19.09.2006 · Seltene Übereinstimmung: Sowohl der amerikanische als auch der iranische Präsident loben Benedikt XVI. Der Papst habe „aufrichtig“ seine mißverständlichen Äußerungen zum Islam bedauert, sagte Bush. Ahmadineschad sagte, „wir respektieren ihn“.
Der amerikanische Präsident George W. Bush hat die Reaktion des Papstes nach seiner umstrittenen Vorlesung zum Islam begrüßt. Bush habe das Bedauern und die Klarstellungen Benedikt XVI. als aufrichtig bezeichnet, hieß es nach einem Treffen mit dem malaysischen Ministerpräsidenten Abdullah Ahmad Badawi.
Auch Badawi sagte, er akzeptiere die Entschuldigung des Papstes. In Zukunft müsse der Papst jedoch Bemerkungen vermeiden, die Muslime beleidigen könnten, fügte der Ministerpräsident hinzu.
„Wir respektieren den Papst“
Unterdessen hat auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad seinen Respekt für das persönlich geäußerte Bedauern des Oberhaupt der katholischen Kirche ausgedrückt. „Wir respektieren den Papst und alle, die interessiert sind an Frieden und Gerechtigkeit“, sagte Ahmadineschad zum Abschluß eines zwei Tage langen Besuches in Venezuela.
Am Montag hatte sich das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, sich noch in scharfer Form gegen den Papst gewandt und vom „letzten Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug“ gesprochen.
In der Türkei forderten Angestellte der obersten Religionsbehörde ein Gerichtsverfahren sowie die Festnahme des Pontifex. Benedikt sollte während seines geplanten Türkei-Besuchs im November verhaftet werden, verlangten Angestellte des Amtes für religiöse Angelegenheiten in einer an das Justizministerium gerichteten Petition. Sie forderten darin auch, wegen Verletzung der Glaubensfreiheit und der Beleidigung des Islams ein Ermittlungsverfahren gegen den Papst zu eröffnen, berichtete die Nachrichtenagentur Anatolien.
Proteste in der Türkei
Demonstranten trugen am Dienstag Schilder mit der Aufschrift: „Entschuldige dich oder komm nicht her“. Es ist in der Türkei nicht unüblich, daß Privatpersonen oder Organisationen Gerichtsverfahren gegen Persönlichkeiten von internationaler Bedeutung verlangen. Keines der Gesuche hatte bisher Erfolg.
Der Papst hatte in einer Vorlesung an der Regensburger Universität einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe „nur Schlechtes und Inhumanes gebracht“, indem er für die Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert eingetreten sei. Benedikt bedauerte inzwischen, daß dieses Zitat aus dem Zusammenhang gerissen und von Muslimen in aller Welt mißverständlich als Beleidigung aufgefaßt worden sei. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Protest gegen Papstworte)