07.02.2009 · Der umstrittene Holocaust-Leugner Robert Williamson weigert sich, seine Thesen zum Mord an den Juden zu widerrufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, forderte den Ausschluss Williamsons aus der katholischen Kirche.
Trotz des Aufrufs des Vatikans zum Widerruf seiner Holocaust-Leugnung ist der umstrittene Bischof Richard Williamson nicht von seinen Äußerungen abgerückt. Er wolle zunächst die historischen Beweise für den Holocaust prüfen, sagte Williamson dem „Spiegel“. Die Wiederaufnahme von Williamson und drei weiteren Piusbrüdern zog nach Aussagen eines Vatikan-Experten bereits eine Austrittswelle von Katholiken nach sich.
Aufgrund seiner „Recherchen in den achtziger Jahren“ sei er von der Richtigkeit seiner Äußerungen über den Holocaust überzeugt gewesen, sagte Williamson im „Spiegel“. Bei der Bewertung des Holocaust gehe es „um historische Beweise, nicht um Emotionen“. „Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren“, fügte Williamson hinzu. Wenn die Beweise ihn aber nicht überzeugten, „dann tue ich alles, was in meiner Kraft liegt, um unter keinen Umständen die Kirche und die Priesterbruderschaft weiter zu beschädigen“.
Zur Darstellung, der Vatikan kenne ihn nicht richtig, sagte Williamson, er sei mit zwei weiteren exkommunizierten Bischöfen der Piusbruderschaft im Jahr 2000 bei einem privaten Essen bei Kardinal Darío Castrillon Hoyos gewesen. Dabei sei auch über theologische Fragen gesprochen worden. Hoyos ist Leiter der für Williamsons Wiederaufnahme zuständigen päpstlichen Kommission.
Williamson: „Konzil führte zu theologischem Chaos“
Der Vatikan hatte Williamson am Mittwoch aufgefordert, er solle seine Äußerungen zum Holocaust öffentlich und eindeutig widerrufen. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen gesagt, er denke, dass „200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben“ seien, aber „nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern“.
Williamson erneuerte im „Spiegel“ seine Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Die daraus hervorgegangenen Texte seien zweideutig, dies führe „zu diesem theologischen Chaos, das wir heute haben“. Williamson lehnte gegenüber dem „Spiegel“ außerdem die Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte ab. „Wo die Menschenrechte als ein objektive Ordnung verstanden werden, die der Staat durchsetzen soll, da kommt es immer wieder zu einer antichristlichen Politik“, sagte er.
Nach Angaben des Leiters der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, hat wegen Williamsons Wiederaufnahme in die Kirche eine Austrittswelle eingesetzt. Der geplante Papstbesuch in Deutschland im kommenden Jahr könne die Lage möglicherweise verbessern, sagte er in der „Passauer Neuen Presse“.
Zollitsch: Williamson aus Kirche ausschließen
Unterdessen sprach sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, für den Ausschluss von Williamson aus der Kirche aus: „Herr Williamson ist unmöglich und unverantwortlich“, sagte Zollitsch der „Bild am Sonntag“. „Ich sehe jetzt keinen Platz für ihn in der katholischen Kirche.“
Der Freiburger Erzbischof erklärte, schon am Montag werde er der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Knobloch, zwei Terminvorschläge für ein Treffen machen. Er hoffe auf ein Gespräch binnen der nächsten vier Wochen. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller forderte den Ausschluss Williamsons aus dem Klerikerstand.
Der Zentralrat der Juden wies Schelte für die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Williamsons Wiederaufnahme abermals zurück. Es sei „Hetze“, wenn sogar aus den Reihen der katholischen Kirche zum Wahlboykott gegen die Kanzlerin aufgerufen werde, sagte Generalsekretär Stephan Kramer in der Zeitung „Rheinpfalz am Sonntag“.
"Klerikerstand"
Angela Mirna (Angela.Mirna)
- 07.02.2009, 17:41 Uhr
Zollitsch soll mal halblang machen.
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 07.02.2009, 18:14 Uhr
Es wäre der Angelegenheit dienlich, wenn sich alle Beteiligten....
Stefan Schaller (hnosteve)
- 07.02.2009, 18:38 Uhr
Unbeugsamkeit als katholisches Ideal (der Märtyrer)
Hans Meier (HansMeier555)
- 07.02.2009, 18:46 Uhr
Was ist "Hetze" im Sinne des Zentralrats der Juden (ZdJ)?
Stefan Bönsch (Stefan358)
- 07.02.2009, 19:11 Uhr