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Unruhen in China Saat der Gewalt

07.07.2009 ·  Das brutale Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte hat nicht die erhoffte Abschreckungswirkung erzielt: Die Uiguren haben sich nicht davon abhalten lassen, ihre Proteste fortzusetzen.

Von Peter Sturm
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Das hatte sich die chinesische Führung sicher anders vorgestellt. Da hat sie ihre Sicherheitskräfte mit größter Brutalität gegen uigurische Demonstranten vorgehen lassen, wobei nach offiziellen Angaben etwa 150 Menschen getötet wurden.

Aber die erhoffte Abschreckungswirkung ist ausgeblieben. Nicht nur haben sich die Uiguren nicht davon abhalten lassen, für die Freilassung der vielen Verhafteten zu demonstrieren. Auch Han-Chinesen, die von vielen Einheimischen in der Provinz Xinjiang als Handlanger der Fremdherrschaft angesehen werden, gingen auf die Straße und schlugen auf jeden ein, der nur irgendwie uigurisch aussah.

Peking hat ein Problem

Peking hat jetzt ein Problem. Zwischen Han-Chinesen und Uiguren hat sich offenbar ein solcher Hass aufgestaut, dass an eine Rückkehr zur Normalität in absehbarer Zeit vermutlich nicht zu denken ist.

Video: Unruhen in Uiguren-Provinz dauern an

Man darf gespannt sein, was die chinesische Staatskunst aus dieser verfahrenen Situation macht. Wenn die Sicherheitskräfte mit gleicher Brutalität gegen beide Volksgruppen vorgehen, geraten sie zwischen die Fronten. Tun sie es nicht, sind sie Partei. Das sowieso schon sehr ausgeprägte Misstrauen der Uiguren gegen alles Chinesische wird dann noch zunehmen.

Ein politisches Konzept Pekings ist weit und breit nicht zu erkennen. Zwar heißt es, Gewalt führe nur dazu, die wirtschaftliche Entwicklung lahmzulegen. Auf eine Bevölkerungsgruppe, die zu großen Teilen offensichtlich der Meinung ist, sie habe wenig oder nichts mehr zu verlieren, wirkt ein solcher Appell zur friedlichen Unterwerfung allerdings reichlich zynisch.

Internationale Sympathien gesichert

Die chinesische Haltung gegenüber den nationalen Minderheiten im Land ist sicher eine Erklärung für die Gewalt, die in den Minderheitengebieten immer wieder ausbricht. Aber der Minderheit unter den Uiguren, die den Weg der Gewalt beschreitet, sollten die Ereignisse der vergangenen Tage ebenso zu denken geben wie der Regierung.

Bei Auseinandersetzungen mit einer Führung wie der in Peking kommt es für den Schwächeren darauf an, sich international die Sympathie zu sichern. Die Tibeter haben das geschafft. Die Uiguren hingegen haben einen deutlich schlechteren Ruf. Der wird sicher nicht besser, wenn in Xinjiang oder anderswo Bomben explodieren. Wenn China allerdings so weitermacht wie bisher, wird es womöglich auch die Tibeter noch auf den Weg der Gewalt treiben.

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Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

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