Home
http://www.faz.net/-gpf-11zfi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unternehmensmitarbeiter als Lehrer? Seiteneinsteiger sind keine Lösung

23.02.2009 ·  Ausgerechnet in der Krise sollen Wirtschaftsunternehmen auf ihre besten Mitarbeiter verzichten - um stundenweise Unterricht an Schulen zu geben. So hat es Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) vorgeschlagen. Die Idee ist geeignet, auch noch die letzten Lehramtsstudenten zu entmutigen.

Von Heike Schmoll, Berlin
Artikel Lesermeinungen (13)

Abgesehen davon, dass Unternehmen ausgerechnet in der Krise nicht auf ihre besten Mitarbeiter verzichten können, sind Seiteneinsteiger als Lehrer in Mangelfächern keine Lösung. Sie sind besser als gar kein Unterricht, aber das ist auch alles.

Ausgerechnet diejenigen, die immer die Qualität des Unterrichts und die Professionalisierung der Lehrer zum höchsten Ziel erklärt haben, wollen sich nun mit Lehrern zufrieden geben, die zwar viel Fachwissen, aber keinerlei fachdidaktische Ausbildung haben. Selbst mit kurzfristigen Fortbildungen lässt sich jedoch nicht aufholen, was Lehrer hoffentlich während eines Hochschulstudiums mit Fachstudium und fachdidaktischer Ausbildung gelernt haben.

Fachwissenschaftler statt Lehrer?

Die Forderung nach Seiteneinsteigern aus der freien Wirtschaft entmutigt obendrein die wenigen Lehramtsstudenten, die es überhaupt gibt. Sie müssen nämlich den Eindruck gewinnen, Fachkenntnisse - und noch dazu spezialisierte, reichten aus, um guten Unterricht zu geben. Wieso eigentlich hat die Kultusministerkonferenz mit der Stimme der jetzigen Bundesbildungsministerin Schavan Standards zur Lehrerbildung beschlossen, die mustergültig sind, aber in der Praxis nicht einmal das Papier wert zu sein scheinen, auf dem sie stehen?

Wer glaubt, gute Fachlehrer durch gute Fachwissenschaftler ersetzen zu können, wird alle Anstrengungen einer stärker unterrichtspraktischen Übung künftiger Lehrer langfristig zunichte machen. Denn das Ansehen des Lehrerberufs leidet dadurch noch mehr als ohnehin schon.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

Jüngste Beiträge

Brandsatz Syrien

Von Günther Nonnenmacher

In Syrien ist ein voll entfalteter Bürgerkrieg im Gang. Assad geht mit aller Härte vor, weil er fürchtet, dass jedes Nachgeben als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Die Opposition hofft, das Regime mit der Zeit zu zermürben. Dieser Konflikt könnte den gesamten Mittleren Osten in Brand setzen. Mehr