07.02.2009 · „Wir brauchen ihre Hilfe“, rief der amerikanische Vizepräsident Joe Biden den Teilnehmern der Münchner Sicherheitskonferenz zu. Wie lange haben die Europäer das nicht mehr aus amerikanischem Mund gehört? Die Botschaft, die Biden im Gepäck hatte, ist klar: Das unilaterale Gepolter von George W. Bush ist vorbei.
Von Oliver HoischenEs kann kein Zufall gewesen sein, dass gerade in dem Augenblick die Sonne durch die Münchener Wolkendecke brach, als Joe Biden, der amerikanische Vizepräsident, der Welt zurief: „Ehrlich, wir brauchen Ihren Rat.“ Und: „Wir brauchen Ihre Hilfe.“ Wie lange hatten die Europäer das nicht aus amerikanischem Mund gehört? Kaum drei Wochen nach dem Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama wollten sie bei der Sicherheitskonferenz in München eine Ahnung davon bekommen, wie sie denn aussehen könnte, die neue Weltordnung. Obama hatte eigens seinen Vizepräsidenten an die Isar geschickt. Der nutzte die Chance: vom Versprechen, entschlossen gegen den Klimawandel vorzugehen, über die Beteuerung, keinen Kampf der Kulturen zu führen, bis hin zu der Ankündigung, mit Russland zusammenzuarbeiten. Das unilaterale Gepolter von George W. Bush ist vorbei.
Die weltpolitischen Krisen sind mannigfaltiger denn je. Dazu gehört Iran, dessen Parlamentspräsident Ali Laridschani in München stur blieb und auf Washington schimpfte, das verantwortlich sei für Krieg und Unterdrückung: „Glauben Sie, dass das Leid nur durch einen neuen Tonfall wiedergutgemacht werden kann?“ Laridschani hielt Fotos in die Höhe, die getötete palästinensische Kinder zeigten, und relativierte den Holocaust: „Ich bin kein Historiker. Man kann dazu unterschiedlicher Meinung sein.“ Die Zuhörer im Saal beschlich eine leise Furcht. Und besorgt wurde vermerkt, dass Iran gerade einen Satelliten mit einer eigenen Trägerrakete ins All geschossen hatte.
Positive Signale von Russland
Dagegen war Russland dieses Mal mit positiven Signalen zu vernehmen – anders als vor zwei Jahren, als der damalige Präsident Wladimir Putin gegen Amerika wetterte. Sergej Iwanow, stellvertretender Ministerpräsident, warnte Amerika zwar davor, an den Plänen für eine Raketenabwehr festzuhalten. Doch er schien an Gesprächen über eine Reduzierung der Atomwaffenarsenale interessiert.
Als überzeugtester Obama-Fan gab sich wieder Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Von der nüchternen CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel will er sich unterscheiden. In der Guantánamo-Frage bot er den Amerikanern Hilfe an, ehe die danach fragten. Wahrscheinlich hat er vom ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder auch das gelernt: Mit der Stimmung der Deutschen gegenüber Amerika lässt sich in Wahlkämpfen punkten. Diesmal ist sie eben positiv.
Dabei zeigte die Rede Bidens: Noch ist das Drehbuch für eine neue Weltordnung nicht geschrieben. Offenbar weiß man noch nicht, was mit den Gefangenen in Guantánamo geschehen soll oder welche Lasten man den Europäern in Afghanistan noch aufbürden soll. Biden war so klug, Merkel, Steinmeier und Co. nicht vor den Kopf zu stoßen. So wird es wohl darauf hinauslaufen, dass sich Deutschland am Hindukusch noch stärker um den zivilen Wiederaufbau kümmert. Dass zukünftig kein Land die Probleme der Welt allein lösen könne, ist zutreffender denn je. Bidens Nachricht, dass sich nun auch Amerika daran halten wolle, nahm die Münchener „Strategic Community“ erleichtert auf.
Leeres Geschwätz?
Metin Gülmen (elmetinho)
- 07.02.2009, 22:45 Uhr
Das ist doch Tatsachenverdrehung.
Heero Miketta (Miketta)
- 08.02.2009, 02:30 Uhr
Kein neuaunfang
Frank Neyer (frankmeyer2002)
- 08.02.2009, 11:22 Uhr