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Unicef Warum trat Heide Simonis zurück?

08.03.2008 ·  Öffentlich ist der Eindruck entstanden: Bei Unicef bereichern sich Betrüger an Spenden. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schildert detailliert den Verlauf der entscheidenden Sitzung des Vorstands, in deren Folge Heide Simonis als Vorsitzende des Kinderhilfswerks zurücktrat.

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Unmittelbar vor ihrem Rücktritt vom Unicef-Vorsitz am 2. Februar ist Heide Simonis auf einer Vorstandssitzung unter heftigen Beschuss geraten. Dabei ging es auch um Machenschaften ihres Referenten Matthias Beigel. Es zeichnete sich ab, dass der Vorstand der ehemaligen Kieler Ministerpräsidentin per Abstimmung das Vertrauen entziehen würde, wenn sie dem nicht durch Rücktritt zuvorkäme. Nach dem Rücktritt gab Simonis allerdings unüberbrückbare Differenzen über nötige Reformen bei Unicef als Grund an.

Der Vorgänger und Nachfolger im Vorsitz des Deutschen Komitees für Unicef, Rainhard Schlagintweit, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ dagegen: „Auf der Sitzung am 2. Februar ist über organisatorische Reformen nicht diskutiert worden. Es gab über diesen Punkt im Vorstand keinen Dissenz.“ Frau Simonis hatte in ihrer Rücktrittserklärung einen anderen Eindruck erweckt. Der von ihr geleitete Vorstand nehme „seine eigentlichen Aufgaben“ nicht wahr und verweigere sich den Reformen. Das mache eine „konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Vorsitzenden und dem Vorstand unmöglich“.

Rücktritt Simonis war im Gespräch

In der Sendung „Beckmann“ vom 25. Februar hatte sie später bestritten, der Vorstand habe ihr den Rücktritt nahe gelegt. Es habe dort nur eine Person gegeben, die ihr gesagt habe: „Frau Simonis, das stehen Sie diesmal nicht durch.“ In Wahrheit, so berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, war im Vorstand lange darüber diskutiert worden, ob „wir es ohne Abstimmung hinbekommen, eine einvernehmliche Regelung Ihres Rücktritts zu erzielen“, wie das Vorstandsmitglied Peter von Heydt auf der Sitzung sagte, „oder ob wir eine Abstimmung brauchen“. Von einer anderen Teilnehmerin wurde das als „Vertrauensfrage“ qualifiziert. Aufgebracht hatte das Thema der Journalist Rolf Seelmann-Eggebert.

In der folgenden Debatte brachten fünf der neun anwesenden Vorstandsmitglieder unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie im Falle einer Abstimmung der Vorsitzenden nicht das Vertrauen aussprechen würden. Die Äußerungen von zwei weiteren waren schwerlich anders zu verstehen.

Großer Schaden für Unicef

Im Vorstand gab es den Verdacht, Heide Simonis selbst habe die Presse mit internem Material versorgt. Auch die vielen öffentlichen Einlassungen von Frau Simonis haben bei Unicef weithin Empörung hervorgerufen und der Organisation nach Auffassung von Vorstandsmitgliedern empfindlich geschadet. Seelmann-Eggebert sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Alles, was sie angeblich so bedrückt hat, hat sie uns allen ein halbes Jahr lang verborgen - um dann nach der ersten Veröffentlichung massiv zuzuschlagen.“ Das war Ende November.

Auf der Vorstandssitzung im Februar, so die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, wurde außerdem hitzig über Briefe gesprochen, die der Referent Beigel auf dem Briefpapier von Heide Simonis aus ihrem Persönlichen Büro an das Kölner Polizeipräsidium geschickt hatte. Diese Briefe enthalten Denunziationen des damaligen Unicef-Geschäftsführers Dietrich Garlichs, die sich angeblich durchweg auf anonyme Quellen stützen. Beigels Schreiben vom 3. Dezember 2007 listet eine beträchtliche Anzahl solcher teils tief in das Privatleben Garlichs reichender Anschuldigungen auf. Es wurde auf der Vorstandssitzung von Seelmann-Eggebert als „widerwärtig“ und „denunziatorisch“ bezeichnet.

„Ich wusste von nichts“

Frau Simonis sagte: „Ich wusste von nichts, was da war. Ich habe null Ahnung gehabt, was in dem Brief drin stand.“ Vorstandsmitglieder hielten dem entgegen, dass sie dennoch für Briefe, die auf ihrem Briefpapier von ihrem Referenten versandt worden seien, die Verantwortung trage. In der Sendung „Beckmann“ gab sie dann einige Tage später zunächst an, Beigel habe ihr diesen Brief „am Telefon erzählt“ und dann, auf Beckmanns Nachfrage: „Er hat ihn mir vorgelesen.“

Lesen sie die detaillierte Schilderung des Verlauf der entscheidenden Sitzung des Unicef-Vorstands
in der aktuellen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 9. März 2008

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. März 2008
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