06.05.2006 · Der CIA-Direktor Porter Goss hat seinen Rücktritt eingereicht. Das gab der amerikanische Präsident George W. Bush bekannt. Goss war keine zwei Jahre im Amt. Über die Hintergründe der überraschenden Entscheidung wird in Washington gerätselt.
Nach nicht einmal zwei Jahren im Amt ist CIA-Direktor Porter Goss zurückgetreten. Er habe das Rücktrittsgesuch angenommen, sagte der amerikanische Präsident George W. Bush am Freitag in Washington.
Weder er noch Goss nannten Gründe für die Entscheidung. Die CIA war zuletzt durch die Affäre um geheime Gefangenentransportflüge in Europa erschüttert worden. Zudem hatte es eine Reihe von Enthüllungen über die Geheimdienstarbeit durch „undichte Stellen“ gegeben. Angesichts stetig sinkender Umfragewerte und mit Blick auf die Kongreßwahlen im November hatte Bush vor einiger Zeit mit einem Personalumbau begonnen. Einen Nachfolger für Goss nannte er nicht.
Weder Gründe noch Nachfolger genannt
Goss habe am Morgen sein Rücktrittsgesuch eingereicht, sagte Bush. Er habe es akzeptiert. Er schätze die Integrität des Geheimdienstexperten, betonte er in Goss' Beisein im Oval Office des Weißen Hauses. Der verheiratete Vater von vier Kindern sagte, der Posten sei für ihn „eine Ehre“ und „ein Privileg“ gewesen. Bush hatte den republikanischen Abgeordneten im August 2004 zum CIA-Direktor ernannt. Er folgte damals dem zurückgetretenen George Tenet. Goss brachte für die Arbeit Erfahrungen als CIA-Agent und als Chef des einflußreichen Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus mit. Bush hatte damals hervorgehoben, Goss kenne die CIA „in- und auswendig“ und wisse, was zu ihrer Stärkung gebraucht werde.
Unter den oppositionellen Demokraten war Goss umstritten, weil er im Wahlkampf klar gegen den Präsidentschaftskandidaten John Kerry Stellung bezogen hatte. Goss hatte seine politische Karriere 1974 begonnnen, als er Bürgermeister auf der Sanibel-Insel vor der Golfküste Floridas wurde. 14 Jahre danach wurde er ins Repräsentantenhaus in Washington gewählt. Unter anderem trat er als Ko-Autor eines Kongreßberichtes zu den Anschlägen vom 11. September 2001 hervor, in dem die CIA und Tenet scharf angegriffen wurden.
Zu Bushs Personalumbau gehörte bislang unter anderem, daß er den erzkonservativen Fernseh- und Rundfunkjournalisten Tony Snow zu seinem neuen Sprecher machte. Zudem betraute er seinen umstrittenen Top-Berater Karl Rove mit der neuen Aufgabe, sich auf die Wahlkampagne zu konzentrieren.