13.04.2005 · Wird Kardinal Joseph Ratzinger der Nachfolger von Johannes Paul II.? Eine größere Gruppe von Kardinälen hält ihn angeblich für geeignet. Er wäre der achte deutsche Papst in der Geschichte, deren Wirken meist unbedeutend blieb.
Wird Kardinal Joseph Ratzinger der achte deutsche Papst? Wenn die Informationen italienischer Zeitungen stimmen, stehen seine Chancen beim kommenden Konklave nicht schlecht:
Eine größere Gruppe von Kardinälen scheint den deutschen Kardinal Ratzinger für einen aussichtsreichen Kandidaten und würdigen Nachfolger von Johannes Paul II. zu halten. Darüber berichtete am Mittwoch die italienische Zeitung „Repubblica“.
Ein Zahlenspiel mit den Purpurträgern
Im Vatikan sprach man daraufhin zustimmend „von 40 bis 60“ Purpurträgern, die dem deutschen Dekan des Kardinalskollegiums zuneigten, der seit 1981/82 Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre war.
Unklar war jedoch, ob sich dieses Zahlenspiel auf alle Kardinäle (183) bezog, auf die zu den bisherigen neun Generalkongregationen erschienenen (rund 140), oder gar auf die wahlberechtigten (117, von denen zwei aus Krankheitsgründen nicht kommen), die unter 80 Jahre alt sind. Verborgen blieb jedoch auch nicht, daß einige Kardinäle sich gegen eine Wahl Ratzingers zum Papst sperrten.
Großes Ansehen erworben
Kardinal Ratzinger hat sich in den mehr als zwanzig Jahren als Kurienkardinal im ganzen katholischen Weltepiskopat großes Ansehen erworben. Er wurde nicht nur als aufmerksamer Wächter der katholischen Glaubenslehre geachtet. Zunehmende Bewunderung erwarb er sich auch durch seine in tiefer Religiösität wurzelnde Theologie, die er in zahlreichen Schriften vorlegte, dabei den Glauben verteidigend und ihn intellektuell anspruchsvoll verdeutlichend. Auch seine Kritiker überzeugte er zuweilen, weil seine scharfen Analysen über die Entwicklungen in den modernen Gesellschaften meist zutrafen.
Die hohe Zahl der möglichen Wähler Ratzingers wurde zugleich als Hinweis darauf angesehen, daß die Päpste im theologischen und kirchenpolitischen Sinn keinen Revolutionär auf dem Thron Petri befürworten, sondern einen „geistlichen Reformpapst“. Das scheint nach den bisherigen Generalkongregationen und nach privaten Zusammenkünften die vorherrschende Meinung unter den Papstwählern zu sein. Kardinal Ratzinger scheint sich jüngst in einigen Fragen „offener“ präsentiert zu haben als der verstorbene Papst.
Offenes Votum der „Italiener“
Die italienischen Kardinäle, mit 20 die größte nationale Gruppe vor den Kardinälen aus den Vereinigten Staaten (elf), Deutschland sowie Spanien (je sechs) haben sich mutmaßlich noch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Gegen den Meistgenannten, den Mailänder Kardinal Tettamanzi, scheinen andere Italiener Vorbehalte zu haben.
Die italienischen Kardinäle Re (Kurie), Ruini (Kurie/Rom), Scola (Venedig) und Sodano (Kurie) seien selber "nicht unmöglich", wie es hieß, oder könnten ein gewichtiges Wort bei der Auswahl eines Kandidaten mitsprechen. Sie scheinen daran interessiert zu sein, daß der neue Papst ein Italiener ist.
Gregor V. - erster deutscher Papst
Bislang kamen sieben Päpste aus Deutschland. Doch ihr Wirken blieb meist unbedeutend. Alleine Leo IX. machte sich vor fast tausend Jahren einen Namen als Reformer. Sein Name steht aber auch für die Spaltung Roms von der Ostkirche.
