ihre Familien „die Bürde des Irak-Krieges“ tragen müssten. Bushs Regierung habe es nicht geschafft, die Soldaten richtig auszustatten und auszubilden, sie sicher und rasch nach Hause zu bringen und sich so um die Veteranen zu kümmern, wie sie es verdient hätten. Wenn nun die Einsatzdauer verlängert werde, müssten die Soldaten und ihre Familien „einen unannehmbaren Preis“ zahlen.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im Senat, Carl Levin, sagte, wieder einmal müssten die Soldaten für „die Fehler dieser Regierung“ geradestehen. „Dies geht auf Kosten der tapferen Männer und Frauen“, die sich ohnehin schon in Gefahr begäben. Selbst der republikanische Abgeordnete Charles Hagel warnte vor „drastischen und dauerhaften Folgen“ für die Armee: Die Möglichkeit, „auf irgendeine andere Krise in der Welt zu reagieren“, gerate durch das derzeitige Einsatztempo in Gefahr. „Wir sind auf einem sehr gefährlichen Weg.“
Vergebliche Suche nach einem Oberaufseher
Das Weiße Haus will außerdem einem Zeitungsbericht zufolge den Posten eines ranghohen Koordinators für die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan schaffen, findet jedoch keinen General, der die Aufgabe übernehmen möchte.
Wie die Zeitung „Washington Post“ berichtet, hat das Weiße Haus von mindestens drei Vier-Sterne-Generälen im Ruhestand, die die Regierung in die nähere Auswahl nehmen wollte, eine Absage bekommen. Einer der Kandidaten, der frühere General und Nato-Oberbefehlshaber John „Jack“ Sheehan, begründete das mit der Ungewissheit über den künftigen Kurs der Regierung im Irak und der Befürchtung, dass Vizepräsident Cheney und andere „Falken“ stärkeren Einfluss auf die Irak-Politik hätten als Pragmatiker, die nach Rückzugsmöglichkeiten suchten. Der frühere Heeresgeneral Jacke Keane und der ehemalige Luftwaffengeneral Joseph Ralston lehnten ebenfalls ab.
Konflikte organisatorisch enger zusammenführen
Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates sagte, das Weiße Haus erwäge verschiedene Optionen, die beiden Konflikte im Irak und in Afghanistan organisatorisch enger zusammenzuführen. Diskrepanzen über die Irak-Politik hatte es insbesondere zwischen dem Verteidigungs- und dem Außenministerium gegeben. Gegenwärtig ist die stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin Meghan O'Sullivan die ranghöchste Mitarbeiterin im Weißen Haus, die sich ausschließlich mit Afghanistan und dem Irak befasst. Sie plant aber, bald auszuscheiden, weshalb das Weiße Haus nach Angaben Johndroes über eine Neustrukturierung ihres Aufgabenbereichs nachdenke.
Der Koordinator für Irak und Afghanistan soll nach Darstellung der „Washington Post“ dem Nationalen Sicherheitsberater Steven Hadley und Präsident Bush direkt berichten. Er solle den gleichen Rang wie der Nationale Sicherheitsberater haben und anderen Stellen Anweisungen geben können.
Soldaten müssen länger im Krieg bleiben
Tara King (raraking)
- 12.04.2007, 20:23 Uhr