Sigmar Gabriel, Renate Künast und Guido Westerwelle waren bisher nicht dadurch aufgefallen, dass sie sich für religiöse Anliegen oder archaische Traditionen starkmachten. Nun aber sorgen sie sich wortreich darum, ob jüdisches Leben in Deutschland künftig noch möglich sei. Auch der Regierungssprecher ist in heller Aufregung, nachdem sich die Europäische Rabbinerkonferenz eingemischt hat. Und so ist Erstaunliches geschehen: Nur zwei Wochen, nachdem ein Urteil bekannt geworden ist, das die rituelle Beschneidung eines muslimischen Jungen als Straftatbestand wertet, steht in Berlin die ganz große Koalition bereit, endlich „Rechtsfrieden“ zu stiften. Ein Gesetz soll außer Kraft setzen, was ein Kölner Gericht befand.
Körperliche Unversehrtheit von Kindern
Das Gericht, wird nun behauptet, habe das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit nicht abgewogen gegen das Recht auf freie Religionsausübung. Doch da gerät einiges durcheinander. Der Staat schützt zuerst das Recht jedes Einzelnen, sich frei für oder gegen einen Glauben zu entscheiden. Was heißt das für einen Säugling oder ein Kleinkind, dem die Vorhaut als Zeichen des ewigen Bundes mit Gott entfernt wird? Dass seinem Körper eine religiöse Entscheidung aufgeprägt wird, die er im mündigen Alter nie mehr widerrufen kann. Das ist der Sinn dieses Ritus - und genau davor sollte das Grundgesetz jeden Bürger schützen.
Davon abgesehen: Ist es wieder üblich, die körperliche Unversehrtheit von Kindern in Frage zu stellen? Bisher galt es als Rechtsfortschritt in Deutschland, dass die Prügelstrafe abgeschafft wurde und Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Selbst der Versuch, „verantwortungsvoll durchgeführte Beschneidungen“ zu erlauben, führt in die Irre. Der im Kölner Verfahren beklagte Arzt verfuhr laut Gericht „einwandfrei“, nach den Regeln ärztlicher Kunst. Sein Patient aber dürfte ein Trauma fürs Leben erlitten haben.
Religionsfreiheit ist nicht schrankenlos
Max Herbheimer (MaxHerb)
- 16.07.2012, 15:26 Uhr
Bei der ganzen Sache geht es doch um ein schönes Dilemma...
Closed via SSO (shoppe57)
- 16.07.2012, 08:15 Uhr
Geht es wirklich um das Kindeswohl?
Joe Friedrich (jchfk)
- 15.07.2012, 22:06 Uhr
Uralte Sitten und Gebräuche
otto sundt (drto)
- 15.07.2012, 20:16 Uhr
Es geht nicht um Rechtsfrieden,
otto sundt (drto)
- 15.07.2012, 14:33 Uhr