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Umfrage des Vatikans : Katholiken hadern mit Sexualmoral der Kirche

Will die Ansichten der Katholiken kennenlernen: Papst Franziskus Bild: dpa

Mit der Kirche verbinden die meisten Katholiken eine lebensfeindliche Sexualmoral, aber auch eine hohe Wertschätzung von Ehe und Familie. Eine Mehrheit befürwortet, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als mit der Ehe gleichwertig anzuerkennen.

          Die meisten Katholiken bringen mit der Kirche eine unverständliche und lebensfeindliche Sexualmoral in Verbindung, aber auch eine hohe Wertschätzung von Ehe und Familie. Auf diese Kurzformel laufen die Antworten aus Deutschland auf eine Meinungsumfrage heraus, die der Vatikan im vergangenen Herbst unter den Katholiken in aller Welt veranstaltet wissen wollte. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse hat die Deutsche Bischofskonferenz in diesen Tagen nach Rom übermittelt. Dort sollen die Ergebnisse in eine Bischofssynode einfließen, die im Oktober dieses und im Herbst des kommenden Jahres über das Thema Familie beraten soll.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          „Die Lehre der Kirche wird dort, wo sie bekannt ist, meist nur selektiv angenommen“, heißt es in der zwanzig Seiten langen Synthese der Antworten aus Bistümern, Verbänden und Institutionen, aber auch Einzelpersonen und Gruppen. Abgelehnt werden vor allem das mit dem sogenannten Naturrecht begründete Verbot künstlicher Empfängnisverhütung, die Intoleranz gegenüber jeder Form außerehelicher Sexualität, ein oft als „diskriminierend“ beschriebener Umgang mit Homosexuellen und nicht zuletzt die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe.

          Wie sehr Norm und Wirklichkeit auseinanderklaffen, wird in dem Bericht nicht verschleiert: Nahezu alle Paare, die um eine kirchliche Trauung bäten, lebten bereits zusammen, für andere sei selbst die Geburt von Kindern kein Grund zu heiraten, Ehen unter Katholiken seien kaum stabiler als die von Personen anderer Religionen oder Weltanschauungen. Keinen Illusionen geben sich die Bischöfe auch hinsichtlich des Gebrauchs von Kondomen hin: Gerade im Blick auf die HIV-Vorbeugung werde der Verzicht auf Kondome von Katholiken nicht nur als lebensfremd, sondern ausdrücklich als unmoralisch bewertet. Wiederverheiratete Geschiedene wiederum bewerteten die Trennung und den Aufbau einer neuen Beziehung mitunter als moralisch besser als das Verharren in Einsamkeit. Die meisten Katholiken verlangten daher eine „Pastoral des Respekts und der Gewissensentscheidung des Einzelnen und einen barmherzigen Umgang mit dem Scheitern, der auch einen Neuanfang und die Wiederzulassung zu den Sakramenten ermöglicht“, heißt es in dem Bericht.

          Katholiken für anderen Umgang mit Homosexuellen

          Ein anderer Umgang ist nach Meinung der Gläubigen auch gegenüber Homosexuellen angebracht. Zwar lehnten die Katholiken eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare „überwiegend“ ab, doch gebe es die deutliche Tendenz, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften rechtlich als der Ehe gleichwertig anzuerkennen. „Nicht wenige“ hielten es auch für angebracht, gleichgeschlechtlichen Paaren einen Ritus der religiösen Segnung anzubieten.

          Welche Folgerungen die Bischöfe aus den Ergebnissen der Befragung ziehen, geben sie abschließend im Ansatz zu erkennen. Von einer „Verbotsethik“ versprechen sie sich nichts mehr. Allerdings werde die Kirche immer dann als mahnend wahrgenommen, wenn sie klarmachen könne, dass es ihr um gelingendes Leben in Gemeinschaft gehe. Angesichts des vielfältigen „Scheiterns“ menschlicher Beziehungen kommt die Kirche nach dem Urteil der Bischöfe nicht um einen „Neuanfang“ herum – auch und gerade mit Blick auf die Wiederzulassung Wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Vor allem aber müsse sich die Kirche stärker als bisher um „Wegbegleitung“ bemühen. „Dort, wo die Kirche als stärkend und unterstützend erlebt wird, wird sie auch außerordentlich geschätzt – selbst nach vielen Krisen und Skandalen,“ heißt es am Schluss des Berichts.

          Als Beweis einer hohen Erwartung an die Kirche dienen den Bischöfen die Zahl von knapp 9200 Kindertagesstätten, 686 allgemeinbildende und 219 berufsbildende Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Über die mehr als 270 Einrichtungen, die sich der Ehe-, Familien- und Lebensberatung dienen und zu drei Vierteln aus Kirchensteuermitteln finanziert werden, schreiben die Bischöfe, es gebe „deutlichen Bedarf“ an einem größeren Engagement der Kirche.

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