02.05.2005 · 15 Prozent der jungen Frauen und 26 Prozent der Männer wünschen sich keine eigenen Kinder mehr. Eine „Absage an das Leben“, meint Bundesinnenminister Schily (SPD).
Eine wachsende Zahl junger Menschen in Deutschland will keine eigenen Kinder haben.
Das ergab eine am Montag veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums die Ursachen und Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung erforscht.
Während sich nach einer Befragung im Jahre 1992 nur 9,9 Prozent der Frauen und 11,8 Prozent der Männer keine Kinder wünschten, sind es inzwischen bei den Frauen 14,6 Prozent und bei den Männern sogar 26,3 Prozent.
Schily: „Absage an das Leben“
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) äußerte sich besorgt über die Entwicklung. „Eine Absage an Kinder ist eine Absage an das Leben. Wir müssen in Deutschland den Wert von Kindern, von Familien, vom menschlichen Miteinander der Generationen im öffentlichen Bewußtsein stärken“, sagte der Minister.
Ohne eine solche offensive Wertedebatte ergebe sich die Gefahr, „daß sich lebensfeindliche, zukunftsverneinende und egoistische Tendenzen in unserer Gesellschaft verstärken“, warnte Schily.
Geburtenquote derzeit bei 1,4 Kindern pro Frau
Der statistische Durchschnittswert für die Zahl der gewünschten Kinder ist den Angaben zufolge von früher 2,0 auf jetzt 1,7 pro Familie gefallen. Bei Frauen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren - der international üblichen Vergleichsgruppe für den Kinderwunsch - liege die Zahl der gewünschten Kinder mit 1,74 nur noch wenig über der tatsächlichen Kinderzahl bei den Frauen von 1,4 im Schnitt.
Bei den Männern liege der Durchschnittswert mit 1,57 sogar noch tiefer. Die Bevölkerung würde somit auch dann deutlich schrumpfen, wenn alle Frauen und Männer ihren Kinderwunsch vollständig verwirklichen könnten, hieß es.
Die Ergebnisse stammen aus der „Population and Policy Acceptance Study“, einer international vergleichenden Untersuchung, bei der 4000 Frauen und Männer in Deutschland über ihre Kenntnisse, Meinungen und Einstellungen zu einer Reihe von demografischen Themen befragt wurden.