08.01.2004 · Die wirtschaftliche Krise in den Vereinigten Staaten hat die Chancen jener geschmälert, die erwartet hatten, für ihr teueres Studium an einer Spitzenuniversität mit einer hochbezahlten Stelle belohnt zu werden.
Von Katja GelinskyAls Präsident Bush wenige Monate nach seinem Amtsantritt von seiner früheren Universität Yale geehrt wurde, kokettierte er damit, den Ruf der traditionsreichen Elitehochschule nicht gerade durch glanzvolle Leistungen gemehrt zu haben. In Erinnerung an seine wilde Partyzeit sagte Bush, Studenten, die ihm ähnlich seien, würden sich später nicht mehr an all das erinnern, was sie in Yale getan hätten. Ungeachtet dieser Gedächtnislücken ist Bush sich freilich sicher, "daß Yale einen besseren Menschen aus mir gemacht hat".
Seit jeher haben amerikanische Eliteuniversitäten den Anspruch, ihre Studenten nicht nur mit Wissen zu füttern, sondern zugleich zu verantwortungsbewußten Führungspersönlichkeiten zu erziehen. Das Wörtchen "Elite" wird allerdings diskret vermieden, auch bei den ehrwürdigen Universitäten der "Ivy League". Die älteste der exklusiven Acht im Nordosten der Vereinigten Staaten ist die 1636 gegründete Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts). Dazu gehören Yale in Connecticut, Princeton in New Jersey, Columbia in New York, die University of Pennsylvania in Philadelphia, die Brown-Universität in Rhode Island, Cornell im Bundesstaat New York und schließlich das Dartmouth College in New Hampshire. Neben den Ivy-League-Universitäten gibt es freilich weitere - private und staatliche - Universitäten, die einen hervorragenden Ruf genießen, zum Beispiel die staatliche University of California in Berkeley und das private Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge.
Kritik an Bewerungsverfahren
Auf der jüngsten Rangliste der Zeitschrift "US News & World Report" landet Berkeley allerdings nur auf dem 21. Platz - alle besser bewerteten Universitäten sind Privatuniversitäten. Den Spitzenplatz belegt Harvard, ihm folgen Princeton, Yale und das MIT. An dem Bewertungsverfahren wird zwar zuweilen Kritik geübt, und die Rangliste ist auch nur eine von mehreren, aber dennoch legen Universitäten und Colleges großen Wert darauf, beim "Ranking" der Zeitschrift gut abzuschneiden, da sich mit dieser Auszeichnung erfolgreich bei künftigen Studenten sowie bei Sponsoren werben läßt.
Von den amerikanischen Colleges und Universitäten werden etwa die Hälfte - mehr als 1600 - privat betrieben, das heißt, die akademische und finanzielle Verantwortung liegt nicht beim Staat, sondern bei einem Aufsichtsgremium, dem Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft, Fakultätsmitglieder, Studenten und Ehemalige angehören. Eingeschrieben sind an den privaten Institutionen rund drei Millionen Studenten, etwa ein Fünftel aller Studenten in den Vereinigten Staaten. An den kleinsten privaten Colleges studieren nur wenige hundert, an den größten Privatuniversitäten dagegen mehr als 30.000. Verglichen mit den staatlichen Universitäten, an denen im Durchschnitt 6800 Studenten eingeschrieben sind, sind die privaten mit durchschnittlich knapp 1900 Studenten jedenfalls deutlich kleiner.
Nicht nur Eliteschmieden
Nicht alle Privatuniversitäten sind Eliteschmieden, zumal nur an einem Bruchteil Forschung betrieben wird. Dementsprechend verlangen auch nicht alle Studiengebühren von 28.000 Dollar im Jahr wie die Universität Yale für das laufende Schuljahr. Doch ist das Studium an einer Privatuniversität, für das durchschnittlich Studiengebühren von mehr als 19.000 Dollar im Jahr zu zahlen sind, auf jeden Fall kostspieliger als das an einer staatlichen Universität mit durchschnittlichen Studiengebühren von knapp 4700 Dollar. Aber die höheren Gebühren für das Studium an einer Privatuniversität scheinen sich auszuzahlen, wenngleich Ökonomen darüber streiten, ob tatsächlich das Prestige der Universität ausschlaggebend dafür ist, daß Absolventen von Privatuniversitäten im Durchschnitt mehr verdienen.
