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Verbrechensserie vor Aufklärung : Heilbronn, Eisenach, Dönermorde

  • -Aktualisiert am

Mit diesen Fahndungsbildern wurde 1998 nach Beate Z, Uwe W. und Uwe M. (von links) gesucht. Nun besteht der Verdacht, dass sie nicht nur hinter dem Polizistenmord von Heilbronn, sondern auch hinter den „Döner-Morden“ stehen könnten Bild: dapd

Erst der Polizistenmord von Heilbronn, dann die Selbstmorde von Eisenach. Nun weitet sich der Fall noch auf die Dönermorde aus. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

          Dies ist nicht der Plot für einen Krimi. Es ist das Drehbuch für eine ganze Kriminalserie, in der Bankräuber und Rechtsextreme mitspielen, in der Polizei und Geheimdienste auftreten und in der die Öffentlichkeit mit jedem neuen Akt überrascht wird. Es ist eine Geschichte, die in ganz Deutschland handelt, zwischen Zwickau und Heilbronn, zwischen Eisenach und München, zwischen Rostock und Dortmund – was die Geschichte, wie vermutlich von den Protagonisten geplant, nur verwirrender macht.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Freitag überschlagen sich die Ereignisse. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen. Erstens geht es um den Anschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn, bei der die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wird. Zweitens geht es um die schwere Brandstiftung in Zwickau am Freitag vor einer Woche. Und drittens geht es um die Ermordung von acht türkischstämmigen und einem griechischen Opfer zwischen 2000 und 2006, den „Döner-Morden“.

          Aber der Reihe nach – und die beginnt schon am Samstag, dem 9. September 2000, zwischen 12.45 und 14.45 Uhr. Enver S., geboren am 14. Dezember 1961 in Sarkikaraagac (Türkei), Blumengroßhändler in Schlüchtern (Hessen), wird an seinem mobilen Blumenstand an der Ecke Liegnitzer Straße/Schreiberhauer Straße mit acht Schüssen aus zwei Pistolen unterschiedlichen Kalibers angeschossen. Zwei Tage später stirbt er im Krankenhaus.

          Da der Verkäufer an Simseks Blumenstand an dem Wochenende Urlaub hatte, verkaufte der Großhändler seine Waren, die er jede Woche an der Blumenbörse in den Niederlanden erstand, am Tattag selbst. Es könnte sich um einen Racheakt gehandelt haben, um eine Familienfehde. Erst seit Freitag, elf Jahre nach dem ersten „Döner-Mord“, muss man vermuten, dass es einen rechtsextremistischen Hintergrund gab.

          Und es ging immer weiter.

          13. Juni 2001: Abdurrahim Özüdogru wird in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg-Langwasser mit zwei Kopfschüssen aus einer Pistole getötet.

          27. Juni 2001: Süleyman Tasköprü, Obst- und Gemüsehändler, wird im Laden seines Vaters in der Schützenstraße in Hamburg-Bahrenfeld mit drei Schüssen in den Kopf getötet.

          29. August 2001: Habil Kilisc, Obst- und Gemüsehändler, wird in seinem Geschäft in der Bad Schachener Straße in München-Ramersdorf mit zwei Schüssen in den Kopf getötet.

          25. Februar 2004: Yunus Turgut, Verkäufer, wird in einem Dönerstand in Rostock nahe der Postfiliale Martin-Niemöller-Straße erschossen.

          9. Juni 2005: Ismail Yasgar, Dönerstand-Besitzer, wird in seinem Imbiss in der Nürnberger Scharrerstraße mit fünf Schüssen getötet.

          15. Juni 2005: Theodoros Boulgarides, geborener Grieche, Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, wird in seinem Laden in der Trappentreustraße 4 im Münchner Westend erschossen.

          4. April 2006: Mehmet Kubasik wird in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstraße 189 mit mehreren Schüssen getötet.

          6. April 2006: Halit Yozgat wird in seinem Internetcafé in der Holländischen Straße 82 in Kassel schwer verletzt aufgefunden und stirbt noch am Tatort. Neun Morde, gezielt und brutal ausgeführt, an zufälligen Opfern, die nur eines gemeinsam hatten: Sie waren Ausländer und arbeiteten in Geschäften, die von der Straße aus leicht zugänglich waren. Meist gab es keine Zeugen, mal sah man zwei Männer, die flüchteten.

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