29.09.2003 · Nach seiner Erkrankung hat sich Papst Johannes Paul II. wieder in der Öffentlichkeit gezeigt und die Namen von 31 neuen Kardinälen bekanntgegeben. Sie werden Mitglieder des Kollegiums, das seinen Nachfolger wählen wird.
Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag in Rom die Namen von 31 neuen Kardinälen bekanntgegeben. Sie werden am 21. Oktober, während der Feiern im Vatikan zum 25. Jahrestag der Wahl und des Amtsantritts des Papstes, in das Kardinalskollegium, das vornehmste Gremium der katholischen Weltkirche, aufgenommen. Zum größten Teil wurden erwartete Beförderungen in den Kardinalsrang vorgenommen. Vor allem werden Leiter der vatikanischen Kurienämter und Bistumsleiter aus den großen Erzdiözesen der Kirche, in Italien und rund um den Erdball, mit dem Purpur, der traditionellen Amtsfarbe der Kardinäle, ausgezeichnet. Der Papst zeigte sich am Wochenende erstmals wieder in der Öffentlichkeit, nachdem er Mitte der Woche seine Generalaudienz aus gesundheitlichen Gründen abgesagt hatte. Am Samstag empfing er die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo.
Die Ankündigung eines Konsistoriums mit neuen Kardinälen kam nicht überraschend nach den Stimmen der letzten Tage, erfolgte jedoch zu einem früheren Zeitpunkt als erwartet. Der Grund für den vorgezogenen Termin wurde im Vatikan in dem angegriffenen Gesundheitszustand des Papstes gesehen. Johannes Paul II. habe, so hieß es, mit den Ernennungen das Kardinalskollegium für ein Konklave, die Wahl eines neuen Papstes, auffüllen wollen. Nach der traditionellen Regelung soll das Papstwahl-Gremium 120 Mitglieder haben, Kardinäle, die unter 80 Jahre alt sind. Da in den nächsten sechs Monaten zehn Kardinäle diese Altersgrenze überschreiten und bis zum Ende des nächsten Jahres sogar 24 insgesamt, erschien ein vorzeitiges Konsistorium auch daher gerechtfertigt. Durch die Neuernennungen, unter denen kein Deutscher und überraschenderweise nur ein Amerikaner zu finden sind, steigt die Zahl der Papstwähler auf zur Zeit 135. Die Stellung der Italiener erscheint gestärkt; zudem ist der Internationalität der Kirche in allen Kontinenten Rechnung getragen.
31 neue Kardinäle
Die neuen Kardinäle sind (in der vom Papst für ihren protokollarischen Rang maßgeblichen Reihenfolge): aus der römischen Kurie: Jean-Louis Tauran, verantwortlicher Erzbischof im Staatssekretariat für die Beziehungen zu den Staaten ("Außenminister"); Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden; Julian Herranz (vom obersten kirchenrechtlichen Berufungsgericht, Mitglied des Opus Dei); Javier Lozano Barragan (Gesundheitsrat, für die kirchlichen Krankenhäuser); Francesco Marchisano (Petersbasilika); Attilio Nicora (Vermögensverwaltung APSA); und Stephen Fumio Hamao (Rat für Migrationen).
Aus den großen Welt-Bistümern stammen: Angelo Scola (Venedig), Ennio Antonelli (Florenz), Tarcisio Bertone (Genua), Bernard Panafieu (Marseille), Philippe Barbarin (Lyon), Keith Michael Patrick O'Brien (Edinburgh), Carlos Amigo Vallejo (Sevilla), Josip Bozanic (Zagreb, Kroatien), Peter Erdö (Budapest), Justin Francis Rigali (Philadelphia, USA), Eusebio Oscar Scheid (Rio de Janeiro), Rodolfo Quezada Toruno (Guatemala), Gabriel Zubeir Wako (Khartum, Sudan), Anthony Olubunmi Okogie (Lagos, Nigeria), Peter Kodwo Appiah Turkson (Cape Coast, Ghana), Telesphore Placidus Toppo (Ranchi, Indien), Jean-Baptiste Pham Minh Man (Ho-Tschi-Minh-Stadt, Vietnam), George Pell (Sydney, Australien) und Marc Ouellet (Quebec, Kanada). Dazu werden wegen ihrer besonderen Verdienste vier Theologen zu Kardinälen erhoben: George Marie Martin Cottier (Päpstlicher Theologe, Schweiz), Gustaaf Joos (Belgien), Thomas Spidlik (Tschechien, Jesuit) und Stanislas Nagy (Polen). Manche meinten, der "im geheimen", "in pectore", ernannte Kardinal sei der persönliche Sekretär des Papstes, der polnische Bischof Stanislaw Dziwisz, der in einem nächsten Konsistorium oder von einem neuen Papst berücksichtigt würde; dafür gab es entsprechend den vatikanischen Gepflogenheiten keine Bestätigung.