Der Princetoner Ökonom Alan Krueger ist der Ansicht, daß talentierte Studenten sich das Geld für teuere Eliteuniversitäten eigentlich sparen könnten, da sie auch als Absolventen weniger bekannter Universitäten gutbezahlte Stellen finden würden. Aber immerhin kommen mehr als die Hälfte der Führungskräfte in der Wirtschaft von Privatuniversitäten, obwohl dort nur 20 Prozent aller Studenten eingeschrieben sind. Von den amerikanischen Parlamentariern haben 46 Prozent ihren Abschluß an Privatuniversitäten erworben. Und von den 33 amerikanischen Präsidenten mit abgeschlossenem Studium haben 22 an einer Privatuniversität studiert, davon allein sieben in Harvard.
Drastische Sparmaßnahmen
Der Verlust von fast drei Millionen Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten in den vergangenen zwei Jahren hat freilich auch die Chancen jener geschmälert, die erwartet hatten, für ihr teueres Studium an einer Spitzenuniversität mit einer hochbezahlten Stelle belohnt zu werden. In den neunziger Jahren verpflichteten Unternehmen aussichtsreiche Studenten von Eliteuniversitäten schon lange, bevor diese ihren Abschluß in der Tasche hatten. Dagegen mußten manche Ivy-League-Absolventen sich im vergangenen Sommer zunächst mit schlechtbezahlten Aushilfsjobs begnügen. Die angespannte Wirtschaftslage hat freilich auch die Universitäten selbst hart getroffen.
Da der Handel mit Aktien, mit dem viele Privatuniversitäten in den neunziger Jahren hohe Gewinne erzielt hatten, schmerzhafte Verluste brachte, waren sogar Spitzenuniversitäten wie die Stanford-Universität zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen, zumal auch die Spenden nicht mehr so reichlich flossen. Erstmals seit 15 Jahren verzeichneten die amerikanischen Universitäten - private wie staatliche - 2002 einen leichten Rückgang privater Spenden. So gaben ehemalige Studenten rund eine Milliarde Dollar weniger als im Vorjahr. Daß sich die Spenden gleichwohl noch auf fast 24 Milliarden Dollar summierten, haben die Colleges und Universitäten vor allem Unternehmen und Stiftungen zu verdanken, deren Zuwendungen stabil blieben. Auch die mehr als eine halbe Million ausländischen Studenten in den Vereinigten Staaten füllen den Universitäten die Kassen. Im vergangenen Studienjahr zahlten sie mehr als sieben Milliarden Dollar Studiengebühren.
Finanzielle Unterstützung
Ohne Unterstützung großzügiger Spender wäre das Studium an amerikanischen Privatuniversitäten noch teurer, als es ohnehin schon ist. Denn die Studiengebühren decken nach Angaben der Vereinigung privater Colleges und Universitäten im Durchschnitt nur knapp zwei Drittel der eigentlichen Studienkosten ab, obwohl sie im vergangenen Jahr um sechs Prozent erhöht wurden (an den staatlichen Universitäten stiegen die Gebühren sogar um mehr als 14 Prozent). Trotz der angespannten Finanzlage ist aber auch die finanzielle Hilfe für amerikanische Studenten deutlich gestiegen. Davon profitierten auch Studenten privater Institutionen.
Fast jeder zweite Student eines privaten Colleges erhielt nach den jüngsten Zahlen für 1999/2000 finanzielle Unterstützung. Viele Privatuniversitäten gewähren zum Beispiel den Kindern ehemaliger Studenten Nachlässe bei den Studiengebühren. Manche belohnen auch Studenten, die gemeinnützige Arbeit geleistet haben oder die sich nach dem Studium für ein paar Jahre als Lehrer verpflichten, mit geringeren Studiengebühren. Außerdem gibt es auch an Privatuniversitäten Stipendien für mittellose Studenten. Man muß also nicht reich sein, um an amerikanischen Eliteuniversitäten studieren zu können. Allerdings helfe es bei der Bewerbung schon, wenn die Eltern sich als großzügige Spender erkenntlich gezeigt hätten oder bekannte Persönlichkeiten seien, bestätigen Professoren an Universitäten der Ivy League. Ein allzu offensichtlicher Mangel an Intelligenz, lasse sich freilich auch nicht durch Geld wettmachen.