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Urananreicherung Doppelte Nutzung möglich

15.02.2006 ·  Die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Nutzung der Urananreicherung sind verschwommen. Schwach angereichertes Uran reicht für Kernkraftwerke, hoch angereichertes für Atombomben. Niemand weiß, welches Teheran herstellen will.

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An der Urananreicherung hat sich vor fast vier Jahren der internationale Streit über das iranische Atomprogramm entzündet.

Durch Hinweise einer iranischen Exilgruppe wurde im Jahr 2002 bekannt, daß in einer Fabrik in Natanz, 300 Kilometer südlich von Teheran, eine Pilotanlage zur Urananreicherung im Bau war, ergänzt durch eine unterirdische Struktur, die Raum für einen großangelegten Anreicherungsbetrieb bieten würde. Diese Entdeckung rief im Westen große Sorge hervor.

Geheimhaltung macht mißtrauisch

Mißtrauen über das iranische Atomprogramm hatte zwar schon vorher geherrscht. Aber bis dahin wußte man nur, daß in Buschehr mit russischer Hilfe an der Fertigstellung eines Leichtwasserreaktors gearbeitet wurde. Solche Reaktortypen sind nur schwer für militärische Zwecke zu nutzen. Die Urananreicherung dagegen ist eine zentrale Technologie zur Herstellung von Nuklearsprengköpfen; die Grenze zwischen ziviler und militärischer Anwendung kann dabei schnell verschwimmen.

Nachdem die Regierung in Teheran erklärt hat, für diese Woche vorgesehene Gespräche in Rußland zu verschieben, wird auch in Berlin über Sinn und Unsinn militärischer Optionen debattiert.

Bei der Anreicherung kommen sogenannte Gaszentrifugen zum Einsatz. Mit diesen Geräten kann Uran schwach oder hoch angereichert werden. Schwach angereichertes Uran (Anteil des Isotops U-235 am Uran von etwa 3 bis 3,5 Prozent) wird benötigt, um Brennstäbe für Kernkraftwerke herzustellen. Hoch angereichertes Uran dagegen (Anteil bei 80 bis 90 Prozent) wird zum Bau von Atomwaffen verwendet.

Die Pilotanlage in Natanz ist für 1.000 Zentrifugen ausgelegt, in der unterirdischen Halle wäre wohl Platz für 50.000 Geräte. Nach amerikanischen Schätzungen ließen sich damit im Vollbetrieb 400 bis 500 Kilogramm waffenfähigen Urans im Jahr herstellen. Das würde zum Bau von 15 bis 20 Atombomben reichen. Allerdings könnte es Jahre dauern, bis Iran sämtliche Fertigkeiten zur Herstellung einer Bombe beherrscht. Bisher sollen in Natanz erst 164 Zentrifugen zur Verfügung stehen.

Urananreicherung nur in wenigen Ländern

Die iranische Regierung beteuert, daß sie nur schwach angereichertes Uran zur Energiegewinnung erzeugen wolle. Nach dem maßgeblichen völkerrechtlichen Abkommen, dem Nichtverbreitungsvertrag, kann ihr das auch nicht verwehrt werden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die meisten westlichen Regierungen hat aber stutzig gemacht, daß Iran den Bau dieser und weiterer militärisch nutzbarer Anlagen lange geheimgehalten hat.

Außerdem fanden die Inspekteure der IAEA an Zentrifugen in Natanz doch Spuren zweier verschiedener Typen von hoch angereichertem Uran, obwohl Iran angeblich nur eine zivile Nutzung beabsichtigte. Teheran gab dazu an, man habe die betreffenden Zentrifugen importiert, und sie seien im Ausland verunreinigt worden. Die IAEA scheint das inzwischen für plausibel zu halten.

Die Urananreicherung ist eine Technologie, die bisher nur in sehr wenigen Ländern zur Anwendung kommt. Dazu gehören die Vereinigten Staaten, Rußland, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Japan. Außerdem gibt es das Dreiländerkonsortium Urenco zur Anreicherung, an dem Großbritannien, Deutschland und die Niederlande beteiligt sind. Es wird vermutet, daß auch Nordkorea sich dieses Verfahren angeeignet hat. Die meisten dieser Länder besitzen Atomwaffen.

Anlage für Schwerwasser geplant

IAEA-Generaldirektor El Baradei schlägt seit längerem vor, die Anreicherung nicht mehr in nationaler Verantwortung vorzunehmen, sondern etwa im Rahmen regionaler Gemeinschaftsunternehmen. In diese Richtung zielt der russische Vorschlag, Iran möge den für seine Kraftwerke benötigten Nuklearbrennstoff in einer russischen-iranischen Anlage in Rußland herstellen. Auf diese Weise, so die Hoffnung, wäre es für Teheran schwierig, Nuklearmaterial zum Bau von Kernwaffen abzuzweigen.

Die Urananreicherung ist nicht die einzige militärisch verwendbare Nukleartechnologie, an der Iran arbeitet. In Arak, 250 Kilometer südwestlich von Teheran, entsteht eine Fabrik zur Herstellung schweren Wassers, geplant ist außerdem die Errichtung eines Schwerwasserreaktors zu Forschungszwecken.

Dieser Reaktortyp gilt als wenig wirtschaftlich zur Energieversorgung, kann aber in Verbindung mit einer Wiederaufbereitungsanlage zur Gewinnung von Plutonium verwendet werden. Daraus lassen sich ebenfalls Atomwaffen bauen. Da die Arbeiten in Arak sich noch in einem frühen Stadium befinden, stand die deutlich fortgeschrittenere Anlage in Natanz in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt des Atomstreits.

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