Home
http://www.faz.net/-gpf-3nsa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

USA Bush liegen Angriffspläne für Irak vor

21.09.2002 ·  US-Präsident Bush liegen bereits detaillierte Pläne für einen Angriff auf den Irak vor. Der Irak will nicht auf weitere UN-Resolutionen im Konflikt um seine Massenvernichtungswaffen eingehen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

US-Präsident George W. Bush liegen nach Angaben von Regierungsbeamten detaillierte Pläne für einen Angriff auf den Irak vor. Das geheime Papier mit militärischen Optionen wurde dem Präsidenten nach einem Bericht der „New York Times“ vom Samstag Anfang September von General Thomas Franks, dem Oberbefehlshaber des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos, übergeben. Die irakische Regierung schlägt derweil wieder härtere Töne an: Wie der staatliche Rundfunk am Samstag berichtete, weist die Regierung unter Saddam Hussein eine von den USA angestrebte neue Resolution des Weltsicherheitsrates zurück.

Präsident Bush hat nach Darstellung des Weißen Hauses im Zusmmenhang mit den vorgelegten Angriffsplänen noch keine Entscheidung getroffen. Ein etwaiger Angriff würde aus der Luft unter Führung von B- 2- Bombern gegen Kommando-, Kontroll- und Luftabwehrstellungen beginnen, sagten Beamte dem Blatt. „Zehntausende“ von Soldaten der Armee und Marineinfanterie würden gleichzeitig von Kuwait und möglicherweise anderen Ländern aus angreifen. Die Pläne enthielten genaue Zahlen von Truppen, Flugzeugen und Kampfgruppen der Marine, die beteiligt wären.

Die Entscheidung der irakischen Regierung, neuen Resolutionen nicht Folge zu leisten, sei bei einem Treffen von Staatschef Saddam Hussein mit ranghohen Regierungsmitarbeitern getroffen worden, meldete ein irakischer Sender. „Amerikanische Regierungskreise bemühen sich nach Medienberichten, eine neue, schlechte Resolution im Sicherheitsrat zu erarbeiten oder zu verabschieden“, hieß es weiter. „Der Irak erklärt, dass er sich auf jegliche neue Resolution nicht einlassen wird.“

„Glaubwürdige Drohung“ angestrebt

Auch nach dem irakischen Einlenken zu einer Rückkehr der UN-Waffeninspektoren dringen die USA im Sicherheitsrat auf eine neue, ultimative Resolution gegen Irak. Auch der britische UN-Botschafter Jeremy Greenstock erklärte nach Angaben von Diplomaten, ein weiterer Schritt der UN müsse eine „glaubwürdige Drohung“ enthalten für den Fall, dass Bagdad den Forderungen der Weltgemeinschaft nicht nachkommt.

Weiter verlautete, alle zehn nicht-ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats hielten eine neue Irak-Entschließung für notwendig. Irak müsste einer solchen Resolution nicht zustimmen, damit sie in Kraft treten würde.

Schröder kritisiert Irak

Bundeskanzler Gerhard Schröder kritisierte am Samstag die Erklärung des Irak zu einer eventuellen UN-Resolution, bekräftigte aber gleichzeitig seine grundsätzliche Haltung in der Irak-Frage.

Er sagte am Samstag bei einer Wahlkampfkundgebung in Rostock, der Nahe Osten brauche „viel neuen Frieden, aber keinen neuen Krieg“. Deshalb dürfe man keine „neuen Forderungen draufsatteln“.

Neue Manöver in der Golfregion

Die US-Streitkräfte verstärken derweil ihre Manöver in der Golfregion weiter, wie General Tommy Franks am Samstag bestätigte. Weitere amerikanisch-kuwaitische Militärübungen seien für die kommenden Wochen geplant, sagte der Chef des Generalkommandos Mitte in Kuwait nach einem dreitägigen Besuch der Region.

Die US-Truppen seien auch für den Ernstfall bei einem möglichen Angriff gegen Irak vorbereitet. „Wir sind bereit zu allen Einsätzen und Aktionen, die unsere Nation von uns verlangt“, sagte Franks. Er betonte aber, dass noch keine Entscheidung über eine US-Offensive gefallen sei.

Rotes Kreuz mit Expertengruppe für ABC-Waffen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bereitet sich nach Angaben seines Generaldirektors bereits auf einen möglichen Irak-Krieg vor. Angelo Gnaedinger sagte der Zeitung „Tribune de Geneve“, seine Organisation befasse sich mit allen möglichen Szenarios des Konflikts.

Dazu gehöre der Einsatz von Massenvernichtungswaffen ebenso wie die Ausbreitung des Krieges auf andere Länder. Für den Fall, dass chemische oder biologische Waffen eingesetzt würden, sei bereits eine Gruppe von Fachleuten zusammengestellt worden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Brandsatz Syrien

Von Günther Nonnenmacher

In Syrien ist ein voll entfalteter Bürgerkrieg im Gang. Assad geht mit aller Härte vor, weil er fürchtet, dass jedes Nachgeben als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Die Opposition hofft, das Regime mit der Zeit zu zermürben. Dieser Konflikt könnte den gesamten Mittleren Osten in Brand setzen. Mehr