Der erste deutsche Papst war Gregor V. Der als Bruno von Kärnten geborene Gregor kam am 3. Mai 996 im Alter von gerade mal 24 Jahren an die Spitze der katholischen Kirche. Gregor nutzte dabei Beziehungen aus: König Otto III., der ihn ernannte, war ein Verwandter. Im Gegenzug revanchierte sich der junge Papst noch im selben Jahr damit, daß er Otto zum Kaiser krönte.
Viel Glück bescherte ihm dies allerdings nicht: Der mit ihm unzufriedene römische Adel nutzte 997 eine kurze Abwesenheit Gregors, um einen Gegenpapst zu küren. Erst mit Hilfe Ottos III. konnte er 998 aus Pavia nach Rom zurückkehren. Nur wenig später, wahrscheinlich am 18. Februar 999, starb Gregor an den Folgen einer Malaria.
Spaltung in westliche und östliche Kirche unter Leo IX.
Von einem ähnlichen Handel wie zwischen Gregor und Otto profitierten auch die ab 1046 folgenden fünf deutschen Päpste. So machte zunächst König Heinrich III. den Niedersachsen Suitger, Graf von Morsleben und Hornburg, 1046 zu Papst Clemens II. Dieser krönte daraufhin Heinrich zum Kaiser. Clemens starb bereits ein Jahr später; Spekulationen zufolge wurde er vergiftet. Sein Grab im Bamberger Dom ist das einzige Papst-Grab nördlich der Alpen.
Heinrich III. ernannte im Folgenden auch die deutschen Päpste Damasus II., Leo IX. und Victor II. Während Damasus nur 24 Tage nach seiner Wahl im Juli 1048 starb und keine Spuren in der Kirchengeschichte hinterließ, ist Leos Amtszeit von 1049 bis 1054 bis heute spürbar. Der heilig gesprochene Reformpapst schuf das Kardinalskollegium. Dies ist das höchste Beratungsgremium der Kirche, derzeit steht Ratzinger an dessen Spitze.
Leo zentrierte auch die kirchliche Macht, in dem er den Bischof von Rom zum alleinigen Oberhaupt der Kirche erklärte. Gleichzeitig steht Leo aber für die Spaltung der römisch-katholischen Kirche von den Orthodoxen. Am 16. Juli 1054 veröffentlichte der Papst infolge anhaltender Machtkämpfe mit dem Patriarchen von Byzanz eine Bannbulle, die zur Trennung von westlicher und östlicher Kirche führte.
Victor II. war ein politischer Papst
Victor II. setzte die innerkirchlichen Reformen seines Vorgängers fort und sorgte damit auch dafür, daß sich das von Leo IX. angeordnete Zölibat der Priester in der kirchlichen Praxis verfestigte. 500 Jahre später wurde es beim Konzil in Trient endgültig festgeschrieben.
Ansonsten war Victor eher ein politischer Papst, der nach dem Tod Heinrich III. dessen erst sechsjährigem Sohn Heinrich IV. auf den Kaiserthron verhalf. Mit Victor endete auch die Periode der deutschen Päpste, die vom Vorrecht des alleinigen Papstwahlrechts des deutschen Kaisers profitierten.
Hadrian VI. - bislang letzter deutscher Papst
Der bis heute letzte deutsche Papst ist Hadrian VI. Der in Utrecht geborene Sohn eines deutschstämmigen Zimmermanns wurde wegen seiner politischen Verdienste und seines vorbildlichen Lebens in Abwesenheit zum Papst gewählt.
Seine von 1522 bis 1523 andauernde Amtszeit von 22 Monaten war dennoch eine unglückliche: Hadrian mußte sich mit den Herausforderungen der Reformation durch Luther auseinander setzen und mit dem Krieg der christlichen Länder gegen die Türken. Die Römer begegneten ihm zudem mit tiefer Abneigung, da sie einen italienischen Papst wollten.
Hadrian, der wegen seiner Herkunft in einigen Quellen auch als niederländischer Papst gilt, blieb denn auch fast ein halbes Jahrtausend der letzte Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri. Erst Johannes Paul II. beendete die fast zur Regel gewordene Wahl italienischer Kardinäle.