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Ukraine Mangelndes Katastrophenmanagement in Tschernobyl

07.04.2006 ·  Eigentlich hätte sowjetische Behörden wissen müssen, was „nach Tschernobyl“ auf sie zukam. Längst gab es wissenschaftliche Anweisungen für den Katastrophenfall. Doch selbst nach dem Unfall wurden Dokumente in Safes verschlossen und ignoriert.

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Schon 15 Jahre vor der Reaktorkatastrophe Tschernobyl veröffentlichten sowjetische Wissenschaftler eine Studie, die die notwendigen Maßnahmen im Falle von Unfällen in Kernkraftwerken erläuterte. Trotz der brisanten Ergebnisse wurde diese Studie nicht unter Verschluß gehalten: Warum weder Behörden noch Ministerien die Studie kannten ist ungeklärt.

Der Chef des strahlenmedizinischen Instituts der russischen Akademie der Wissenschaften Leonid Iljin berichtet nun der Öffentlichkeit von den daraus resultierenden Fehlentscheidungen beim Katastrophenmanagement: Diese hätten verhindert werden können, hätten die damaligen Entscheidungsträger von der Studie gewußt. Iljin selbst war an der Ausarbeitung der besagten Studie beteiligt und unmittelbar nach der Katastrophe selbst vor Ort.

Die Liqiuiditoren, die 1986 und 1987 inTschernobyl im Einsatz waren, hätten meist nicht das Geringste über radioaktive Strahlung gewußt, meinte Iljin weiter. Er berichtet, daß der Chef der ukrainischen Kommunisten, Wladimir Schtscherbickij, ihn und einen anderen Wissenschaftler am 7. Mai 1986 von Tschernobyl nach Kiew beordert und aufgefordert habe, eine Stellungnahme über die Verstrahlung der Region abzugeben. Insbesondere habe Schtscherbickij wissen wollen, ob die ukrainische Hauptstadt evakuiert werden müsse.

Im Safe verwahrt

Die Wissenschaftler hätten keine Notwendigkeit gesehen, die rund 3 Millionen Menschen aus Kiew umzusiedeln, aber zur Evakuierung besonders hoch verstrahlter Gebiete in der Region um Tschernobyl geraten. Darüber hinaus habe man der Führung in Kiew empfohlen, die Bevölkerung in Fernseh- und Hörfunksendungen unverzüglich von Fachleuten über die Lage nach der Explosion und die möglichen Folgen aufklären zu lassen.

Der „Genosse“ Schtscherbickij habe die Stellungnahme zur Kenntnis genommen und in einem Safe verwahrt. Die geforderte Aufklärung der Bevölkerung sei aber unterblieben. Am Tag der Arbeit“, dem 1. Mai 1986, hatten noch überall, und eben auch in den hochverstrahlten Gebieten, viele Tausende Menschen an Umzügen und öffentlichen Veranstaltungen im Freien teilgenommen. Auch landwirtschaftlichen Arbeiten waren trotz der Katastrophe weitergegangen. Die Bevölkerung war über das Ausmaß der Katastrophe und Schutzmaßnahmen im Unklaren gelassen worden.

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