16.03.2009 · Geschlossen präsentieren sich jetzt wieder einmal Landesfürsten der Union gegenüber ihrer Kanzlerin. Und geschlossen steht die Thüringer CDU hinter ihrem abwesenden Ministerpräsidenten Althaus. Was sollte sie auch sonst tun?
Von Reinhard MüllerDas passt: Geschlossen präsentieren sich jetzt wieder einmal Landesfürsten der Union gegenüber ihrer Kanzlerin. Und geschlossen steht die Thüringer CDU hinter ihrem abwesenden Ministerpräsidenten Althaus. Was sollte sie auch sonst tun?
Die Delegierten, die den Genesenden mit großer Mehrheit auf den Schild des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl hoben, hatten keine Wahl: Es gibt zwar zwei, drei mögliche, wenn auch noch nicht besonders profilierte Nachfolger, die auf der Landesliste gleich nach Althaus plaziert wurden. Doch deren Zeit ist noch nicht gekommen, schon deshalb, weil es sich angesichts des Unfalls des Amtsinhabers verbat, eigene Ansprüche anzumelden.
Ausreichend harmloser Statthalter
Die Partei hat ein Zeichen der Solidarität mit Althaus gesetzt, dem sie viel zu verdanken hat. Seine CDU regiert immerhin bisher allein in einem Land, in dem die Linkspartei stärker als die SPD ist. Aus Sicht der Bundeskanzlerin mag Althaus als bisher stabiler Statthalter im Osten gelten, der bundespolitisch ausreichend harmlos ist, um sie nicht zu gefährden.
Doch es geht nicht nur ein Signal der Geschlossenheit und Solidarität von dieser Wahl aus. Die Verantwortung für das Land, von der Althaus in seiner Botschaft an die Delegierten spricht, geht einher mit dem Ehrgeiz des Berufspolitikers, so lange wie möglich in öffentlichen Ämtern zu bleiben. Verantwortlich sieht sich Althaus auch für den von ihm verursachten tödlichen Unfall, aber „Schuld“ sei nicht die „richtige Kategorie, um ein solch tragisches Unglück zu bewerten“. Doch ist der Ministerpräsident rechtskräftig schuldig gesprochen worden – weil er fahrlässig einen anderen Menschen getötet hat. Er spricht von einem schicksalhaften Ereignis, das von einem Moment auf den anderen „alles verändern“ könne.
Entschieden haben sich Althaus, seine Umgebung und seine Partei aber für ein „Weiter so“. Es ist legitim, auch jemanden als Spitzenkandidaten aufzustellen, von dem man sich buchstäblich kein genaues Bild machen kann. Gut möglich, dass die Wähler diese Treue und auch den Willen des Ministerpräsidenten honorieren, wiederaufzustehen und auf jeden Fall zurückzukehren. Die Opposition hat den Unfall schon zum Tabu im Wahlkampf erklärt. Verlässlichkeit ist gefragt in diesen Zeiten; da ist Thüringen keine Ausnahme. Das gilt auch für das qualifizierte politische (Führungs-)Personal. Es ist in allen Ländern dünn gesät.
Reinhard Müller Jahrgang 1968, Redakteur in der Politik, zuständig für „Staat und Recht“.
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