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Umstrittenes Video : Oettinger, die Chinesen und die Pflicht-Homoehe

  • Aktualisiert am

EU-Kommissar Günther Oettinger Bild: dpa

Wieder einmal sorgt Günther Oettinger mit einer Rede für Aufsehen – ungewollt. Der designierte EU-Haushaltskommissar versucht sich an Scherzen über Chinesen, Frauen und Gerhard Schröder.

          Das Internetvideo einer Rede von Günther Oettinger sorgt für Aufregung. Der designierte EU-Haushaltskommissar spricht darin abfällig über die Homoehe und über Chinesen. Er wettert gegen die deutsche Müterrente, macht sich über Gerhard Schröder lustig und bezeichnet Horst Seehofer als „Populist light“.

          Gehalten hat Oettinger die Rede am Mittwochabend in Hamburg, vor rund 200 geladenen Gästen des „Europa Abend“ des AGA Unternehmerverbands. Gefilmt wurde der dreiminütige Ausschnitt, der nun bei Youtube zu sehen ist, von Sebastian Marquardt, einem Verleger für Nischenzeitschriften wie Modellbau, Drachensport und Teddybären. Er schaltete die Kamera seines Smartphones nach eigenen Angaben ein, nachdem Oettinger davor gewarnt hatte „dass die ‚Schlitzohren und Schlitzaugen‘ das Geschäft machen würden, wenn Europa keine Freihandelsabkommen zustande bringen könnte“. Da „dachte ich, es könnte sich im weiteren Verlauf lohnen, die Kamera einzuschalten“, schreibt Marquardt zu Beginn des Videos.

          Die Bezeichnung „Schlitzohren und Schlitzaugen“ ist in dem Videoausschnitt nicht zu hören, allerdings macht Oettinger weitere, wohl lustig gemeinte, Äußerungen über Chinesen: „Letzte Woche waren chinesische Minister bei uns. Zum Jahresgipfel China – EU. Neun Männer, eine Partei. Keine Demokratie. Keine Frauenquote. Keine Frau – folgerichtig. Alle Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt.“

          Außerdem bestätigt die Twitter-Nutzerin @journelle Marquardts Schilderungen. „So einen Rassismus halte ich ja für absolut unmöglich“, schreibt sie dazu.

          Europa sieht Oettinger in seiner Rede, die wohl als Mischung aus ernsthaften Analysen und witzigen Elementen angelegt war, im Hintertreffen. Gerade Deutschland übernehme mit seiner „Tagesordnung“ nicht die Verantwortung, die er erwarte. Oettinger sagt: „Die deutsche Tagesordnung mit Mütterrente, Mindestrente, Rente mit 63, Betreuungsgeld, der komischen Maut, die aber nicht kommen wird. Bald noch mit einer Pflicht-Homoehe, wenn sie eingeführt wird.“

          Den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bezeichnet Oettinger als „Populist light“. Über den ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder sagt er: „Schröder soll nun Tengelmann und Kaiser retten. Er hat ja auch Zeit. North Stream 2 wird nicht gebaut, die Frau ist weg.“

          Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck kritisierte Oettingers Rede scharf: „Ein Wahnwichtel fürchtet sich vor der homosexuellen Zwangsverheiratung: Der homophobe Spruch von der drohenden Pflicht-Homoehe zeugt davon, dass der Herr Kommissar die letzten Jahrzehnte verschlafen hat“, teilte er mit.

          Die Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Stefanie Schmidt, sprach von unfassbaren „Alt-Herren-Witzen“ Oettingers. „Ein EU-Kommissar muss glaubhaft die europäischen Werte von Nichtdiskriminierung vertreten können, anstatt rassistischen und homophoben Vorurteilen das Wort zu reden.“

          Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass Oettinger den wichtigen Posten des EU-Haushaltskommissars übernehmen soll. „Ich werde voller Elan aus den Haushaltsmitteln für Europa das Beste rausholen“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

          Der bisherige Kommissar für Digitalwirtschaft übernimmt das Haushalts-Ressort seiner bulgarischen Kollegin Kristalina Georgiewa, die zur Weltbank wechselt. „Wenn EU-Kommissionspräsident Juncker mir diesen Job anbietet und anvertraut, habe ich allen Grund, diese Aufgabe anzunehmen“, sagte Oettinger.

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