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Venezuela Wie im Ostblock, nur bunter

07.08.2007 ·  Außer Kuba hegt kein anderes Land eifrigere Revolutionsfantasien als Venezuela. Über allem steht die Person des Präsidenten. Was Hugo Chávez mit seinem „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ meint, hat er aber noch nicht verraten.

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In Venezuela gehört die Revolution zum Alltag. Von allen lateinamerikanischen Ländern ist es nur noch Kuba, das vergleichbare Revolutionsfantasien hegt. In Venezuela kann man sich fast schon in die Zeiten des real existierenden Sozialismus zurückversetzt fühlen. Politische Parolen an Hauswänden, das überlebensgroße Konterfei des Präsidenten Hugo Chávez in revolutionärer Pose mit hochgerecktem Arm, Aufmärsche rot uniformierter Massen. Es ist wie in den früheren Ostblockstaaten, nur bunter.

Chávez liebt Rituale. Er zitiert bei jeder sich bietenden Gelegenheit die lateinamerikanischen Revolutionshelden Ernesto „Che“ Guevara oder seinen Freund und Mentor Fidel Castro. Und er predigt unentwegt den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. Was das ist, hat er bisher noch nicht verraten.

Neue Formen der Korruption

Er sagt nur, was es nicht sein soll: der marxistisch-leninistische Sozialismus alten Stils. Bisher hat er das Privateigentum ja auch noch nicht abgeschafft. Er hat nur getan, was manche früheren Regierungen auch getan haben. Er hat dem Staat wieder größeren Einfluss auf die Wirtschaft und das öffentliche Leben verschafft. Aber zu welchem Preis?

Chávez hat von Anfang an die venezolanische Gesellschaft gespalten. Noch immer verteufelt er die „Oligarchie“, all jene Personen und Gruppierungen also, die vor ihm im Land über Macht, Geld und politischen Einfluss verfügten. An den Segnungen seines Sozialismus darf nur teilhaben, wer auf seiner Seite steht. Das hat zur Entstehung einer neuen Kaste geführt - der neureichen „Chavistas“ - und zu neuen Formen der Korruption.

Chávez allein im Mittelpunkt

Chávez konnte seine Macht vor allem deshalb entfalten, weil er schauspielerisches Talent hat. Sie verleihen seinen öffentlichen Auftritten, denen er seine Popularität verdankt, einen großen Unterhaltungswert. Unvergessen ist seine Ansprache vor den Vereinten Nationen, in der er Schwefelgeruch wahrzunehmen vorgab, weil vor ihm in dem Raum der „Teufel“, also Präsident Bush, gesprochen habe. Chávez ist bei seiner Klientel beliebt, weil er frech ausspricht, was viele nur denken.

Ist sein Antiamerikanismus aber schon Sozialismus? Chávez ist pragmatisch genug, um etwa mit seinem Nachbarn, dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, der enge Beziehungen zu Washington hegt, fast schon freundschaftlichen Umgang zu pflegen. Chávez' rituelle Auftritte, seine Großmannssucht, seine Einschüchterungsversuche bei Andersdenkenden, haben in erster Linie zum Ziel, seine Person in den Mittelpunkt zu rücken. Er gibt vor, es sei nun endlich das Volk, das im Staat alle wichtigen Entscheidungen treffe. Wer aber wirklich entscheidet, ist allein er.

Diesen Personenkult kann sich Venezuela nur leisten, weil die Einnahmen aus dem Erdölgeschäft sprudeln. Mit dem Geld glaubt sich Chávez Bundesgenossen regelrecht kaufen zu können. Bisher hat das aber bestenfalls in Bolivien und Nicaragua funktioniert. Den übrigen Ländern ist der Sozialismus, den Chávez exportieren will, suspekt. Er selbst macht sich inzwischen schon Gedanken darüber, ob ein Chavismus ohne Chávez überlebensfähig ist.

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