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Verband schlägt Alarm „Bundeswehr steht kurz vor der Implosion“

Die Reform der Streitkräfte setzt den Soldaten stark zu, sagt der Bundeswehrverband: „Hier spart man Truppe und Familien kaputt.“ Die Forderung nach 10.000 neuen Stellen weist das Ministerium zurück.

© dpa Vergrößern Die Soldaten leisteten Außerordentliches, so der Bundeswehrverband, aber „auch diese Menschen stoßen an ihre Grenzen“.

Der Bundeswehrverband hat für die Zeit bis 2017 zusätzlich 10.000 Stellen für die Streitkräfte gefordert, um Umbrüche und Mehrbelastungen wegen der Bundeswehrreform bewältigen zu können. Wenn jetzt nicht schnell gehandelt werde, drohe das innere Gefüge der Bundeswehr nachhaltig Schaden zu nehmen. Die Bundeswehr stehe kurz vor der Implosion, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Ulrich Kirsch, am Montag in Berlin. Es müsse zeitlich befristet zusätzliches Personal eingestellt werden, „um die größten Herausforderungen der Neuausrichtung zu meistern“. Derzeit verlaufe der mit der Reform verbundene Personalabbau zu schnell.

Kirsch verwies dabei auf zusätzliche Belastungen durch die neuen Auslandseinsätze in der Türkei und in Mali sowie auf zeitweilige Doppelstrukturen, die mit der Reform verbunden seien. „In der Folge werden die Stehzeiten im Ausland immer länger, Regenerationsphasen in der Heimat immer kürzer“, sagte Kirsch. Das alles belaste die Soldaten: „Hier spart man Truppe und Familien kaputt.“ Die Soldaten leisteten Außerordentliches, aber „auch diese Menschen stoßen an ihre Grenzen“.

Verteidigungsministerium: „ziemlich dünn“

Die Befragung von Führungskräften der Bundeswehr ergab, dass drei Viertel den Nachbesserungsbedarf bei der Bundesreform für groß oder sehr groß halten. Nicht einmal acht Prozent bewerteten die Umsetzung der Reform als gut oder sehr gut. Bei einer Vorgängerstudie im vergangenen September waren es noch 15 Prozent.

Die Situation habe sich seitdem nicht verbessert, zum Teil sogar verschlechtert, sagte Studienleiter Gerd Strohmeier. 83 Prozent der Befragten wünschen sich eine bessere berufliche Planungssicherheit, 73 Prozent eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und 42 Prozent eine bessere Besoldung. Nur 17 Prozent würden ihnen nahestehenden Personen den Dienst in den Streitkräften empfehlen. Rund 60 Prozent fühlen sich von der Politik nicht unterstützt.

Trotz der Forderungen des Verbandes plädierte Kirsch gegen eine grundlegende „Reform der Reform“: „Dies würde der Bundeswehr endgültig das Genick brechen.“

Das Verteidigungsministerium wies die Forderung nach mehr Personal am Montag zurück. „Das ist eine einfache, plakative Forderung“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Begründung dafür sei „ziemlich dünn“.

Für die Studie wurden von der Technischen Universität Chemnitz im April und Mai rund 2300 militärische und zivile Führungskräfte befragt. Schon im September vergangenen Jahres hatten sowohl eine Studie der Hochschule als auch eine vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegebene Befragung eine massive Unzufriedenheit in der Truppe offenbart. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sein Reformkonzept damals verteidigt, aber eine bessere Vermittlung der Reform innerhalb der Truppe zugesagt.

Die Reform der Streitkräfte ist die bislang umfassendste in der Geschichte der Bundeswehr. Die einschneidendste Veränderung war die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011. Die Truppenstärke von einst 250.000 Soldaten soll auf höchstens 185.000 reduziert werden. Die Zahl der Zivilbeschäftigten sinkt von 76.000 auf 55.000. 32 Bundeswehrstandorte werden bis 2017 geschlossen, rund 90 teils drastisch verkleinert. Nach Abschluss der Reform sollen noch 263 übrig sein.

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Quelle: sat./F.A.Z.

 
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