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Andreas Ross (anr.)

Venezuela : Ohne Chávez

Für den Kult um seinen kranken Präsidenten braucht Venezuela noch nicht einmal Chávez selbst. Der Chavismus hat jetzt vorgeführt, wie gut er ohne den „Comandante“ funktioniert.

          Der Chavismus hat jetzt vorgeführt, wie geschmeidig er auch ohne Chávez funktioniert. In gewohnter Farbenpracht auflaufende Massen bejubelten den abermaligen Amtsantritt eines venezolanischen Präsidenten, der von seinem kubanischen Krankenbett aus zunächst nicht einmal ein Lebenszeichen übermitteln konnte, sollte, durfte oder wollte. Zweifellos wusste Chávez schon im Wahlkampf, dass ihm sein größter Kampf, der gegen den Krebs, noch bevorstand.

          Natürlich hat das gleichgeschaltete Oberste Gericht darin kein staatsrechtliches Problem erkennen wollen. Doch auch in der Bevölkerung scheint der Ärger über das Täuschungsmanöver des Führers nicht die Sorgen über dessen Gesundheit zu überwiegen. Deshalb hat Oppositionsführer Capriles gut daran getan, den Richterspruch zwar als politisch zu denunzieren, ihn aber ausdrücklich zu akzeptieren.

          Wenn die Opposition in nächster Zeit eine Chance gegen den Chavismus hat, dann wohl nur, wenn dieser bald endgültig ohne Chávez auskommen müsste. Ob es so kommt, wissen heute allenfalls die Castro-Brüder. Das venezolanische Volk muss warten.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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