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Vereinigte Staaten Amerikanisches Militär bestätigt „Falschbehandlung“ des Koran

04.06.2005 ·  Das amerikanische Verteidigungsministerium hat mehrere Fälle von Koranschändungen im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba bestätigt. Die Fälle seien jedoch selten und würden nie stillschweigend geduldet.

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Die Armee der Vereinigten Staaten hat am Freitag erstmals falschen Umgang mit dem Koran im Gefangenenlager von Guantanamo eingeräumt. In einem Fall sei der Koran eines Häftlings mit dem Urin eines Aufsehers bespritzt worden, gab das für das Straflager auf Kuba zuständige Kommando unter Brigadegeneral Jay Hood in Washington bekannt.

Insgesamt hätten jüngst abgeschlossene Militärermittlungen fünf Fälle der „Falschbehandlung“ des Korans durch amerikanische Bedienstete in Guantanamo bestätigt. Amerikanische Wärter hätten in den weiteren Fällen das heilige Buch der Moslems getreten, es mit Wasser durchtränkt und seien darauf herumgetrampelt.

Neue Kleidung, neuer Koran, eine Rüge, eine Versetzung

Im März habe ein Wächter seinen Posten verlassen und in der Nähe einer Lüftungseinrichtung uriniert. Dabei habe der Wind das Urin durch die Anlage in einen Zellenblock geblasen. Ein Häftling habe den Wächtern gesagt, das Urin habe ihn und seinen Koran bespritzt. Der Gefangene soll neue Kleidung und einen neuen Koran erhalten haben. Der verantwortliche Aufseher sei gerügt und in einen anderen Dienst versetzt worden. Ein Sprecher des Gefängnisses bezeichnete den Vorfall als versehentlich.

Wie es weiter hieß, soll ein später entlassener Vernehmungsbeamter sich im Juli 2003 bei einem Gefangenen entschuldigt haben, weil er auf dessen Koran getreten sei. Außerdem seien Ausgaben des Koran durchnäßt worden, als Wächter Wasserballons in einen Zellenblock geworfen hätten. Im Februar 2002 hätten Aufseher den Koran eines Gefangenen getreten.

Toiletten-Spülung wird als abgeschlossen betrachtet

Im fünften „bestätigten Vorfall“ habe sich ein Häftling im August 2003 beschwert, daß ein obszöner Ausdruck in englischer Sprache auf seinen Koran geschrieben worden sei. Die Armee räumte ein, es sei möglich, daß ein Aufseher dafür verantwortlich sei. Ebenso könnte der Gefangene aber selbst die Wörter aufgeschrieben haben.

Die amerikanische Armee hatte ihre Ermittlungen eingeleitet, nachdem das amerikanische Nachrichtenmagazin „Newsweek“ in seiner Ausgabe vom 9. Mai berichtet hatte, amerikanische Bedienstete in Guantanamo hätten einen Koran die Toilette heruntergespült, um Häftlinge zum Aussagen zu drängen. Das Magazin hat den Bericht mittlerweile zurückgezogen. In der moslemischen Welt hatte der Bericht zu teilweise gewaltsamen Protesten geführt. In Afghanistan waren dabei mindestens 16 Menschen getötet worden.

Falschbehandlungen „selten und niemals stillschweigend geduldet“

Wie der Kommandeur des Gefangenenlagers in Guantanamo mitteilte, erbrachten die jüngsten Ermittlungen keine glaubwürdigen Hinweise darauf, daß jemals ein Angehöriger der amerikanischen Armee dort einen Koran die Toilette heruntergespült habe. „Diese Angelegenheit wird als abgeschlossen betrachtet.“ Hood fügte hinzu: „Falschbehandlungen des Korans in Guantanamo Bay sind ein seltenes Vorkommnis. Falschbehandlungen des Korans werden hier niemals stillschweigend geduldet.“ In weiteren vier Fällen habe nicht eindeutig festgestellt werden können, ob diese wirklich eingetreten seien.

Die Vereinigten Staaten halten in Guantanamo rund 520 Gefangene. Die meisten von ihnen wurden in Afghanistan gefaßt und als „feindliche Kombattanten“ geführt. Das Hochsicherheitsgefängnis war Anfang 2002 für Bürger anderer Staaten außer den Vereinigten Staaten eröffnet, die in dem von den Vereinigten Staaten ausgerufenen Krieg gegen den Terrorismus gefangen werden. Viele Häftlinge wurden für mehr als drei Jahre gefangen gehalten, ohne das Anklage gegen sie erhoben wurde. Amnesty International bezeichnete Guantanamo kürzlich als den „Gulag unserer Zeit". Der amerikanische Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben diese Kritik zurückgewiesen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, AP
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