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Vatikan Seligsprechung für den „Engel der Armen“

19.10.2003 ·  Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag die Ordensgründerin Mutter Teresa selig gesprochen. 300.000 Gläubige aus aller Welt auf dem Petersplatz in Rom wohnten der Zeremonie bei.

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Tief gebeugt und mit zitternder Stimme hat Papst Johannes Paul II. am Sonntag die Ordensgründerin Mutter Teresa selig gesprochen. 300.000 Gläubige aus aller Welt strömten auf den Petersplatz in Rom, um der Zeremonie für den „Engel der Armen“ beizuwohnen. Der Papst hatte sich unmittelbar nach dem Tod von Mutter Teresa 1997 für die Seligsprechung eingesetzt, so daß diese nun nur sechs Jahre später erfolgen konnte.

In Mutter Teresa sei erkennbar geworden, wie wichtig es sei zu dienen, sagte der Papst: „Besonders den Ärmsten und denen, die am meisten vergessen sind.“ Für Johannes Paul war die zweistündige Zeremonie ein weiterer Höhepunkt der Feiern zu seinem 25jährigen Pontifikat. Für die Veranstaltung auf dem Petersplatz wurden in den vorderen Reihen Plätze für 2.000 Menschen reserviert, die von den Missionarinnen der Nächstenliebe betreut werden.

Live-Übertragung im indischen Fernsehen

Dieser 1949 von Teresa in der indischen Stadt Kalkutta gegründete Orden kümmert sich in mittlerweile 123 Ländern um Waisen, Mittellose, Sterbende und Kranke. In Kalkutta versammelten sich hunderte Anhänger der aus Skopje stammenden Ordensfrau zu einem Gottesdienst. Die Seligsprechung wurde im indischen Fernsehen übertragen, im ganzen Land fanden Versammlungen, Gebete und Feste statt.

Zahlreiche in weiße Saris mit blauen Streifen gekleidete Ordensschwestern in der letzten Wohnstätte von Mutter Teresa weinten während der Messe vor Freude. „Für uns ist es ein unvergeßlicher Tag“, sagte Ruopak Biswas, ein 34 Jahre alter Lehrer, der seine Ausbildung den Missionarinnen der Nächstenliebe verdankt. „Wir schulden Mutter Teresa unser Leben.“

Der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz, Telesphore Toppo, äußerte die Hoffnung, die Seligsprechung der Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 1979 werde zur Versöhnung der Religionen beitragen. „Wir erwarten kein Wunder“, sagte er in Rom. „Aber dieses Ereignis ist das Werk Gottes und viele werden nun auf die Botschaft von Mutter Teresa hören: Frieden, Eintracht und der Dienst an der Menschheit.“

Loyale Kardinäle

In Rom bereiteten sich die Kardinäle für das Konsistorium am kommenden Mittwoch vor. Während der Versammlung der Purpurträger beruft Johannes Paul 30 neue Kardinäle. Zu deren wichtigsten Aufgaben gehört die Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts nach dem Tod eines Papstes. Der an der Parkinson'schen Krankheit leidende Johannes Paul erteilte am Samstag neuen Spekulationen über einen möglichen Amtsverzicht abermals eine indirekte Absage. Er forderte seine Kardinäle auf, für ihn zu beten, damit er seine Mission „so lange es der Herr wünscht“ erfüllen könne. Der Leiter der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, hatte dem Papst zuvor die einstimmige und vollständige Loyalität der Kardinäle versichert.

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